Während sich die Risiken bei Öl, Diesel, Gas und den globalen Lieferketten zu einer möglichen Weltwirtschaftskrise verdichten, kreist die politische Debatte um Kanzlerfragen. Doch wer erklärt, wie das Schiff Deutschland durch die kommende Welle gesteuert werden soll?
Im April war es noch eine Warnung.
Damals schrieb ich über einen möglichen „weltwirtschaftlichen Krisentsunami aus dem Nahen Osten“. Gemeint war nicht die banale Feststellung, dass ein Krieg mit Iran Benzin verteuern könnte. Die These war wesentlich unangenehmer: Wer die Straße von Hormus destabilisiert, trifft eines der empfindlichsten Nadelöhre der Weltwirtschaft. Der erste Schlag trifft die stark von Energieimporten aus dem Persischen Golf abhängigen Volkswirtschaften Asiens, von dort wandert er über Strom- und Produktionskosten, Frachtraten, Versicherungen, Lieferketten und Importpreise weiter nach Europa und Nordamerika.
Der weltwirtschaftliche Krisentsunami aus dem Nahen Osten
Trump droht nicht nur Iran mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur. Er droht faktisch dem empfindlichsten Energie-Nadelöhr der Weltwirtschaft — und damit Asien zuerst, Europa kurz danach und am Ende uns allen.
Damals war das ein Szenario.
Heute, Mitte September, liest sich einiges davon weniger wie eine Warnung als wie eine Beschreibung dessen, was sich inzwischen vor unseren Augen entfaltet.
Die Internationale Energieagentur meldet, dass im August weiterhin mehr als zehn Millionen Barrel täglicher Förderleistung im Golf ausgefallen waren. Seit Februar sind die weltweit beobachteten Ölbestände um 507 Millionen Barrel geschrumpft, allein im August um weitere 95 Millionen. Der Raffineriedurchsatz lag weltweit 4,2 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorjahreswert. Besonders angespannt ist die Lage bei Diesel und Gasöl: Die entsprechenden Exporte aus Golfstaaten und Russland lagen im August zusammen 1,6 Millionen Barrel pro Tag unter dem Februar-Niveau. Vor dem Krieg kamen aus diesen beiden Regionen fast 45 Prozent des weltweiten seewärtigen Diesel- und Gasölhandels. Die IEA schreibt inzwischen von einem Raffineriesystem, das bis an seine Grenzen belastet wird, und warnt vor weiterer Marktverengung und demand destruction. IEA
Das ist inzwischen keine Schlagzeile aus meiner kleinen Ecke des Internets mehr.
Das ist die Lagebeschreibung der IEA.
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Ein Friedensvertrag ist keine Reparaturanleitung für eine Raffinerie
Im Juni schrieb ich unter der Überschrift:
„Der mögliche Frieden senkt den Ölpreis – aber er repariert keine Raffinerien.“
Die Grundidee war denkbar simpel. Selbst wenn Hormus wieder vollständig geöffnet wird und der geopolitische Risikoaufschlag aus dem Rohölpreis fällt, springt das dahinterliegende Energiesystem nicht wie ein Lichtschalter zurück auf Februar.
Denn Rohöl ist noch kein Diesel, kein Kerosin und kein petrochemischer Grundstoff.
Zwischen Bohrloch und Tankstelle liegen Tanker, Häfen, Pipelines, Raffinerien, Crackanlagen, Lager, Versicherer und Verteilungsnetze. Wird diese Kette beschädigt oder über Monate aus dem Rhythmus gebracht, reicht es nicht, vorne wieder Öl hineinzuschütten und hinten auf Normalität zu hoffen:
Genau an diesem Punkt wird der Blick auf den Brent-Preis allein zunehmend irreführend.
