Der Aktienmarkt boomt – und mit ihm ein Frühwarnsignal, das in der Vergangenheit fast jeden Crash angekündigt hat: der sogenannte Buffett-Indikator.
Er setzt die gesamte Marktkapitalisierung der börsennotierten US-Unternehmen ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (BIP). Steigt er über 100 %, gilt der Markt als überbewertet. Heute liegt der Wert auf einem Allzeithoch – höher als während der Dotcom-Blase, höher als 2008, höher sogar als vor dem Covid-Schock.
Was der Indikator sagt
Dotcom-Krise (2000): Buffett-Indikator hoch → Crash.
Finanzkrise (2008): Buffett-Indikator hoch → Crash.
Covid-Schock (2020): Buffett-Indikator hoch → Crash. Heute: Noch höher als in allen drei Fällen.
Das Muster ist offensichtlich: Immer, wenn der Indikator extreme Werte erreicht, folgt ein brutaler Einbruch.
Die Lücke: Das Schweigen der Leitmedien
Wer aktuell die Startseiten von FAZ, Süddeutscher Zeitung, Tagesschau oder Zeit Online durchgeht, findet viele Artikel über Inflation, Zinsen oder Immobilien. Aber kaum ein Wort zum Buffett-Indikator.
Warum?
Weil er kein exaktes Timing-Tool ist – er sagt nicht „morgen stürzt der Markt ab“.
Weil er langfristig wirkt – und Leitmedien lieber tagesaktuelle Nachrichten bringen.
Weil Schlagzeilen wie „Crash droht!“ schnell als Panikmache gelten würden.
Doch genau dieses Schweigen ist selbst ein Signal. Wenn ein Indikator Rekordstände erreicht und gleichzeitig aus dem öffentlichen Diskurs verschwindet, entsteht eine Wissenslücke, die für Anleger und Gesellschaft gefährlich werden kann.
Hybride Risiken: Mehr als nur Zahlen
Hinzu kommt: Wir leben nicht in einer reinen Finanzblase wie 2000. Heute wirken mehrere Krisen gleichzeitig:
geopolitische Spannungen (Russland–NATO, Drohnenvorfälle, Krieg in der Ukraine),
fragile Lieferketten,
Energiepreise und Klimafolgen,
hohe Verschuldung und steigende Zinsen.
All diese Faktoren verstärken die Anfälligkeit des Marktes. Ein überhitzter Aktienmarkt trifft auf eine ohnehin unsichere Weltlage – die Mischung ist explosiv.
Warum das Lücken-Lesen wichtig ist
Analytischer Journalismus bedeutet nicht nur, Schlagzeilen zu lesen – sondern auch auf das zu achten, was nicht berichtet wird. Das „Lücken-Lesen“ ist ein Werkzeug, um Indikationen früh zu erkennen.
Der Buffett-Indikator explodiert. Fachportale schlagen Alarm. Leitmedien schweigen.
Das ist keine Entwarnung – das ist ein Warnsignal.
#JCMI – Truth by facts
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