Brandt hatte seine Ölkrise. Kohl den Zusammenbruch der DDR. Schröder Arbeitslosigkeit und Hochwasser. Merkel Finanzkrise und Pandemie. Sie lagen nicht immer richtig. Aber in entscheidenden Momenten taten ihre Regierungen etwas, das 2026 auffällig schwer zu erkennen ist: Sie erklärten der Bevölkerung, was die Lage bedeutete, wohin sie wollten und was der Staat als Nächstes tun würde.
Im vorherigen Artikel habe ich darüber geschrieben, dass sich eine mögliche Weltwirtschafts-, Energie- und Lieferkettenkrise inzwischen deutlich am Horizont abzeichnet, während sich ein erheblicher Teil der politischen Öffentlichkeit mit der Frage beschäftigt, wer eigentlich auf der Brücke stehen darf.
Natürlich ist das nicht bedeutungslos.
Wer Bundeskanzler ist, welche Mehrheiten eine Regierung besitzt und ob diese Regierung überhaupt noch Entscheidungen durchsetzen kann, ist gerade in einer Krise relevant.
Ein Kapitän ist auf einem Schiff normalerweise keine rein dekorative Position.
Aber während ich darüber nachdachte, warum mich die derzeitige politische Kommunikation so irritiert, wurde mir klar, dass mir etwas anderes fehlt.
Nicht noch eine Pressekonferenz.
Nicht noch jemand, der erklärt, die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst zu nehmen.
Und auch nicht noch eine Versicherung, die Versorgung sei derzeit gesichert.
Mir fehlt etwas, das deutsche Regierungen in sehr unterschiedlichen historischen Krisen immer wieder versucht haben:
Sie verwandelten eine komplizierte Lage in einen politischen Handlungsrahmen.
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1973 wusste jeder, dass plötzlich etwas anders war
Die erste Ölkrise ist der offensichtlichste historische Vergleich.
Die Bundesregierung unter Willy Brandt konnte die arabischen Förderstaaten nicht kontrollieren. Sie konnte keinen Ölhahn im Nahen Osten aufdrehen und auch keine zusätzliche Nordsee aus dem Ärmel schütteln.
Aber sie konnte Deutschland auf eine veränderte Lage einstellen.
Das Energiesicherungsgesetz wurde im November 1973 in einem außergewöhnlich beschleunigten Verfahren beschlossen. Auf seiner Grundlage folgten vier autofreie Sonntage sowie vorübergehende Geschwindigkeitsbegrenzungen von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen.
Man kann heute sehr lange darüber diskutieren, wie sinnvoll einzelne dieser Maßnahmen tatsächlich waren.
Und das sollte man sogar.
Eine spätere Untersuchung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages verweist ausdrücklich darauf, dass Teile des damaligen Vorgehens rückblickend als aktionistisch bewertet wurden und die öffentliche Unsicherheit möglicherweise zusätzlich verstärkten.
Es geht also nicht darum, Willy Brandt nachträglich zum Schutzheiligen perfekter Krisenpolitik zu erklären.
Interessant ist etwas anderes.
Eine ganze Gesellschaft sah:
Hier ist etwas passiert.
Das betrifft uns.
Der Staat reagiert.
Und unser eigenes Verhalten wird Teil dieser Reaktion.
Niemand musste lange überlegen, ob die Bundesregierung verstanden hatte, dass sie sich nicht mehr im normalen Fahrbetrieb befand.
Eine leere Autobahn ist eine ziemlich effiziente Pressemitteilung.
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Kohl wusste 1989 nicht, wie schnell die Geschichte werden würde
Das nächste Beispiel hat mit Öl überhaupt nichts zu tun.
Im November 1989 befand sich Deutschland in einer Lage, deren weitere Entwicklung niemand zuverlässig vorhersagen konnte.
Die Mauer war gefallen.
Die DDR geriet immer stärker unter politischen und wirtschaftlichen Druck.
Die Sowjetunion veränderte sich.
