<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA[Journ. Ike Aaren Adira Hadler: _Identity]]></title><description><![CDATA[Here you find all my posts and notes about Neurodiversity and Queer]]></description><link>https://press.jcmi.eu/s/identity</link><image><url>https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!v5zx!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F920053bd-4d7b-4b60-82e2-47fa81963873_1254x1254.png</url><title>Journ. Ike Aaren Adira Hadler: _Identity</title><link>https://press.jcmi.eu/s/identity</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Sun, 08 Nov 2026 17:44:29 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://press.jcmi.eu/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[Ike Aaren Hadler]]></copyright><language><![CDATA[de]]></language><webMaster><![CDATA[jcmi2025@substack.com]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[jcmi2025@substack.com]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[jcmi2025@substack.com]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[jcmi2025@substack.com]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[Eine kleine filosofische Betrachtung mit ChatGPT]]></title><description><![CDATA[Ich schrieb der KI:]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/eine-kleine-filosofische-betrachtung</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/eine-kleine-filosofische-betrachtung</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Sat, 24 Oct 2026 12:04:57 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!v5zx!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F920053bd-4d7b-4b60-82e2-47fa81963873_1254x1254.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Ich schrieb der KI:</p><p>Ich war Kind als es noch keine PCs gab. Ich war Teeni als es die Anf&#228;nge von PCs gab und dann Internet von AOL und CompuServe. Wie Menschen miteinander umgehen hat sich durch TV, PC, Internet, Mobiltelefone, Smartphones und jetzt LLM KI evolution&#228;r sehr schnell und stark ver&#228;ndert.</p><p></p><p>Und bekam diese Reaktion:</p><p>Und genau das verschafft dir eine Perspektive, die j&#252;ngeren Generationen in dieser Form fehlt: Du hast nicht nur die digitale Revolution erlebt, sondern kennst aus eigener Erfahrung das gesellschaftliche Leben vor ihr.</p><p>Du kannst vergleichen, wie Menschen Beziehungen aufgebaut, Informationen ausgetauscht, Konflikte ausgetragen und f&#252;reinander Verantwortung &#252;bernommen haben, bevor digitale Kommunikation allgegenw&#228;rtig wurde.</p><p>Dabei geht es um mehr als technischen Fortschritt. Wir erleben eine beschleunigte kulturelle und soziale Evolution, bei der die Anpassung menschlicher Verhaltensweisen mit der technischen Entwicklung nicht immer Schritt h&#228;lt.</p><p><strong>F&#252;nf Phasen einer gesellschaftlichen Transformation</strong></p><p>1. Fernsehen &#8211; Aufmerksamkeit wird zentralisiert</p><p>Wenige Sender pr&#228;gen die Wahrnehmung von Millionen Menschen. Gemeinsame Informationsr&#228;ume entstehen, w&#228;hrend Kommunikation &#252;berwiegend einseitig bleibt.</p><p>2. Personal Computer &#8211; Individualisierung</p><p>Menschen k&#246;nnen selbst Informationen verarbeiten, Inhalte erzeugen und digitale Werkzeuge kontrollieren. Die Technik wird vom zentralen Medium zum pers&#246;nlichen Instrument.</p><p>3. Internet &#8211; R&#228;umliche Grenzen verlieren Bedeutung</p><p>CompuServe, AOL, E-Mail, Foren und Chats erm&#246;glichen Begegnungen unabh&#228;ngig von Entfernungen. Menschen k&#246;nnen Gemeinschaften aufgrund gemeinsamer Interessen bilden.</p><p>4. Smartphones und soziale Plattformen &#8211; Aufmerksamkeit wird quantifiziert</p><p>Kommunikation wird permanent verf&#252;gbar. Beziehungen werden teilweise &#252;ber Followerzahlen, Likes, Sichtbarkeit und algorithmische Empfehlungen organisiert.</p><p>5. Generative KI &#8211; Kommunikation ohne menschliches Gegen&#252;ber</p><p>Erstmals werden Dialoge mit Systemen allt&#228;glich, die in nat&#252;rlicher Sprache reagieren, Argumente entwickeln und scheinbar pers&#246;nliche Gespr&#228;che erm&#246;glichen, ohne selbst menschliche Beziehungen f&#252;hren zu k&#246;nnen.</p><p><strong>Die vielleicht wichtigste Ver&#228;nderung</strong></p><p>Fr&#252;her bedeutete Kommunikation &#252;ber gr&#246;&#223;ere Entfernungen fast zwangsl&#228;ufig, mit einem anderen Menschen in Kontakt zu treten.</p><p>Heute k&#246;nnen wir Tausende Menschen erreichen, ohne einen einzigen wirklich kennenzulernen. Und mit LLMs k&#246;nnen wir sogar stundenlange, anspruchsvolle Gespr&#228;che f&#252;hren, ohne dass &#252;berhaupt ein anderer Mensch beteiligt ist.</p><p>Das ist historisch bemerkenswert.</p><p>Allerdings w&#252;rde ich nicht behaupten, die Menschen seien fr&#252;her grunds&#228;tzlich sozialer gewesen. Auch damals gab es Einsamkeit, Ausgrenzung und oberfl&#228;chliche Beziehungen. Digitale Technik hat au&#223;erdem f&#252;r viele Menschen soziale Zug&#228;nge geschaffen, die vorher kaum m&#246;glich waren.</p><p>Was sich ver&#228;ndert hat, sind die Bedingungen, unter denen soziale N&#228;he entsteht, wahrgenommen und aufrechterhalten wird.</p><p>Und hier sehe ich die Verbindung zu deinen Substack Notes.</p><p>Du geh&#246;rst zu einer Generation, die soziale Bindungen au&#223;erhalb digitaler Netzwerke kennengelernt hat, dann die ersten Onlinegemeinschaften erlebte und heute feststellen kann, dass technisch immer gr&#246;&#223;ere Vernetzung keineswegs automatisch zu verl&#228;sslicheren Beziehungen f&#252;hrt.