Was ist PJenga? Serie # ARTIKEL 1.2 — ENERGIE KONKRET
Was der Berliner Blackout wirklich sichtbar machte
Systeme wirken oft stabil —
bis ein einzelner Belastungstest zeigt,
wie viele unsichtbare Lasten sie gleichzeitig tragen.
Energie ist erst sichtbar, wenn sie fehlt
Die meisten Menschen denken über Energie erst nach, wenn etwas nicht mehr funktioniert.
Wenn:
das Licht ausfällt,
das Handy nicht lädt,
die Heizung kalt bleibt,
das Internet verschwindet,
Supermärkte Probleme bekommen,
Kartenzahlung ausfällt.
Im Alltag wirkt Energie selbstverständlich.
Doch moderne Gesellschaften funktionieren nur, solange hochkomplexe Energiesysteme stabil bleiben.
PJenga betrachtet Energie deshalb nicht einfach als „Strom“, sondern als:
einen Stabilitätsturm,
der fast alle anderen Systeme mitträgt.
Der Berliner Blackout als Belastungstest
Anfang Januar 2026 kam es im Südwesten Berlins zu einem mehrtägigen lokalen Stromausfall.
Rund 100.000 Menschen waren zeitweise betroffen.
Nicht nur Strom fiel aus, sondern gleichzeitig:
Heizung,
Mobilfunk,
Internet,
digitale Zahlungssysteme,
Teile der Kommunikation,
Teile der Infrastruktur.
Der Auslöser war ein gezielter Brandanschlag auf eine infrastrukturelle Schlüsselstelle des Berliner Stromnetzes.
Doch der eigentliche Punkt war nicht nur der Anschlag selbst, sondern:
wie viele gekoppelte Systeme gleichzeitig unter Druck gerieten.
Genau hier beginnt PJenga
In meinem damaligen Artikel schrieb ich:
„Systemische Schwächen werden selten in Planspielen sichtbar. Sie zeigen sich dort, wo Abstraktion endet und Alltag beginnt.“
Und genau das machte der Berliner Blackout sichtbar.
Nicht:
den Zusammenbruch des Systems.
Sondern:
die versteckte Architektur moderner Abhängigkeiten.
Der eigentliche Stress lag nicht im Dunkeln
Der Stromausfall allein war nicht das größte Problem.
Das größere Problem war:
wie schnell andere Systeme mitbetroffen wurden.
Plötzlich funktionierten:
Kommunikation,
Orientierung,
Koordination,
digitale Infrastruktur
nur noch eingeschränkt.
Damit wurde sichtbar:
Moderne Städte bestehen nicht aus einzelnen Systemen, sie bestehen aus gekoppelten Stabilitätstürmen.
Ein Stromausfall wird sofort mehr als ein Energieproblem
Im PJenga-Modell verschiebt sich Last zwischen den Säulen.
Beim Berliner Blackout wurden gleichzeitig belastet:
Energie
Die direkte Stromversorgung.
Information & Kommunikation
Mobilfunk und Internet wurden instabil.
Gesellschaft & Politik
Menschen suchten Orientierung und Informationen.
Sicherheit
Koordination und Krisenreaktion wurden wichtiger.
Wirtschaft
Betriebe, Kühlung und Logistik waren betroffen.
Ein einzelner Belastungspunkt erzeugte also Spannungen in mehreren Türmen gleichzeitig.
Das eigentliche Problem war nicht fehlende Information
Einer der wichtigsten Sätze aus meinem damaligen Artikel lautete:
„Das Problem war nicht fehlende Information, es war fehlende Verankerung.“
Hinweise für Stromausfälle existieren seit Jahren:
Notvorräte,
Batterieradios,
Wasserreserven,
Eigenvorsorge,
Kommunikationspläne.
Die Informationen waren vorhanden.
Doch im Ereignisfall zeigte sich:
Viele Menschen konnten dieses Wissen nicht praktisch anwenden.
Wissen existierte —
aber es war nicht kulturell verankert.
Das ist eine zentrale PJenga-Erkenntnis:
Systeme können formal vorbereitet wirken,
ohne tatsächlich resilient zu sein.
Stabilität durch Umstände — nicht durch Resilienz
Besonders interessant war, was NICHT passierte.
Es kam:
nicht zu Massenpanik,
nicht zu schweren Unruhen,
nicht zum Kollaps öffentlicher Ordnung.
Doch auch das bedeutete nicht automatisch,
dass das System resilient war.
Im damaligen Artikel formulierte ich:
„Das System bestand den Test nicht, weil es robust war, sondern weil es nicht gleichzeitig mehreren Stressoren ausgesetzt wurde.“
Das ist ein klassischer Fall von:
Scheinstabilität.
