Es war ein später Sonntagabend in Glinde.
Ich saß noch im Büro – Sonntage sind für mich selten Ruhetage. Der Bildschirm glühte, die To-do-Liste war länger als die Energie im Kopf, und draußen hatte die Stadt längst Feierabend gemacht. Dann klingelte mein Telefon.
Meine Frau rief mich aus Hamburg an.
Man hörte sofort, dass etwas nicht stimmte: „Ike, hier gehen die Sirenen los! Hörst du das?“
Ich hörte nichts – iPhones filtern solche Frequenzen gnadenlos weg. Aber ich hatte keinen Grund, ihr nicht zu glauben. In ihrer Stimme lag dieses raue Zittern, das entsteht, wenn Adrenalin und Ratlosigkeit gleichzeitig durch den Körper jagen.
Ein paar Minuten später der zweite Anruf: wieder Alarm, diesmal kürzer.
„Komm bitte schnell heim. Ich mag nicht allein sein.“
Ich versuchte zu beruhigen. Sturmflutwarnung, dachte ich. Routine. Hamburg hat Schlimmeres erlebt.
Und doch kamen sofort Gedanken: Ist der Sturm diesmal stärker als gedacht? Komme ich heil nach Hause? Wird der Keller wieder überflutet sein? Hab…