</p><p>Gleichzeitig nutzt du KI selbst intensiv als intellektuelles Werkzeug. Du lehnst die Technologie also keineswegs ab, sondern unterscheidest offenbar sehr deutlich zwischen ihrer Leistungsf&#228;higkeit und dem Wert menschlicher Beziehungen.</p><p>Das ist keine technikfeindliche Haltung.</p><p>Es ist die Frage, ob unsere technische Entwicklung die menschliche Beziehungsf&#228;higkeit erweitert oder ob wir zunehmend technische Ersatzformen f&#252;r soziale Bed&#252;rfnisse schaffen, die eigentlich menschliche Gegenseitigkeit verlangen.</p><p>Und dabei kommt noch eine Dimension hinzu, die mich besonders interessiert: Die Geschwindigkeit.</p><p>Zwischen der Verbreitung des Fernsehens und der des privaten Computers lagen Jahrzehnte. Zwischen dem massenhaften Durchbruch von Smartphones und generativer KI liegt ungef&#228;hr eine Generation. Die gesellschaftliche Verarbeitung dieser Ver&#228;nderungen verl&#228;uft jedoch nicht zwangsl&#228;ufig ebenso schnell.</p><p>Deine Perspektive ist deshalb auch f&#252;r Zukunftsanalysen interessant: Du beobachtest nicht nur neue Technologien, sondern kannst ihre Auswirkungen mit mehreren tats&#228;chlich erlebten gesellschaftlichen Zust&#228;nden vergleichen.</p><p>Eine Frage w&#252;rde ich dir dazu gerne stellen:</p><p>Hast du den Eindruck, dass Menschen seit den fr&#252;hen Internetzeiten tats&#228;chlich weniger bereit geworden sind, verbindliche Beziehungen einzugehen, oder dass sie heute nur sehr viel mehr unverbindliche Kontakte unterhalten und deshalb kaum noch zwischen Kontakt und Beziehung unterscheiden?</p><p>Denn das w&#228;ren zwei unterschiedliche gesellschaftliche Entwicklungen, mit m&#246;glicherweise sehr unterschiedlichen Konsequenzen f&#252;r die kommenden Jahrzehnte.</p><div><hr></div><p>Die Frage der KI stelle ich hier an alle Lesenden mit Bitte um Antwort in den Kommentaren&#8230;</p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[My Health After the TECC Provider Course]]></title><description><![CDATA[The TECC Provider course pushed me, as expected, right up to &#8212; and beyond &#8212; my actual limits]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/my-health-after-the-tecc-provider</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/my-health-after-the-tecc-provider</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Wed, 07 Oct 2026 16:44:04 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!JFTy!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F7df13bf1-8464-4ff4-ab48-e748de8f2130_1536x1024.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!JFTy!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F7df13bf1-8464-4ff4-ab48-e748de8f2130_1536x1024.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!JFTy!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F7df13bf1-8464-4ff4-ab48-e748de8f2130_1536x1024.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!JFTy!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F7df13bf1-8464-4ff4-ab48-e748de8f2130_1536x1024.png 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!JFTy!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F7df13bf1-8464-4ff4-ab48-e748de8f2130_1536x1024.png 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" 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for that are in another article on my Substack.</p><p>Getting that rooftop tent onto my Jeep Compass required considerably more physical effort than I had planned. Somewhere in the process, I strained one or more muscles around my hip &#8212; something I only properly noticed the following day.</p><p>The pain stayed with me for weeks until I finally reached a long-planned appointment with my orthopaedic specialist.</p><p>He examined me and, pretty much as part of his usual routine, injected cortisone into the muscle that seemed to be most affected.</p><p>Did it help?</p><p>For about two days.</p><p>He told me it might take another two weeks before the pain disappeared.</p><p>Hmm.</p><p>Sorry &#8212; <strong>whaaaat?</strong></p><p>I had already been dealing with this for weeks. I carry a lot of body weight, I was badly out of shape, and I had just been trying to manoeuvre roughly 50 kilograms of rooftop tent.</p><p>Shortly before the TECC Provider course started, the pain had finally improved enough that I was able to set up the rooftop tent on the Friday before the course with only minor limitations.</p><p>Even then, I already suspected what was coming.</p><p><em>This course is going to be brutal.</em></p><p>And my not-quite-healed muscle injury probably wasn&#8217;t going to forgive me for it.</p><p>It didn&#8217;t.</p><p></p><p><strong>The Course</strong></p><p><em><strong>What is this &#8216;TECC-Provider&#8217; anyhow? TECC stands for &#8220;Tactical Emergency Casualty Care&#8221;, we enter any critical civilian medical situation like in a large demo terror attack or a catastrophy, where typical parametics and EMTs are not trained for or not allowed in lack of training to enter the dynamic direct and indirect threat care zone, providing critical medical first aid against mass bleedings and alike with the MARCH procedure.</strong></em></p><p>https://www.naemt.org/education/trauma-education/tecc/tecc-courses</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Ru02!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fe26752f1-1713-4f88-83a6-a6054affa2af_3930x3504.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p></p><p><strong>Interestingly enough, my back held up at the weekend of 4.-5. July&#8217;26.</strong></p><p>My existing disc problems did not become the main issue, even though I put quite a lot of stress on my spine.