Der Ausfall blieb:
regional begrenzt,
zeitlich begrenzt,
ohne zusätzliche Großkrisen.
Wären gleichzeitig:
extreme Wetterlagen,
größere Kommunikationsausfälle,
Versorgungsengpässe
hinzugekommen,
hätte sich die Lage deutlich verschärfen können.
Unsichtbare Lastträger
PJenga 2.3 fragt deshalb:
Was trägt sichtbar — und was trägt unsichtbar?
Während des Blackouts stabilisierten vor allem:
Netztechniker,
Wartungsteams,
Feuerwehr,
Krisenkoordination,
Notstromsysteme,
lokale Infrastruktur,
Einsatzkräfte,
improvisierte Kommunikationsstrukturen
das Gesamtsystem.
Die meisten Menschen sahen davon nur wenig.
Doch genau diese oft unsichtbaren Lastträger verhinderten,
dass die Belastung weiter eskalierte.
Die nächste Ebene:
Jeder Energiebaustein ist selbst wieder ein PJenga-Turm
Die Energiesäule besteht aus:
Erzeugung,
Übertragung,
Speicherung,
Verteilung,
Verbrauch.
Doch PJenga geht tiefer.
Denn:
Jeder einzelne Baustein besteht selbst wieder aus weiteren Systemen.
Die beschädigte Kabelbrücke in Berlin war nicht einfach „ein Kabel“.
Sie hing ab von:
Wartung,
Sicherheitskonzepten,
Netzplanung,
Redundanzen,
Kommunikationssystemen,
Materialverfügbarkeit,
Ersatzteilen,
Fachkräften,
Krisenvorbereitung.
Ein einzelner physischer Punkt trug Lasten aus mehreren Systemen gleichzeitig.
Das nennt PJenga:
rekursive Skalierung.
Warum moderne Systeme dadurch fragiler werden
Je stärker Systeme gekoppelt sind,
desto effizienter werden sie oft.
Aber gleichzeitig steigt:
die Komplexität,
die Abhängigkeit,
die Geschwindigkeit von Lastverschiebungen,
die Gefahr von Kaskaden.
Das bedeutet nicht, dass moderne Systeme „schlecht“ sind.
Aber: ihre Stabilität wird empfindlicher gegenüber Mehrfachbelastungen.
Narrative vs. reale Statik
Nach dem Blackout verlagerte sich die öffentliche Debatte schnell auf:
Schuldfragen,
politische Verantwortung,
Zuständigkeiten.
Diese Fragen sind legitim.
Doch die tiefere Systemfrage lautete:
Warum konnte eine einzelne infrastrukturelle Schlüsselstelle gleichzeitig mehrere gekoppelte Systeme belasten?
Das ist der Unterschied zwischen:
Ereignisdebatte
undSystemanalyse.
PJenga-2.3-Lupe
Sichtbare Lasten
Stromausfall
Dunkelheit
Heizungsausfälle
Mobilfunkprobleme
Unsichtbare Lasten
Netzstabilisierung
Wartung
Krisenkoordination
Ersatzteillogistik
personelle Belastung
Kommunikationsmanagement
Herausgerechnete Belastungen
Infrastrukturverschleiß
langfristige Verwundbarkeit
fehlende Redundanzen
kulturelle Nicht-Vorbereitung
digitale Abhängigkeit
Scheinstabilität
Das System wirkte stabil, weil:
der Ausfall regional begrenzt blieb,
keine weiteren Großstressoren hinzukamen,
viele Lasten improvisiert abgefangen wurden.
Fazit
Der Berliner Blackout war kein Zusammenbruch, aber er war ein präziser Belastungstest.
Er zeigte:
wie gekoppelt moderne Systeme geworden sind,
wie schnell Lasten zwischen Türmen wandern,
wie abhängig Alltag von Energie bleibt,
wie wichtig unsichtbare Lastträger sind,
und wie leicht Stabilität überschätzt werden kann.
Genau dafür wurde PJenga entwickelt:
Nicht um Katastrophen vorherzusagen, sondern um sichtbar zu machen,
wie moderne Systeme unter Last tatsächlich funktionieren.
Weiterführender Artikel
Die ursprüngliche Analyse des Berliner Blackouts und der gesellschaftlichen Resilienz findest du hier:
👉 „Teil 4 – Der Realitätscheck“
https://open.substack.com/pub/jcmi2025/p/teil-4-der-realitatscheck
Basierend auf:
„Was der Berliner Blackout über gesellschaftliche Resilienz verrät“