Anfang September lagen Dieselpreise in den USA laut IEA zeitweise über 200 Dollar je Barrel und damit 94 Prozent über dem Vorkriegsniveau; Europa und Asien lagen nicht weit dahinter. Gleichzeitig waren die Exporte raffinierter Produkte und LPG aus den Golfstaaten gegenüber Februar um beinahe 60 Prozent beziehungsweise 3,7 Millionen Barrel täglich eingebrochen. IEA
Eine Volkswirtschaft kann zähneknirschend 110 Dollar für ein Barrel Öl bezahlen.
Sie kann keinen Diesel verbrauchen, der nicht existiert.
Dieser Unterschied ist nicht akademisch. Er entscheidet darüber, ob wir über teure Mobilität oder über eine tatsächliche Versorgungskrise sprechen.
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Im Juli wurde aus einzelnen Warnlampen ein Armaturenbrett
Ende Juli habe ich diese Entwicklung in PJenga 3.0 als gekoppeltes System betrachtet.
Schon dort war Energie und maritime Logistik der am stärksten belastete Teil des globalen Turms. Nicht allein die Rohölmenge war entscheidend, sondern gleichzeitig Kriegsrisikoversicherungen, verfügbare Schiffe, Umwege, Raffinerieprodukte, Kerosin, Diesel, Düngemittel, Inflationserwartungen und strategische Reserven. Journ. Ike Aaren Adira Hadler - PJenga 3.0 – Globaler Lagebericht Juli 2026.pdfPDF
Noch wichtiger war die Frage nach den Puffern.
Strategische Reserven, alternative Handelswege, zusätzliche Staatsausgaben und improvisierte Lieferketten können ein System erstaunlich lange stabilisieren. Aber sie reparieren es nicht zwangsläufig.
Damals schrieb ich:
„Das System stabilisiert sich derzeit häufig nicht durch Reparatur, sondern durch Verteilung des Schadens.“
Haushalte zahlen mehr. Unternehmen verlieren Margen. Staaten übernehmen zusätzliche Kosten. Lager werden geleert. Lieferwege verlängern sich. Investitionen werden verschoben. Unternehmen und Verbraucher passen ihr Verhalten an. Journ. Ike Aaren Adira Hadler - PJenga 3.0 – Globaler Lagebericht Juli 2026.pdfPDF
Ein solcher Puffer ist wunderbar, solange man ihn einmal braucht.
Wir befinden uns inzwischen aber in einer Situation, in der immer mehr Puffer gleichzeitig arbeiten müssen.
Und irgendwann besteht Stabilität nicht mehr darin, dass das System gesund ist. Sie besteht nur noch darin, dass genügend Reserven vorhanden sind, um seine Krankheiten nicht sofort sichtbar werden zu lassen.
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Der rosa Elefant steht inzwischen mitten im Studio
Nun stehen wir im September, und selbstverständlich sind Deutschlands Tankstellen nicht leer.
Die EU-Kommission erklärte noch am 8. September, dass es aktuell kein physisches Versorgungsproblem in der Europäischen Union gebe. Diesel und Kerosin könnten bislang durch höhere europäische Raffinerieproduktion sowie alternative Lieferungen bereitgestellt werden; kommerzielle und strategische Bestände seien nach Einschätzung der Kommission ausreichend. Im selben Atemzug warnt sie jedoch, dass der Herbst und Winter die Märkte in den kommenden Wochen und Monaten weiter verengen könnten. Energy
Auch die Bundesregierung sagt derzeit nicht, dass Deutschland unmittelbar vor einer Mangellage steht.
Am 14. September erklärte der stellvertretende Regierungssprecher allerdings, die Entwicklung der Kraftstoffpreise werde mit „großer und auch zunehmender Sorge“ beobachtet. Er verwies ausdrücklich auf die Eskalation im Nahen Osten, Angriffe auf Pipelines und blockierte Seewege. Bundesregierung
Mit anderen Worten: Der Deich hält.
Der Pegel steigt trotzdem.
Und genau jetzt müsste eigentlich eine politische Diskussion darüber beginnen, was wir tun, wenn der Pegel weiter steigt.