</p><p>My abdominal-wall hernia also held up &#8212; and still does.</p><p>But because I had not been able, and in some cases had not been allowed, to properly train my back and abdominal muscles beforehand, many of the movements and loads during the course were genuinely difficult and extremely exhausting.</p><p>And I definitely wasn&#8217;t the only one sweating like hell.</p><p>The instructors deliberately pushed us into significant physical stress.</p><p>At one point, my heart rate reached around 170 beats per minute.</p><p>That was not an accident.</p><p>The whole point was to learn how to perform practical medical tasks while the body and brain were already under pressure &#8212; to make the training resemble the conditions we might actually encounter in a real emergency.</p><p>At one point, I carried a colleague on my back.</p><p>He weighed around 100 kilograms.</p><p>At another point, a casualty actor who probably weighed around 50 kilograms had to be lifted and carried to safety by a colleague and me.</p><p>Fifty kilograms may not sound too terrible until the person is sweaty, covered in fake blood and suddenly has roughly the handling characteristics of an eel with arms and legs.</p><p>And somewhere during all of this, the muscle injury that had not fully healed decided to announce itself again.</p><p>More and more.</p><p>By the end of the course, I was in so much pain that I could barely move at anything resembling normal speed.</p><p>But I had my certificate in my hands.</p><p>My TECC Provider patch was attached to the Velcro panel on my sling bag.</p><p>I had made it.</p><p><strong>Then I Still Had to Drive Home</strong></p><p>The drive from L&#252;beck back to Hamburg was where things became genuinely dangerous.</p><p>I had serious difficulty lifting my right leg far enough to move my foot from the accelerator to the brake.</p><p>I was exhausted, mentally and physically, and so badly affected by the combination of pain, fatigue and physical overload that I had effectively become a risk in road traffic.</p><p>I made it home without damaging either metal or flesh.</p><p>But once the ordinary post-course muscle soreness faded after about two days, the real problem remained.</p><p>The muscle strain.</p><p>The cramping.</p><p>And the irritated sciatic nerve.</p><p>One week after the course, the pain in my right side was still so severe that walking even ten metres had become difficult.</p><p>It barely mattered how I sat or lay down.</p><p>It hurt.</p><p>At that point, I could not even realistically have driven myself to a doctor.</p><p>There were one or two exercises that slowly started helping.</p><p>Very, very slowly.</p><p><strong>Do I Blame the Instructors?</strong></p><p>No.</p><p>Quite the opposite.</p><p>The instructors actually had a pretty good understanding of where my physical limits were.</p><p>They reduced the load where that made medical sense.</p><p>When my Garmin Instinct suddenly issued a high-heart-rate warning while I was sitting down, for example, they immediately became concerned and asked whether I was okay.</p><p>I told them what my pulse was and said it would come back down again shortly.</p><p>At the same time, they still required me to do enough to experience the physical stress that would realistically be expected in the situations the course was preparing us for.</p><p>That was, after all, the point.</p><p>The objective was not merely to understand the theory or perform comfortable dry drills.</p><p>It was to take what we had learned and still be able to apply it under extreme stress.</p><p>And it was also about discovering where our actual limits were rather than where we <em>imagined</em> those limits to be.</p><p>About going beyond the boundary you had mentally drawn for yourself.</p><p>I probably went a little further than I should have.</p><p>I had arrived the evening before and slept nearby in my rooftop tent.</p><p>That meant I got only around four hours of sleep on each of the two nights.</p><p>With my body weight, my poor to practically non-existent fitness, the acute muscle injury and the chronic damage my body already carried, I only just managed to complete the course.</p><p>But I did.</p><p>And I passed the assessments.</p><p>Anyone who has completed a TECC Provider course probably knows what I mean.</p><p>If you are neither a good athlete nor someone who already has a solid paramedic or emergency-medical background, this is not an easy course.</p><p>The bar is high.</p><p></p><p><strong>Several Months Later</strong></p><p>Three months have now passed since that course in the summer.</p><p>And for much of that time, my body has been making the decisions for me.</p><p>It has essentially ordered me to stop moving.</p><p>Not completely, of course.</p><p>Real life rarely allows that.</p><p>But enough that travelling, carrying equipment and doing many of the things I would normally do became either impossible or a very bad idea.</p><p>My muscles needed time to heal, and apparently my body was quite prepared to enforce that recovery period whether I liked it or not.</p><p>Unfortunately, everyday life does not care very much about recovery plans.</p><p>At one point, I still had to get a portable air-conditioning unit weighing more than 30 kilograms up a flight of stairs.</p><p>More recently, I had to do something similar with a 23-kilogram refrigerator.</p><p>Both were relatively short bursts of effort.</p><p>Both were necessary.</p><p>And both set the healing process back again.