Die europäischen Nachbarn und die Vereinigten Staaten hatten ihre eigenen Interessen, Erwartungen und Befürchtungen.
Helmut Kohl kontrollierte keinen dieser Faktoren.
Trotzdem stellte er am 28. November 1989 überraschend sein Zehn-Punkte-Programm vor und setzte damit die deutsche Einheit ausdrücklich auf die politische Tagesordnung. Bemerkenswert ist ein Satz, mit dem er diesen Plan begründete: Der Weg zur Einheit lasse sich weder „vom grünen Tisch“ noch mit einem Terminkalender planen; man könne aber bereits jene Etappen vorbereiten, die zu diesem Ziel führten.
Das ist Transformationsführung in einem bemerkenswert einfachen Gedanken:
Ich kontrolliere die Entwicklung nicht.
Aber ich kann Handlungsoptionen vorbereiten.
Die Geschichte überholte Kohls eigenen Stufenplan anschließend schneller, als dessen Konstruktion vermuten ließ.
Auch die Entscheidungen der Wiedervereinigung lassen sich historisch keineswegs nur als Erfolgsgeschichte erzählen. Über Geschwindigkeit, Währungsunion, Privatisierung, wirtschaftliche Transformation und ihre sozialen Folgen wird bis heute gestritten.
Aber kommunikativ hatte Kohl etwas getan, das in einer offenen Lage enorm wichtig ist:
Er hatte einen politischen Raum besetzt.
Die Bevölkerung wusste, welches Ziel die Bundesregierung verfolgte.
Verbündete wussten es.
Andere Staaten wussten es.
Die Opposition wusste es.
Man konnte zustimmen.
Man konnte widersprechen.
Man konnte Teile des Plans für falsch halten.
Aber man musste nicht rätseln, ob das Kanzleramt überhaupt darüber nachdachte, was als Nächstes passieren könnte.
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Schröder stellte sich sogar vor eine Krise, die seine eigene Partei zerreißen konnte
2003 lag Deutschland wirtschaftlich ziemlich ungemütlich im Wasser.
Hohe Arbeitslosigkeit, niedrige Wachstumsraten, Haushaltsprobleme und das inzwischen berühmte Bild vom „kranken Mann Europas“ bestimmten die politische Debatte.
Gerhard Schröder hätte erklären können, dass die Bundesregierung selbstverständlich sämtliche Sorgen sehr ernst nehme und verschiedene Arbeitsgruppen mit der Prüfung geeigneter Instrumente beauftragt habe.
Politisch wäre das vermutlich komfortabler gewesen.
Stattdessen stellte er sich am 14. März 2003 für eine rund 90-minütige Regierungserklärung vor den Bundestag und präsentierte die Agenda 2010. Der Bundestag beschreibt den Auftritt ausdrücklich als Versuch, unter erheblichem wirtschaftlichem und politischem Druck die Initiative zurückzugewinnen. Die daraus folgenden Arbeitsmarkt- und Sozialreformen wurden massiv bekämpft, lösten Proteste aus und belasteten die SPD tiefgreifend.
Auch hier geht es nicht darum, die Agenda 2010 rückblickend zum richtigen Lösungsweg zu erklären.
Genau das Gegenteil ist für dieses Argument wichtig.
Politische Führung bedeutet nicht automatisch:
Die Regierung hat recht.
Und sie bedeutet schon gar nicht:
Die Bevölkerung wird die Maßnahmen lieben.
Sie bedeutet zunächst:
Ich sehe ein strukturelles Problem.
Das ist meine Diagnose.
Das ist mein Lösungsmodell.
Und für diesen Kurs übernehme ich politische Verantwortung.
Das ist etwas fundamental anderes als eine Kommunikation, die sich darauf beschränkt, gesellschaftliche Sorgen zurückzuspiegeln.
Eine Bundesregierung ist schließlich kein Callcenter.
Ihre Aufgabe kann nicht darin enden, freundlich zu bestätigen, dass man tatsächlich verärgert ist.