Stattdessen beobachten wir seit Tagen eine bemerkenswerte Fixierung auf eine andere Frage:
Wer darf auf der Brücke stehen?
Bei Markus Lanz am 15. September ging es laut ZDF unter anderem um die schwindende Autorität von Friedrich Merz, eine mögliche Kanzlerkrise, Wahlergebnisse, einen denkbaren Machtwechsel in der Union und die psychologischen Triebkräfte hinter dem Erfolg der AfD. ZDF
Alles legitime Themen.
Nur steht inzwischen ein ziemlich großer rosa Elefant mitten im Studio – mit den Begriffen Öl, Diesel, Gas, Inflation, Lieferketten und Winter 2026/27 in weithin sichtbaren Buchstaben auf seinen Flanken.
Und ein erheblicher Teil der politischen Debatte scheint weiterhin mit dem Rücken zu diesem Tier darum herumzutanzen.
Vielleicht sollten wir Friedrich Merz erst stürzen, nachdem jemand geklärt hat, ob sein Nachfolger im Januar noch zuverlässig Diesel für den Dienstwagen bekommt.
Das wäre zumindest eine gewisse Priorisierung.
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Vielleicht ist es keine Ablenkung. Vielleicht ist es schlimmer: Normalbetrieb.
Ich glaube nicht, dass sich irgendwo jeden Morgen Politiker und Chefredaktionen zusammensetzen und beschließen, die Bevölkerung mit Kanzlerfragen von der Ölkrise abzulenken.
Das wäre fast beruhigend.
Denn dann gäbe es wenigstens einen Plan.
Wahrscheinlicher erscheint mir etwas wesentlich Banaleres: Politik und Medien funktionieren weiter in ihren eingeübten Rollen, obwohl sich die Art des Problems gerade verändert.
Politiker kennen Koalitionen, Mehrheiten, Parteitage, Haushaltsverhandlungen, Programme und Wahlkämpfe.
Talkshows kennen Personen, Konflikte, Gewinner, Verlierer und die wunderbare Fernsehfrage: „Herr X, haben Sie noch Vertrauen in Frau Y?“
Damit kann man 75 Minuten problemlos füllen.
Eine globale Raffineriekrise ist undankbarer.
Eine leerlaufende Crackanlage kann nicht empört dazwischenrufen.
507 Millionen Barrel abgebauter Lagerbestand rollen nicht mit den Augen.
Ein Tanker, der wegen eines Kriegsrisikos seine Route ändert, liefert keinen viralen 20-Sekunden-Clip.
Und eine pharmazeutische Lieferkette zwischen China, Indien, Rotterdam und einer deutschen Apotheke lässt sich nur schlecht in die klassische Dramaturgie „Regierung gegen Opposition“ pressen.
Unsere politische Öffentlichkeit beherrscht Machtkämpfe offenbar erheblich besser als Systemkrisen.
Nur interessiert sich eine Systemkrise herzlich wenig für die Jobbeschreibung eines Talkshowredakteurs.
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Unsere Ölreserve produziert keinen Wirkstoff in Indien
Das wird besonders deutlich, wenn wir Deutschland gedanklich verlassen.
Europa besitzt strategische Ölreserven. Gut so.
Aber Europa ist keine autarke Insel.
Ein Schiff, das in Rotterdam bunkern kann, benötigt während seiner weiteren Fahrt ebenfalls Treibstoff. Ein Frachtflugzeug, das Frankfurt vollgetankt verlässt, muss irgendwann zurückkommen. Und ein Medikament, dessen Wirkstoff in Indien produziert wird, benötigt dort nicht nur eine Fabrik, sondern Energie, chemische Vorprodukte, Verpackungen, Transport zum Hafen oder Flughafen und ein funktionierendes internationales Logistiknetz.
Die EU kann einem deutschen Lastwagen Diesel geben.
Sie kann damit keinen fehlenden pharmazeutischen Wirkstoff in Indien herstellen.