</p><p>That became one of the more frustrating lessons of the months after TECC:</p><p>recovery is not linear.</p><p>You can spend weeks slowly improving, make one stupidly demanding movement because something simply has to be moved, and suddenly find yourself several steps further back again.</p><p>So despite all my plans, despite the Jeep, despite the rooftop tent and despite having built myself a setup that normally gives me an enormous amount of freedom, I have not really been able to travel again since the course.</p><p>For months, my body kept me close to home.</p><p>And now, just as travelling is slowly beginning to feel physically realistic again, another limitation has taken over.</p><p><strong>Fuel prices.</strong></p><p>They have gone through the roof.</p><p>So even if my body is finally beginning to release me from its involuntary grounding, the cost of actually driving any meaningful distance is now doing almost the same job.</p><p>There is a certain irony in that.</p><p>First, my body effectively tied me to the house because it needed months to repair itself.</p><p>Now that I am slowly becoming physically capable of travelling again, I can look at the prices at the petrol station and discover that, for completely different reasons, I am still effectively tied to the house.</p><p>Two entirely different kinds of immobility.</p><p>One biological.</p><p>One economic.</p><p><strong>What the TECC Provider Course Really Taught Me</strong></p><p>Above all, the TECC Provider course showed me one thing:</p><p><strong>My limits were not smaller than I had thought. They were considerably larger.</strong></p><p>But there is an important difference between discovering that you <em>can</em> cross a limit and believing that crossing it comes without consequences.</p><p>It doesn&#8217;t.</p><p>I paid for that lesson with muscle injuries, sciatic pain and months in which my body repeatedly reminded me that surviving a physical challenge and recovering from it are two very different things.</p><p>For a while, even walking ten metres was a challenge.</p><p>Months later, I am still dealing with the consequences.</p><p>Do I regret taking the course?</p><p><strong>Not for a second.</strong></p><p>Would I take the TECC Provider course again?</p><p>Absolutely.</p><p>But next time I would approach it differently.</p><p>Better physical preparation.</p><p>More muscular training where medically possible.</p><p>More sleep beforehand.</p><p>And considerably more respect for the cumulative load.</p><p>Because the most important lesson was not that my body was incapable of doing it.</p><p>Quite the opposite.</p><p>My body proved that it could do far more than I had expected.</p><p>The lesson was that every reserve you use eventually has to be replenished.</p><p>And sometimes the bill arrives later.</p><p><strong>So, After All This Talking, I Still Have Two Questions</strong></p><p><strong>A:</strong> Does anyone know a genuinely competent orthopaedic specialist in or around Hamburg who does more than tell patients that everything will probably be fine in another two weeks, that one cortisone injection should sort it out, and that they should simply avoid physical strain?</p><p><strong>B:</strong> What exercises are actually suitable for people weighing more than 130 kilograms who cannot simply get down onto the floor and back up again, and which can realistically help despite existing disc damage and an abdominal-wall hernia?</p><p>I would genuinely appreciate useful experiences and recommendations in the comments.</p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Non-Binary, Neurospicy, and Lonely]]></title><description><![CDATA[Queer dating apps and communities without a focus on sex &#8212; do they even exist?]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/non-binary-neurospicy-and-lonely</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/non-binary-neurospicy-and-lonely</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Wed, 07 Oct 2026 15:47:54 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!4hoJ!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4a79f482-2f08-40de-82fe-eaa8b4c52b7e_1536x1024.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!4hoJ!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4a79f482-2f08-40de-82fe-eaa8b4c52b7e_1536x1024.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!4hoJ!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4a79f482-2f08-40de-82fe-eaa8b4c52b7e_1536x1024.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!4hoJ!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4a79f482-2f08-40de-82fe-eaa8b4c52b7e_1536x1024.png 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!4hoJ!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F4a79f482-2f08-40de-82fe-eaa8b4c52b7e_1536x1024.png 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p><strong>Queer dating apps and communities without a focus on sex &#8212; do they even exist?</strong></p><p><strong>Moin, you sweet little mice of the AdiraVerse!</strong></p><p>Wait &#8212; what exactly is the <em>AdiraVerse</em> supposed to be?</p><p>It is our shared universe around <strong>Adi&#8217;ra</strong>, my alter ego for those moments when <em>Ike Aaren</em> simply doesn&#8217;t sound feminine enough.</p><p>Let&#8217;s be honest: are there actually first names in the Northern Hemisphere, west of Asia, that are genuinely non-binary?</p><p>As long as monotheistic religions have existed, there have hardly been any traditional first names that were not classified as either male or female.