Die Verteidigungsfähigkeit im Schatten politischer Symboldebatten
Die europäische Verteidigungspolitik steht an einem Wendepunkt, der seit Jahren absehbar war und dennoch kaum mit der nötigen Tiefe adressiert wurde. Während Russland seine sicherheitspolitische Architektur neu ordnet, Materialdepots im Westen des Landes ausbaut und Belarus zunehmend in strategische Strukturen einbindet, ringt Europa mit einer Frage, die wesentlich grundsätzlicher ist als die tagespolitischen Debatten vermuten lassen: Wie wehrfähig wäre der Kontinent im Falle eines konventionellen Angriffs — ohne nukleare Abschreckung und ohne sofortige amerikanische Verstärkung?
Die Antwort fällt ernüchternd aus. Und sie zeigt ein strukturelles Problem, das weit über Haushaltszahlen oder einzelne Beschaffungsprojekte hinausgeht.
Konventionelle Fähigkeiten: Eine Arithmetik der Illusionen
Rechnet man die unmittelbare Reaktionsfähigkeit der USA aus einem hypothetischen Szenario heraus, reduziert sich die NATO auf ihre europäi…