Und an diesem Punkt beginnt eine Ölkrise ihre Gestalt zu verändern.
Aus Energie wird Transport, aus Transport werden Lieferketten und aus Lieferketten werden Produktionsausfälle. Irgendwann fehlen nicht mehr nur Kraftstoffe, sondern Arzneimittel, Kunststoffe, medizinische Einwegprodukte, Düngemittel, Ersatzteile, Verpackungen oder elektronische Komponenten.
Und dann fragt niemand mehr, wie hoch Brent heute steht.
Dann fragt man, warum Produkt X nicht mehr lieferbar ist.
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Was passiert eigentlich bei 120 Dollar?
Das wäre eine hervorragende Frage für eine politische Talkshow.
Nicht irgendwann.
Jetzt.
Man könnte einen Abend lang darauf verzichten, mögliche Kanzlernachfolger durchzuzählen.
Stattdessen setzt man eine Energieökonomin, jemanden aus dem Raffineriegeschäft, einen Logistikexperten, Fachleute aus Chemie und Pharma sowie den zuständigen Minister an einen Tisch.
Dann stellt man drei Szenarien auf:
Brent bleibt ungefähr bei 105 Dollar.
Brent steigt auf 120 Dollar.
Diesel und andere Raffinerieprodukte werden zusätzlich physisch knapp.
Und anschließend darf die Regierung erklären, was jeweils passiert.
Welche Transporte genießen Priorität? Welche Industrien sind systemkritisch? Wie werden strategische Reserven eingesetzt? Welche Rolle spielen Polizei, Rettungsdienst, Lebensmittelversorgung, Landwirtschaft und öffentlicher Verkehr? Wie schützt man Haushalte, ohne gleichzeitig zusätzlichen knappen Kraftstoff zu subventionieren? Was geschieht mit Chemie und Pharma? Was passiert, wenn gleichzeitig Gas knapp wird?
Und vor allem:
Welche Maßnahmen kann man im Dezember nicht mehr rechtzeitig organisieren und müsste deshalb heute vorbereiten?
Das wäre keine Paniksendung.
Das wäre Journalismus, der seinen Job ernst nimmt.
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Politik wartet noch auf den Krisenauftrag
Ich vermute, hier liegt das eigentliche Problem.
Deutschland befindet sich politisch noch im Normalbetrieb.
Noch fahren Autos.
Noch sind Supermärkte voll.
Noch kommen die meisten Medikamente.
Noch funktionieren Strom und Heizung.
Also besteht noch kein ausreichend großer gesellschaftlicher Druck, aus parteipolitischem Normalbetrieb in tatsächliches Krisenmanagement umzuschalten.
Corona funktionierte anders.
Binnen weniger Wochen war klar, dass die Bevölkerung von der Regierung plötzlich etwas vollkommen anderes erwartete als Parteitaktik und langfristige Programme.
Auf einmal mussten Ministerien über Intensivbetten, Schutzmasken, Lieferketten, Grenzverkehr, Notfallbeschaffung und Priorisierung sprechen.
Niemand fragte mehr danach, ob Krisenmanagement in der ursprünglichen Wochenplanung des Ministers stand.
Die Krise hatte den Auftrag erteilt.
Eine schwere Energie- und Lieferkettenkrise würde denselben Mechanismus auslösen.
Nur mit einem entscheidenden Unterschied:
Wir können sie diesmal kommen sehen.
Die EU hat allein seit Beginn des Nahostkonflikts nach eigenen Angaben rund 53 Milliarden Euro zusätzlich für fossile Energieimporte ausgegeben. Gleichzeitig arbeitet die Kommission bereits an einer Überarbeitung ihres Öl-Sicherheitsrahmens und verweist ausdrücklich auf die Lehren aus der laufenden Nahostkrise. Energy
Es wäre also schwer zu argumentieren, niemand habe etwas ahnen können.