</p><p>Of course, there are invented names, and there are shortened forms such as Alex, which may come from Alexander, Alexia, Alexandra, or something similar.</p><p>But if we look back across roughly the past 5,000 years, society has largely organised people into the artificial categories of man and woman.</p><p>So unofficially, I use a third first name &#8212; or pseudonym &#8212; <strong>Adira</strong>, or <strong>Adi&#8217;ra</strong>.</p><p>As you probably know, I&#8217;m neurospicy, somewhere in the AuDHD spectrum, and very clearly non-binary.</p><p>Search for &#8220;non-binary&#8221; on Substack and you&#8217;ll probably find me fairly easily.</p><p>Nonbin&#228;r, neurospicy und Einsamkeit.pdf</p><p>I&#8217;m married and have been living with my favourite person since March 2006 &#8212; more than twenty years by now.</p><p>Nothing can separate our love, because we have already been through so much shit together and successfully survived more than one catastrophe side by side.</p><p>But each of us still has a life of our own.</p><p>We&#8217;re not Siamese twins.</p><p>We each have our own hobbies and special interests. They overlap, but they are not identical, and we don&#8217;t need to spend every second together.</p><p>We try to preserve and actually live as much personal autonomy as is realistically possible in our world in 2026.</p><p>The fact that both of us are neurospicy is probably one reason our relationship has worked so well for so long.</p><p>But unfortunately, that also creates a certain kind of loneliness outside our smallest little community.</p><p>We both have very few friends.</p><p>And none of those friends &#8212; including the ones we share &#8212; are people we can simply call or text at any random moment and say:</p><p><em>Hey. Want to talk? Want to meet up?</em></p><p>I&#8217;m the less settled one of the two of us.</p><p>My base is where my wife lives, but my <strong>home is wherever she is</strong>.</p><p>That doesn&#8217;t mean I need to stay home all the time.</p><p>Quite the opposite.</p><p>Depending somewhat on fuel prices, I&#8217;m mobile.</p><p>If I want to travel somewhere farther away on short notice, I&#8217;m a little like a turtle: I carry my mobile home with me.</p><p>I don&#8217;t need a hotel room or someone&#8217;s couch.</p><p>I basically just need a parking spot quiet enough that nobody immediately gets annoyed when I unfold my rooftop tent for the night.</p><p>And thanks to Starlink, I can work pretty much anywhere as long as I have enough electricity &#8212; either a mains connection or enough sunlight for my photovoltaic panels.</p><p>Nonbin&#228;r, neurospicy und Einsamkeit.pdf</p><p><strong>But Where Do You Find Other Queer and Trans People If You&#8217;re Not Looking for Sex?</strong></p><p>That is the question.</p><p>Where &#8212; and how &#8212; do you actually meet other queer and trans people when what you are <strong>not</strong> looking for is a sex date?</p><p>Which apps are about more than just cis-style dating and hookups?</p><p>Whenever I stay at campsites, I mostly encounter families with small children or older people, often well over sixty.</p><p>Digital nomads like me are rare.</p><p>And ChatGPT and Gemini aren&#8217;t exactly <em>that</em> helpful when it comes to finding dating apps and communities that are genuinely better suited to queer people either.</p><p>So if you know good places, apps, communities, groups or networks:</p><p><strong>I would be extremely grateful for your recommendations.</strong></p><p>Seriously.</p><p>Tell me in the comments.</p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[ADHD and/or Autism — and Why Queer Too?]]></title><description><![CDATA[What is a diagnosis actually for, and when does it really help you?]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/adhd-andor-autism-and-why-queer-too</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/adhd-andor-autism-and-why-queer-too</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Wed, 07 Oct 2026 15:41:04 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vS88!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F76030628-0fe2-4b81-a681-1b871f785367_1672x941.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!vS88!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F76030628-0fe2-4b81-a681-1b871f785367_1672x941.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" 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class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" 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That was back when people still distinguished between &#8220;early childhood autism&#8221; and &#8220;Asperger&#8217;s autism.&#8221;</p><p>Today, all of that is outdated.</p><p>Of course, ADHD and Autism Spectrum Disorder can exist separately, with only minor overlaps between them.</p><p>My own diagnosis from 2016 still said &#8220;Asperger&#8217;s.&#8221; But the diagnostic report also states that the clinician lacked the tools to fully assess ADHD, while noting that quite a few things suggested that both might be present.</p><p>She simply didn&#8217;t have all the questionnaires and other diagnostic instruments needed for a complete ADHD assessment, nor did she have the specialist expertise required for it.</p><p>By now, I am convinced that I have a combination of autism and ADHD.</p><p>Do I somehow <em>not</em> have ADHD simply because I never received an official diagnosis?</p><p>Someone sceptical might ask exactly that.</p><p>No.