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2008 reichten manchmal sogar wenige Sätze
Die Finanzkrise liefert ein weiteres Gegenbeispiel – und verhindert nebenbei jede allzu einfache Erzählung, dies sei eine besondere Fähigkeit sozialdemokratischer Kanzler gewesen.
Am 5. Oktober 2008 traten Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr sozialdemokratischer Finanzminister Peer Steinbrück gemeinsam vor die Öffentlichkeit.
Die Nervosität über das deutsche Bankensystem stieg.
Ein Bank Run musste verhindert werden.
Ihre Botschaft war entsprechend schlicht:
Die privaten Spareinlagen seien sicher.
Die Bundesregierung stehe dafür ein.
Auch diese Erklärung war politisch und fiskalisch keineswegs banal.
Gerade deshalb wirkte sie.
Die Regierung sagte nicht lediglich:
Wir beobachten die Unsicherheit der Sparerinnen und Sparer mit großer Sorge.
Sie sagte:
Hier endet eure Unsicherheit. Dafür stehen wir ein.
Politische Kommunikation wurde selbst zum Instrument des Krisenmanagements.
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2020 zeigte Merkel, dass man auch führen kann, wenn niemand das Drehbuch besitzt
Corona ist wahrscheinlich das jüngste und stärkste Beispiel.
Im Frühjahr 2020 wusste niemand zuverlässig, wie lange die Pandemie dauern würde.
Niemand wusste, wann wirksame Impfstoffe verfügbar sein würden.
Niemand kannte die endgültige wirtschaftliche Dimension.
Und niemand besaß eine fertige Gebrauchsanweisung für die kommenden Monate.
Merkel trat am 23. April vor den Bundestag und beschrieb Deutschland als in einer außergewöhnlichen Bewährungsprobe. Sie sagte ausdrücklich, dass Bund und Länder Maßnahmen beschlossen hätten, für die es kein historisches Vorbild gebe.
Die Botschaft war also gerade nicht:
Wir wissen alles.
Sondern:
Wir wissen nicht alles – und handeln trotzdem.
Parallel wurden Gesundheitsstrukturen angepasst, Wirtschaftshilfen mobilisiert, Kurzarbeit ausgeweitet und später Tests, Impfangebote und digitale Instrumente aufgebaut.
Vieles davon funktionierte nicht perfekt.
Manches kam zu spät.
Manches wurde später korrigiert.
Andere Maßnahmen führten zu tiefen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen.
Auch das gehört zur historischen Wahrheit.
Aber niemand musste anhand einer Fußnote auf Seite 47 einer Ministeriums-FAQ herausfinden, ob die Bundesregierung die Pandemie möglicherweise bemerkt hatte.
Deutschland befand sich erkennbar im Krisenmodus.
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Das hier ist keine nostalgische Kanzlergalerie
Brandt lag nicht immer richtig.
Kohl lag nicht immer richtig.
Schröder lag nicht immer richtig.
Merkel lag nicht immer richtig.
Ihre Maßnahmen waren zum Teil umstritten, politisch teuer oder wurden später korrigiert.
Darum geht es nicht.
Der gemeinsame Nenner ist wesentlich banaler – und vielleicht gerade deshalb so wichtig.
In entscheidenden Momenten versuchten diese Regierungen vier Fragen öffentlich zu beantworten:
Was ist passiert?
Was bedeutet das für Deutschland?
Was ist unser Ziel?
Was tun wir jetzt?
Diese vier Fragen ergeben einen politischen Handlungsrahmen.
Und ein Handlungsrahmen ist in einer Krise selbst eine Ressource.
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2026 arbeitet der Staat offenbar längst an der Krise
Das macht die heutige Situation komplizierter, als einfach zu behaupten, Berlin tue nichts.
Denn das wäre falsch.
Die Bundesregierung erklärt selbst, dass ihre Task Force Energieversorgung weiterhin wöchentlich ein „vorausschauendes und umfassendes Lagebild“ erstellt. Daraus sollen Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen operativ gesteuert werden; für eine mögliche Verschärfung der Lage sieht sich die Bundesregierung vorbereitet.
