Deutschland gilt als Land des sozialen Gleichgewichts. Doch wer durch Krankheit, Jobverlust oder Lebensbruch ins System der Grundsicherung gerät, erlebt ein anderes Gesicht des Staates: ein enges Geflecht aus Regeln, Nachweisen, Terminen und Drohungen.
Ein Netz, das tragen soll, wird zum Käfig.
Die Kaskade des Abstiegs
Der Weg von stabiler Beschäftigung in die Grundsicherung folgt einer festen Reihenfolge: Krankengeld, Arbeitslosengeld I, dann Bürgergeld.
Auf dem Papier ist das ein Sicherheitsmechanismus – in der Realität ein Kaskadensystem, das Menschen systematisch schwächt.
Wer wegen Krankheit arbeitsunfähig wird, landet nach Aussteuerung in der Arbeitslosigkeit. Wer dann noch krank ist, gilt oft nicht mehr als „arbeitsunfähig“, sondern als „nicht vermittlungsbereit“.
Ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente wird in fast der Hälfte der Fälle abgelehnt.
Zurück bleibt das Bürgergeld: Bürokratie, Pflichttermine, Eingliederungsvereinbarungen – selbst dann, wenn die Person weder körperlich noch p…