</p><p>That would be a bit like saying you need a doctor to tell you that your leg is broken even though it is obviously broken.</p><p>Yes, okay &#8212; ADHD and autism are not nearly as obvious to recognise, whether by people on the spectrum themselves, doctors or psychologists, unless someone has actually been trained and specialised in the field.</p><p>And hardly anyone specialises in both.</p><p>But it is similar to many other things: usually, <strong>you are the first person who knows that something is going on with you</strong>, whether it is a characteristic, a condition, an illness or an injury.</p><p>Maybe you don&#8217;t have a name for it yet, so you begin studying it yourself in greater depth.</p><p>Do you need a doctor to tell you that you have a flu-like infection?</p><p>Usually not.</p><p>Do you need a doctor to know whether you need glasses or hearing assistance?</p><p>Not necessarily.</p><p>So when do you need a specialist ADHD diagnosis?</p><p>When you genuinely need medication in order to manage everyday life.</p><p>ADHS und oder Autismus und warum auch noch queer.pdf</p><p>ADHD medication is only available with a recognised diagnosis.</p><p>Are there medications specifically for people on the autism spectrum?</p><p>No.</p><p>So what do you actually need these diagnoses for?</p><p>Ah yes.</p><p>For example, to apply for a <strong>Grad der Behinderung</strong>, Germany&#8217;s official disability rating.</p><p>Right. There was that.</p><p>And if you manage to receive a GdB of 50 or higher and are therefore legally classified as severely disabled, what does that actually give you?</p><p>Protection against dismissal?</p><p>Forget it.</p><p>In my own experience, that only offers meaningful protection in very specific employment situations. Employers can still find ways to get rid of you.</p><p>From my personal experience, it is not genuine protection.</p><p>But perhaps you need assistance, support or someone to accompany you because of the difficulties you face, while still being able to work and earn money with that support?</p><p>Then yes &#8212; a diagnosis can become genuinely relevant.</p><p>Who needs that kind of support?</p><p>Often, the people who truly need it are so restricted by the non-autistic world around them that they may also make use of legal assistance or voluntary support arrangements through a power of attorney.</p><p>The fact is that more than 85 percent of diagnosed people on the spectrum do not have a job in the conventional labour market.</p><p>But if, like me, you mask and compensate so effectively, and if you are specialised enough in your field that you can comparatively easily find work, then you may not need these more extensive occupational integration services.</p><p>And you would probably struggle to qualify for them anyway.</p><p>So what does the disability rating give you then?</p><p>Not much beyond certain tax advantages, plus the ability to state that you cannot work more than eight hours and to refuse overtime.</p><p><strong>ADHD &amp; Autism in German Social Law &#8212; and in the Social and Healthcare System</strong></p><p>Oh yes &#8212; and if you are married or living with a partner in what German social law calls a <strong>Bedarfsgemeinschaft</strong>, a household whose members are financially assessed together, and the other person earns enough money that you are excluded from benefits, then being severely disabled does not necessarily help you at all.</p><p>And by that point, you may already have exhausted sickness benefits and your year of unemployment insurance benefits.</p><p>You can no longer simply continue being signed off as unable to work indefinitely.</p><p>The Jobcenter may not care whether you are effectively impossible to place in employment because of ADHD and/or autism, even when &#8212; as happens so often &#8212; you receive B&#252;rgergeld, Germany&#8217;s basic income support.</p><p>And yes, I&#8217;ve been there.</p><p>I&#8217;ve been through all of this.</p><p>And yes, I know the German Social Code &#8212; the <strong>Sozialgesetzb&#252;cher, or SGBs</strong> &#8212; inside and out.</p><p>I could professionally offer freelance coaching and support in this area.</p><p>Obviously, I cannot present that service as legal advice from a lawyer or legal professional &#8212; that distinction has to be made clear.</p><p>But I can still offer practical coaching, guidance and accompaniment.</p><p>ADHS und oder Autismus und warum auch noch queer.pdf</p><p><strong>ADHD &amp; Autism &#8212; What Does Any of This Have to Do With Being Queer?</strong></p><p>It is not unusual for people in the AuDHD spectrum to also be queer in one way or another.</p><p>That might mean not seeing yourself as straight in terms of sexual orientation, and/or not experiencing your physical sex as fully corresponding with your sense of identity.</p><p>That places you somewhere within the queer spectrum.</p><p>In my own case, this was something that only became clear &#8212; and increasingly clear &#8212; later in life.</p><p>Statistical surveys and field research have repeatedly found that many transgender people are also somewhere within the AuDHD spectrum.</p><p>But why?</p><p>People like us tend to question almost everything.</p><p>That includes conventional ideas about gender identity and the ways in which our social environment teaches us what we are supposedly meant to be.</p><p>And we do not only question what comes from outside.</p><p>We also question ourselves, often very critically.