Auch am 14. September war die Botschaft keineswegs: alles egal.
Der stellvertretende Regierungssprecher erklärte, die Entwicklung der Kraftstoffpreise werde mit „großer und auch zunehmender Sorge“ betrachtet. Gleichzeitig verwies das Wirtschaftsministerium darauf, dass derzeit keine physischen Engpässe bei Rohöl und Rohölprodukten erwartet würden und deutsche sowie europäische Raffinerien stark ausgelastet seien. Der Regierungssprecher erklärte außerdem, das Bundeskabinett habe sich seit Beginn des Iran-Krieges nach seiner Darstellung „quasi in jeder Sitzung“ mit Sicherheitsfragen, Energiesicherheit, Speichern und Preisen beschäftigt; der Kanzler befasse sich intensiv damit.
Das ist keine Untätigkeit.
Im Gegenteil.
Und gerade deshalb wird das Kommunikationsproblem interessanter.
Wenn hinter den Kulissen so viel geschieht: Warum ist der Kurs davor so schwer zu erkennen?
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„Wir beobachten die Lage“ ist noch keine Handlungsarchitektur
Dass Ministerien eine Lage engmaschig beobachten, ist grundsätzlich erfreulich.
Ich bevorzuge das deutlich gegenüber der Alternative.
Aber irgendwann folgt die nächste Frage.
Was genau wird dort modelliert?
Und noch wichtiger:
Was folgt daraus?
Was passiert, wenn Öl dauerhaft noch teurer wird?
Was passiert, wenn ausreichend Rohöl vorhanden ist, aber Diesel oder Kerosin physisch knapper werden?
Was bedeutet das für Landwirtschaft und Lebensmitteltransport?
Für Chemie?
Für Pharma?
Für Rettungsdienste?
Für den öffentlichen Verkehr?
Was passiert, wenn gleichzeitig Gasversorgung und Wintertemperaturen zusätzlichen Druck erzeugen?
Welche Maßnahmen sind vorbereitet?
Welche Entwicklungen würden sie auslösen?
Was können Bund und Länder beeinflussen?
Was kann Deutschland überhaupt nicht kontrollieren?
Und welche Entscheidung müsste man im September treffen, weil sie im Januar nicht mehr rechtzeitig wirkt?
Eine Bundesregierung muss nicht jedes operative Detail eines Krisenplans öffentlich ausbreiten.
Aber die Bevölkerung sollte erkennen können:
Wir haben diese Fragen gestellt.
Wir haben Szenarien modelliert.
Wir wissen, welche Instrumente zur Verfügung stehen.
Und wir können erklären, wann wir welche davon benötigen würden.
Das ist mehr als Kommunikation.
Das ist die öffentliche Oberfläche staatlicher Handlungsfähigkeit.
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Sorgen zu wiederholen ist noch keine Führung
Dieser Unterschied ist mir wichtig.
Es reicht nicht, den Menschen zu sagen:
Wir sehen, dass die hohen Preise Sie belasten.
Natürlich tun sie das.
Die Betroffenen haben den Tankbeleg normalerweise bereits vor der Pressekonferenz gesehen.
Krisenkommunikation beginnt dort, wo aus der Beschreibung des Problems ein Handlungsmodell wird.
Nicht:
Wir verstehen Ihre Sorgen.
Sondern:
Wenn sich Szenario A entwickelt, tun wir X.
Wenn B eintritt, steht Y bereit.
Diese Versorgung ist abgesichert.
Dort besteht Verwundbarkeit.
Und diese Dinge sollten wir bereits heute vorbereiten.
Das bedeutet nicht, eine Krise wegzuversprechen.
Im Gegenteil.
Eine Regierung könnte sogar sagen:
Diesen Teil können wir nicht kontrollieren.
Und anschließend:
Diesen Teil schon.
Das wäre vermutlich glaubwürdiger als jede Behauptung politischer Allmacht.
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Vielleicht versteckt erfolgreicher Krisenbetrieb sich selbst
Hier liegt ein interessantes Paradox.
