5 Kommentare
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Avatar von Christian Osyguß

Ich habe noch keine Diagnostik machen lassen. Aber mir war schon immer bewusst, dass ich etwas anders ticke.

Avatar von Ike Aaren Hadler (they / them)

Braucht es denn eine Diagnose? Bekommt man eine ohne den Stempel des Gesundheitssystems oder will man genau diesen Stempel? Ich brauchte eine Bestätigung meiner eigenen Diagnose. Ich lag extrem exakt richtig. Im Gegensatz zu vielen anderen die ich kennengelernt habe, verstecke ich mich sehr selten dahinter - vorschnell. Ich verwende die Diagnose nicht als Schutzschild, nur weil ich keine Lust habe es doch zu versuchen - aber sie erklärt mir warum ich scheitere, auch wenn ich es mehrmals versuche auf verschiedensten Wegen was zu erreichen. Ich muss halt akzeptieren keine Kontakte auf Stammtischen pflegen zu können, da mir das laute Gewusel schlicht zu viel ist und ich meine Grenzen nach einer halben Stunde meist erreicht und überschritten habe. Ein Musikkonzert kann ich genießen, klar, ich liebe Musik bestimmter Richtungen, aber danach brauche ich mehrere Tage Ruhe. Kann ich danach arbeiten? Nur begrenzt, nur auf ca. 30-50% Energielevel. Am Besten ich nehme mir für danach Urlaub (bzw. da ich Freelancerin bin, nehme ich mir die Zeit) zum Erholen. Meide ich sowas, nur weil ich die Diagnose habe? Nein! Meide ich es zu reisen? Nein! Mag ich es mir unbekannte Städte zu erkunden an einem Freitagabend, z.B. Malaga Innenstadt in Spanien im Frühling? JA, es ist krass geil! Aber ich akzeptiere danach einige Tage Ruhe zu benötigen.

Avatar von Christian Osyguß

Ja, ich habe die Erfahrung gemacht das ich ebenfalls ein etwas anderer Denktyp bin. Ich habe diese ebenfalls vor einigen Tagen hier in Substack geteilt. Ich denke, dass tiefe Themen Zeit brauchen, bis sie ankommen. Ich werde mir ihren Artikel heute Abend in Ruhe durchlesen. Ich bin sehr gespannt.

Avatar von Ike Aaren Hadler (they / them)

Danke dir. Ja, tiefe Themen brauchen Zeit — aber dafür bleiben sie auch eher hängen. Dieses Gefühl, ein anderer Denktyp zu sein, ist oft der Anfang: bevor es Diagnose, Sprache oder Systembegriffe dafür gibt, merkt man einfach, dass die eigene innere Logik nicht zu dem passt, was draußen als normal verkauft wird.

Avatar von Christian Osyguß

Hallo Ike, das ist ein grandioser Punkt. Eine Diagnose – egal ob mit oder ohne offiziellen Stempel – ist im Grunde nichts anderes, als endlich das technische Handbuch für die eigene menschliche Hardware in den Händen zu halten.

​Lange Zeit denken wir, unser System sei fehlerhaft, nur weil es beim Versuch, die „normale“ Software der Gesellschaft abzuspielen, abstürzt. Dass du diese Erkenntnis nicht als Schutzschild nutzt, sondern als Erklärung, zeigt echte Stärke. Wenn man weiß, dass der eigene Prozessor auf einem lauten Stammtisch nach 30 Minuten überhitzt, dann ist das kein Defekt – es ist einfach eine Systemgrenze. Und dass der Akku nach einem lauten Konzert tagelang laden muss, ist völlig legitim. Es geht letztlich nur darum, das eigene Betriebssystem endlich so zu bedienen, wie es gebaut wurde – und aufzuhören, sich für die eigenen Grenzen zu entschuldigen.