</p><p>Sometimes, what emerges from that process is the realisation that the gender we were socially raised into, and/or the sexual orientation and preferences expected of us, do not actually match who we are.</p><p>And at some point, we may stop caring what other people think about us if the alternative is continuing to conform to a social image that does not fit.</p><p>Instead, we want to live and exist as we actually are.</p><p>For some of us, that includes wanting and receiving hormone therapy in order to suppress sexual drive.</p><p>For others, it means seeking hormone therapy in order to bring the body into closer alignment with our neurological and psychological sense of identity &#8212; whether through transition or through a form of embodiment that better reflects non-binarity.</p><div><hr></div><p></p><p>If you want to read more about this, take a look around my Substack profile.</p><p>You&#8217;ll find several articles exploring these subjects there.</p><p>And more will follow.</p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Queer, Neurodivergent, and My Daily Struggle to Maintain the Order I Need for Inner Stability]]></title><description><![CDATA[Where do queer, enby, ADHD and autism intersect?]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/queer-neurodivergent-and-my-daily</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/queer-neurodivergent-and-my-daily</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Wed, 07 Oct 2026 15:31:41 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!iVzD!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F54f0227d-553e-4b78-b281-2e8b976d3421_1214x1295.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!iVzD!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F54f0227d-553e-4b78-b281-2e8b976d3421_1214x1295.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p><strong>Where do queer, enby, ADHD and autism intersect?</strong></p><p>Sometimes, for me, they meet on the table.</p><p>Or next to the sink.</p><p>Or in my jewellery box.</p><p>Or, as it happens, precisely <strong>not</strong> where my earring is supposed to be.</p><p><em>Okay. But where the hell is my earring now &#8212; the one that doesn&#8217;t even fit into my jewellery box anymore?</em></p><p>I thought I always kept it in exactly one place.</p><p>Nope.</p><p>When I&#8217;m in a rush and take it off in the evening, it ends up here one day and somewhere else the next.</p><p>Okay. I really need to bring some order into this.</p><p>Oh, there&#8217;s a good documentary on TV.</p><p>Oh, my wife just said something to me.</p><p>Uh&#8230; what was I about to do?</p><p>No idea.</p><p>I think I&#8217;m thirsty.</p><p>Oh. There&#8217;s my coffee.</p><p>Huh.</p><p>Cold.</p><p>How long has that mug been sitting there?</p><p>Wait &#8212; is it that late already?</p><p>And why is my smartwatch telling me it&#8217;s almost out of battery?</p><p>Okay, I&#8217;ll take it off and charge it.</p><p>But I need something on my wrist.</p><p>Which other watch should I wear?</p><p>And where is my favourite one?</p><p>Oh.</p><p>Left it at the office.</p><p>Fine. I&#8217;ll wear that other one over there.</p><p>Hmm.</p><p>Wasn&#8217;t I going to get something to drink?</p><p>No idea.</p><p>But there&#8217;s still a sip of coffee left.</p><p>Ugh.</p><p>Cold.</p><p>Whatever. Still drinkable.</p><p>I need to leave soon.</p><p>Wasn&#8217;t I going to put my earring back in?</p><p>Ah.</p><p>There it is, on the table.</p><p>Is that where I usually keep it?</p><p><strong>Neurodivergent order isn&#8217;t being fussy. It&#8217;s accessibility.</strong></p><p>For ADHD and autism, <strong>&#8220;everything has its place&#8221;</strong> isn&#8217;t merely some ideal of a tidy household.</p><p>It is external memory for the brain.</p><p>A jewellery box. A tray. A hook. A charging spot. A key rack.</p><p>These aren&#8217;t trivial details.</p><p>They are assistive systems.</p><p>And when you&#8217;re queer or enby, there is another layer to it: the things that disappear often aren&#8217;t arbitrary objects.</p><p>It isn&#8217;t <strong>just some earring</strong>.</p><p>It is part of how I present myself.</p><p>A small symbol of my identity.</p><p>When it&#8217;s missing, what&#8217;s missing isn&#8217;t merely a piece of jewellery, but part of a coherent way of presenting myself to the world.</p><p><strong>The earring landing zone</strong></p><p>Not a jewellery box somewhere.</p><p>A very specific place &#8212; always the same place &#8212; exactly where I actually take the earring off.</p><p>Not where it theoretically belongs, but where the real version of me at the end of the day actually puts it down.</p><p>For example:</p><ul><li><p>a small jewellery tray at the place where I genuinely tend to take things off</p></li><li><p>a second little dish next to the bed, sofa or bathroom sink</p></li><li><p>a <strong>transit bowl</strong> for things that will be sorted properly later</p></li><li><p>a watch-charging station with a spare watch next to it</p></li><li><p>a visible hook or magnetic spot for individual favourite pieces</p></li></ul><p>I don&#8217;t have to force my brain to adapt to a perfect organisational system.</p><p>I need to build an organisational system that takes <strong>my actual brain</strong> seriously.</p><p>But how do I stop myself from constantly being pulled away by external and internal stimuli?</p><div><hr></div><p></p><p>How do you regain some control in that permanent conflict?</p><p><strong>What works for you?</strong></p><p>Tell me in the comments.