Und damit entsteht eine unangenehme Frage:
Warum warten wir darauf, dass die Krise der Politik den Auftrag zum Krisenmanagement erteilt, wenn wir ihr seit Monaten beim Heranrollen zusehen können?
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Und irgendwann wird die Bevölkerung eine sehr einfache Frage stellen
Sollte der Winter halbwegs glimpflich verlaufen, Ölströme sich normalisieren und die Raffineriemärkte entspannen, werden viele dieser Szenarien Szenarien bleiben.
Das wäre hervorragend.
Lieferketten sind anpassungsfähiger, als Untergangserzählungen gerne suggerieren. Unternehmen ändern Bezugsquellen. Raffinerien erhöhen ihre Auslastung. Nachfrage reagiert auf Preise. Staaten greifen ein.
Auch die EU bewertet ihre Gasversorgung für den kommenden Winter derzeit als ausreichend resilient, obwohl die Speicherstände niedriger liegen als in früheren Jahren. Die Kommission verweist unter anderem auf stärkere Diversifizierung, zusätzliche LNG-Importkapazitäten und geringere Gasnachfrage. Gleichzeitig bleibt die Lage im Nahen Osten außergewöhnlich und die katarische LNG-Produktion weiterhin ausgefallen. Energy
Aber genau darin besteht Vorsorge.
Man bereitet sich auf das vor, von dem man hofft, dass es nicht eintritt.
Denn falls es doch eintritt, wird die Bevölkerung nicht besonders beeindruckt davon sein, dass Berlin im September ausführlich über Kanzlerautorität, Parteiflügel und Wahltaktik gesprochen hat.
Dann wird die Frage wesentlich kürzer:
Was habt ihr eigentlich die letzten sechs Monate gemacht?
Und auf diese Frage wäre „Wir haben darüber diskutiert, wer Merz ablösen könnte“ vermutlich keine besonders beruhigende Antwort.
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Die Welle ist noch nicht über uns
Im April beschrieb ich den möglichen Krisentsunami:
Der weltwirtschaftliche Krisentsunami aus dem Nahen Osten
Trump droht nicht nur Iran mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur. Er droht faktisch dem empfindlichsten Energie-Nadelöhr der Weltwirtschaft — und damit Asien zuerst, Europa kurz danach und am Ende uns allen.
Im Juni schrieb ich darüber, warum selbst Frieden beschädigte Raffinerien und Lieferketten nicht einfach zurücksetzt:
Russlands Wirtschaft kollabiert – nur noch nicht so, wie dieses Video behauptet
Mark Reicher weiß, wie man Aufmerksamkeit bindet.
Im Juli beschrieb PJenga ein globales System, das immer stärker dadurch stabilisiert wird, dass Schäden verteilt, Lager geleert, Wege verlängert und Kosten verschoben werden:
Heute liegen die global beobachteten Ölbestände seit Februar eine halbe Milliarde Barrel niedriger. Diesel ist besonders angespannt. Golfexporte bleiben massiv reduziert. Russische Raffinerien und Produktexporte stehen zusätzlich unter Druck. Die EU sagt gleichzeitig, ihre Versorgung funktioniere derzeit noch. IEA
Dieses „derzeit“ ist der Teil, über den wir reden sollten.
Nicht weil Deutschland morgen zusammenbricht.
Sondern weil eine Krise selten höflich einen Termin beim Kanzleramt vereinbart, bevor sie eintritt.
Der Krisentsunami muss Deutschland nicht versenken. Ein Schiff kann eine schwere Welle überstehen, wenn die Mannschaft weiß, was auf sie zukommt, die Ladung sichert, die Maschinen überprüft, Reserven einteilt und rechtzeitig den Kurs ändert.
Nur sollte man damit anfangen, bevor die Welle über die Reling schlägt.
Deutschland diskutiert derweil hingebungsvoll über den Kapitän.
Der Maschinenraum meldet Probleme.
Aber immerhin ist die Sitzordnung auf der Brücke weiterhin Gegenstand intensiver Debatten.
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