Solange Tankstellen Kraftstoff verkaufen, Supermärkte voll sind und Heizungen funktionieren, wirkt offensivere Krisenkommunikation schnell überzogen.
Bloß keine Panik.
Bloß keine Hamsterkäufe.
Bloß die Märkte nicht noch zusätzlich verunsichern.
Alles nachvollziehbar.
Nur können erfolgreiche Puffer ihre eigene Existenz unsichtbar machen.
Reserven werden eingesetzt.
Lieferwege ändern sich.
Raffinerien erhöhen ihre Auslastung.
Unternehmen suchen andere Zulieferer.
Staaten übernehmen zusätzliche Kosten.
Verbraucher passen ihr Verhalten an.
Und von außen sieht das System relativ normal aus, gerade weil im Maschinenraum längst gearbeitet wird.
Die politische Kommunikation meldet anschließend:
Derzeit keine Versorgungskrise.
Der Bürger sieht gleichzeitig seinen Tankbeleg, hört Nachrichten über Pipelines, Raffinerien und Seewege und fragt sich, was davon eigentlich für ihn relevant wird.
Dann sagt ihm jemand:
Wir nehmen Ihre Sorgen sehr ernst.
Das ist irgendwann keine Führung mehr.
Das ist eine Empfangsbestätigung.
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Der Bundeskanzler muss den Weltölmarkt nicht reparieren
Vielleicht liegt genau hier das größte Missverständnis.
Niemand kann vernünftigerweise erwarten, dass ein deutscher Bundeskanzler durch eine Pressekonferenz eine globale Raffineriekrise beendet.
Deutschland kann die Straße von Hormus nicht allein kontrollieren.
Es kann ausgefallene Produktionskapazitäten am Golf nicht herbeizaubern.
Es kann keinen globalen Dieselmarkt kommandieren.
Und es kann seine exportorientierte Volkswirtschaft nicht vollständig von einer weltweiten Energie- und Logistikstörung abschirmen.
Aber die Bundesregierung könnte sichtbar machen:
Das können wir nicht beeinflussen.
Das können wir beeinflussen.
Darauf bereiten wir uns vor.
Hier sind unsere Reserven.
Hier liegen unsere Verwundbarkeiten.
Und wenn sich die Lage verändert, verändert sich unser Handeln folgendermaßen.
Das wäre keine Schwäche.
Es wäre die ehrlichere Form politischer Stärke.
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Der Kapitän muss den Sturm nicht stoppen
Im vorherigen Artikel endete das Bild beim Schiff.
Die Welle rollt.
Der Maschinenraum meldet Probleme.
Berlin diskutiert über den Kapitän.
Vielleicht fehlte darin noch ein letzter Teil.
Ein Kapitän muss keinen Sturm verhindern können.
Das wäre eine bemerkenswert ambitionierte Stellenbeschreibung.
Aber die Mannschaft darf erwarten, dass irgendwann jemand auf die Brücke tritt und sagt:
Das ist der Sturm.
Das ist unser Kurs.
Das haben wir vorbereitet.
Und wenn sich die Lage verschärft, passiert als Nächstes Folgendes.
Brandt tat das auf seine Weise.
Kohl tat es.
Schröder tat es.
Merkel tat es.
Nicht immer richtig.
Nicht immer erfolgreich.
Und ganz sicher nicht immer beliebt.
Aber sichtbar.
Wenn Deutschland 2026 hinter den Kulissen tatsächlich intensiver an möglichen Eskalationsstufen arbeitet, als man von außen erkennen kann, wäre das zunächst eine gute Nachricht.
Dann fehlt vielleicht weniger der Plan als seine politische Übersetzung.
Denn das gefährlichste Kommunikationsvakuum einer Krise entsteht nicht dann, wenn eine Regierung noch nicht jede Antwort kennt.
Es entsteht dann,
wenn die Bevölkerung nicht erkennen kann, ob ihre Regierung überhaupt dieselben Fragen stellt wie sie selbst.



