Das PJenga Framework Model
von Ike Aaren Hadler
05.03.2026
Ein Modell zum Verständnis globaler Systeminstabilität
Die Welt bricht nur selten in einem einzigen Moment zusammen.
Die meisten Systeme scheitern langsam. Von außen wirkt dabei oft noch alles stabil. Institutionen funktionieren weiterhin, die Märkte öffnen am Morgen, Regierungen geben Erklärungen ab, und auch auf den globalen Handelsrouten sind noch immer Schiffe unterwegs.
Doch im Inneren hat sich bereits etwas verändert.
Die Struktur hat an Integrität verloren.
Das PJenga Framework ist der Versuch, genau diesen Prozess zu beschreiben.
Es beginnt mit einer einfachen Metapher: Man stellt sich das globale System nicht als eine Reihe von Dominosteinen vor, sondern als eine Gruppe miteinander verbundener Jenga-Türme.
In einem Domino-Modell verläuft Kausalität linear. Fällt ein Stein, muss der nächste folgen.
Reale Systeme verhalten sich jedoch nicht wie eine Dominokette. Sie funktionieren eher wie Jenga-Türme.
Man kann einen einzelnen Baustein entfernen, ohne dass die Struktur sofort zusammenbricht. Nach außen hin mag sie noch lange stabil erscheinen. Doch mit jedem entfernten oder verschobenen Baustein verändern sich Gewichtsverteilung und Spannung innerhalb des Systems. Belastungen sammeln sich im Verborgenen an, bis schließlich eine scheinbar kleine Veränderung genügt, um plötzliche Instabilität auszulösen.
Genau das macht moderne Krisen so schwer verständlich.
Die Welt erlebt heute nicht einfach eine Krise nach der anderen. Stattdessen leben wir in dem, was in der Forschung immer häufiger als Polykrise beschrieben wird: ein Geflecht aus mehreren, sich gegenseitig beeinflussenden Erschütterungen in Energiesystemen, Finanzmärkten, geopolitischen Konflikten, Informationsräumen und ökologischen Systemen.
Das PJenga Framework versucht, diese Dynamiken als strukturelles Gesamtsystem zu analysieren.
In diesem Modell beruht globale Stabilität auf mehreren miteinander verbundenen „Türmen“. Jeder dieser Türme steht für ein grundlegendes System, von dem die moderne Zivilisation abhängig ist.
Im Inneren dieser Türme befinden sich strukturelle Bausteine: Institutionen, Infrastrukturen, Lieferketten, gesellschaftliches Vertrauen, militärische Handlungsfähigkeit, demografische Stabilität und natürliche Ressourcen.
Diese Bausteine werden fortwährend bewegt – durch politische Akteure, ökonomische Schocks, technologischen Wandel und ökologischen Druck.
Meistens ist das System in der Lage, solche Bewegungen aufzufangen.
Doch manchmal verschiebt sich das innere Gleichgewicht.
Wenn das geschieht, überträgt sich der Druck aus einem Turm auf andere. Energieschocks wirken auf wirtschaftliche Systeme ein, Informationskrieg destabilisiert Gesellschaften, und demografische Veränderungen formen politische Institutionen um.
Das PJenga-Modell fragt deshalb nicht nur, welches Ereignis stattgefunden hat.
Es stellt eine andere, grundlegendere Frage:
Welche strukturellen Bausteine haben sich verschoben – und wie hat sich dadurch die Spannung im Gesamtsystem verändert?
Diesen Unterschied zu verstehen, ist in einer Welt entscheidend, in der Krisen fast nie isoliert auftreten.
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