Warum 2026 kein Kriegsjahr sein muss – aber eines werden kann
Es ist nötig die US-Regierung als eigenständige Katastrophe zu erkennen
2026 beginnt nicht mit dem Knall eines Weltkriegs.
Es beginnt mit Nervosität, Volatilität und strategischer Unklarheit.
Und genau darin liegt die Gefahr.
Denn Kriege entstehen selten dort, wo alle Beteiligten sie bewusst wollen.
Sie entstehen dort, wo Systeme unter Druck geraten, Entscheidungsfenster schrumpfen und Akteure beginnen, Risiken falsch zu kalkulieren.
Die USA: Volatilität als globaler Unsicherheitsfaktor
Die zweite Trump-Administration agiert nicht nach klassischen außenpolitischen Leitlinien. Sie operiert impulsiv, transaktional und stark personalisiert.
Das zentrale Problem ist dabei weniger eine einzelne Entscheidung –
sondern die Unvorhersehbarkeit als Dauerzustand.
Verbündete wissen nicht mehr:
welche Zusagen Bestand haben
welche Eskalationen ernst gemeint sind
und welche innenpolitisch motiviert sind
Diese Unsicherheit zwingt andere Akteure dazu, vorsorglich härter zu reagieren, eigene rote Linien enger zu ziehen – oder Risiken einzugehen, um nicht handlungsunfähig zu wirken.
Volatilität ersetzt Berechenbarkeit.
Und Berechenbarkeit ist die Grundlage jeder Abschreckung.
Europa (EU & UK): Aufrüstung ohne Taktung
Hier geht es primär um die Fähigkeit Europas – EU und Vereinigtes Königreich –, einen konventionellen, sich ausweitenden Krieg glaubwürdig abzuschrecken oder zu führen.
Gleichzeitig liegt die eigentliche Gefahr darin, dass jede konventionelle Eskalation durch die Beteiligung mehrerer Atommächte bereits durch eine vergleichsweise kleine Fehlkalkulation in eine völlig andere Eskalationsdimension kippen kann.
Europa rüstet auf – aber langsam. Zu langsam?
Politisch, industriell und gesellschaftlich nicht synchron.
Die strategische Lücke besteht nicht nur im Material, sondern in Entscheidungsfähigkeit, Produktionsgeschwindigkeit und politischer Geschlossenheit.
Und genau diese Lücke wird von außen wahrgenommen.
Russland und die Ukraine: Druck statt Entscheidung
Russlands Strategie zielt nicht auf einen schnellen militärischen Durchbruch,
sondern auf Abnutzung, Erschöpfung und Verhandlungserzwingung.
Die massive Nutzung von Drohnen, Raketen und Infrastrukturangriffen dient weniger der Geländegewinne, sondern der systematischen Zermürbung.
Gleichzeitig laufen im Hintergrund diplomatische Manöver, die weniger auf Frieden als auf Umdeutung von Realität abzielen.
Ein eingefrorener Konflikt unter russischen Bedingungen wäre kein Ende des Krieges – sondern eine institutionalisierte Instabilität mitten in Europa.
Der Iran: Abschreckung durch permanente Drohung
Auch im Nahen Osten verschiebt sich die Logik.
Die USA setzen weniger auf einen offenen Großschlag, sondern auf das Signal: Wir könnten jederzeit.
Kleine, harte Aktionen, gezielte Schläge, verdeckte Operationen – nicht um das Regime zu stürzen, sondern um Angst, Unsicherheit und innenpolitischen Druck zu erzeugen.
Das Ziel ist nicht Krieg. Das Ziel ist Unterwerfung ohne Krieg.
Doch genau diese Strategie erhöht das Risiko von Fehlreaktionen, Stellvertretereskalationen und regionalem Kontrollverlust.
Die unterschätzte Variable: Geoökonomischer Kollaps
Was in der öffentlichen Debatte fast vollständig fehlt, ist die ökonomische Kopplung all dieser Krisen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass 2026 in eine globale Wirtschaftskrise mündet, ist real, und sie wäre strukturell anders als alle bisherigen.
Nicht ausgelöst durch:
eine einzelne Bank
einen Immobilienmarkt
oder eine isolierte Finanzblase
Sondern durch die gleichzeitige Überlagerung von:
geopolitischer Unsicherheit
fragmentierten Lieferketten
massiven Rüstungsinvestitionen
politischer Handlungsunfähigkeit großer Wirtschaftsräume
Eine solche Krise würde frühere Rezessionen in den Schatten stellen.
Wenn Wirtschaft in Krieg übergeht
Ökonomische Schocks dieser Größenordnung sind historisch kein Friedensfaktor.
Sie erzeugen innenpolitischen Druck, Radikalisierung und Entscheidungszwänge.
Für Europa (EU & UK) kommt ein zusätzlicher Stressor hinzu:
Sollte sich der Krieg in der Ukraine ausweiten oder destabilisieren, ist mit mehreren Millionen zusätzlicher Flüchtlinge in sehr kurzer Zeit zu rechnen.
Eine solche Dynamik würde selbst robuste Sozialsysteme, politische Mehrheiten und gesellschaftliche Stabilität massiv belasten.
In solchen Lagen entstehen kriegerische Handlungen oft nicht aus strategischem Willen, sondern aus Überforderung, Kontrollverlust und innenpolitischer Eskalation.
Fazit: 2026 ist ein Scharnierjahr
2026 muss kein Kriegsjahr werden!
Aber es ist ein Jahr,
in dem Fehlentscheidungen schneller eskalieren
in dem ökonomische Brüche politisch explosiv wirken
und in dem die Stabilität ganzer Regionen an wenigen Knotenpunkten hängt
Kriege beginnen nicht nur durch Panzerbewegungen.
Sie beginnen durch ökonomische Brüche, politische Überforderung und das gleichzeitige Versagen mehrerer Sicherungssysteme.
Für Abonnent:innen: die fortlaufende Tiefenanalyse
In der Abo-Zone dieses Substacks führe ich diese Analyse laufend weiter.
Dort untersuche ich unter anderem in der Tiefe:
konkrete Eskalationstrigger (militärisch, ökonomisch, politisch)
Zeitachsen und Entscheidungsfenster
Wechselwirkungen zwischen USA, EU, Russland, Iran und globalen Märkten
sowie Szenarien, wie und warum 2026 kippen – oder stabilisiert werden kann
Diese Analyse wird nicht abgeschlossen, sondern fortlaufend ergänzt, präzisiert und aktualisiert – als Navigationshilfe durch ein Jahr, das entscheidend werden könnte.



In der Tiefe erkläre ich für Pay-Subscriber die ersten 3 PJenga-Steine: https://open.substack.com/pub/jcmi2025/p/geopolitisches-jenga-i-welche-steine
Sehr sehenswert in dem Zusammenhang ist die aktuelle PodCast Folge von Ronzheimer: https://youtu.be/OuLSWsIQz3g?si=1O20uQ_BLcYTRpBG