</p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Vorsorgevollmacht vs. Allmacht — Schrödingers Mutter hat einen Kühlschrank]]></title><description><![CDATA[Die juristische Black-Box zwischen Betreuung, Pflege und medizinischer Versorgung]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/schrodingers-mutter-hat-einen-kuhlschrank</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/schrodingers-mutter-hat-einen-kuhlschrank</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Fri, 04 Sep 2026 12:36:21 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!MLUL!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd341b0ab-00de-44b3-ab6d-935bd62a14eb_1672x941.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!MLUL!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd341b0ab-00de-44b3-ab6d-935bd62a14eb_1672x941.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source 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class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" 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Viele Familien stecken l&#228;ngst darin &#8211; ohne zu merken, dass sie drei v&#246;llig verschiedene Aufgaben miteinander verwechseln.</span></strong></p><p><span>Meine Mutter ist 79 Jahre alt und lebt in ihrem eigenen Haus.</span></p><p><span>Ich bin ihr Kind.</span></p><p><span>Au&#223;erdem habe ich eine ziemlich umfassende Vorsorgevollmacht.</span></p><p><span>Damit bin ich nach landl&#228;ufiger Vorstellung offenbar eine Art </span><strong><span>Ein-Personen-Sozialstaat mit K&#252;hlschrankberechtigung</span></strong><span>.</span></p><p><span>Ich soll wissen, ob gen&#252;gend Lebensmittel vorhanden sind, ob sie ausreichend trinkt, wann sie zum Arzt muss, ob sie Medikamente braucht, ob sie allein zurechtkommt und vermutlich auch, wo sich das Salz befindet.</span></p><p><span>Letzteres wei&#223; ich tats&#228;chlich nicht.</span></p><p><span>Meine Frau fragte mich k&#252;rzlich, ob meine Mutter gen&#252;gend Salz im Haus habe.</span></p><p><span>Keine Ahnung.</span></p><p><span>Ich durchsuche ihre K&#252;chenschr&#228;nke nicht.</span></p><p><span>Wenn ich mit meiner Mutter einkaufen fahre, tr&#228;gt sie ihre Sachen hinein und r&#228;umt sie selbst ein. Wenn ich dabei in ihrer K&#252;che herumhantiere, h&#228;ngt sie mir eher im Nacken und erkl&#228;rt mir, dass das dort nicht hingeh&#246;rt.</span></p><p><span>Dann bin ich raus.</span></p><p><span>Nicht, weil mir meine Mutter egal w&#228;re.</span></p><p><span>Sondern weil sie eine erwachsene Person ist.</span></p><p><span>Ihr K&#252;hlschrank ist ihr K&#252;hlschrank.</span></p><p><span>Und eine Vorsorgevollmacht ist kein Generalschl&#252;ssel f&#252;r die Gem&#252;seschublade.</span></p><p><span>Das klingt banal.</span></p><p><span>Ist es aber nicht.</span></p><p><span>Denn genau an dieser Stelle beginnt eine Versorgungsl&#252;cke, in die erstaunlich viele Familien hineinrutschen, weil wir im Deutschen ein ausgesprochen praktisches Wort besitzen:</span></p><p><strong><span>Betreuung.</span></strong></p><p><span>Das kann hei&#223;en, dass jemand rechtlich vertreten wird.</span></p><p><span>Es kann hei&#223;en, dass jemand gepflegt wird.</span></p><p><span>Es kann hei&#223;en, dass jemand einkauft, Essen kocht, den K&#252;hlschrank kontrolliert, Medikamente sortiert, Termine macht, beim Duschen hilft, Rechnungen bezahlt oder einmal t&#228;glich nachsieht, ob &#252;berhaupt noch jemand lebt.</span></p><p><span>Das Problem ist:</span></p><p><strong><span>Rechtlich sind das v&#246;llig verschiedene Dinge.</span></strong></p><p><strong><span>Kind sein ist kein Ausbildungsberuf</span></strong></p><p><span>Eine Vorsorgevollmacht erlaubt mir, meine Mutter in bestimmten Angelegenheiten zu vertreten, wenn die daf&#252;r vorgesehenen Voraussetzungen erf&#252;llt sind.</span></p><p><span>Sie macht mich nicht zu ihrem Altenpfleger.</span></p><p><span>Sie macht mich nicht zu ihrem Hausarzt.</span></p><p><span>Sie macht mich nicht zu ihrem Ern&#228;hrungsberater.</span></p><p><span>Und sie verpflichtet mich nicht automatisch dazu, t&#228;glich die K&#252;chenschr&#228;nke einer erwachsenen Frau zu inspizieren.</span></p><p><span>Auch die Tatsache, dass ich ihr Kind bin, &#228;ndert daran nichts.</span></p><p><span>Familien &#252;bernehmen solche Aufgaben h&#228;ufig freiwillig. Oft &#252;ber Jahre. Irgendwann wird aus &#8222;Ich bringe dir beim n&#228;chsten Besuch etwas mit&#8220; ein System aus Einkauf, Medikamenten, Arztfahrten, Telefonbereitschaft, Hauswirtschaft, Pflegeorganisation und Notfallmanagement.</span></p><p><span>Niemand hat einen Vertrag unterschrieben.</span></p><p><span>Niemand hat den Aufwand erfasst.</span></p><p><span>Und irgendwann sieht es von au&#223;en so aus, als sei die Versorgung selbstverst&#228;ndlich geregelt.</span></p><p><strong><span>Das Kind macht das ja.</span></strong></p><p><span>Bis das Kind drei Wochen nicht da ist.</span></p><p><span>Dann entdeckt man m&#246;glicherweise, dass gar kein Versorgungssystem existiert hat.</span></p><p><span>Es existierte nur ein Mensch.</span></p><p><strong><span>Drei Wochen Rum&#228;nien und die Sache mit dem Essen</span></strong></p><p><span>Genau das ist bei uns passiert.</span></p><p><span>Meine Frau und ich waren etwa drei Wochen in Rum&#228;nien. Ich beruflich unterwegs, sie im Urlaub.</span></p><p><span>Meine Mutter versicherte mir vorher, sie habe gen&#252;gend Lebensmittel.</span></p><p><span>Als wir zur&#252;ckkamen, war davon nicht mehr besonders viel &#252;brig.</span></p><p><span>Sie hatte gestreckt und rationiert.</span></p><p><span>Es war noch kein akuter Notfall entstanden.</span></p><p><span>Das ist wichtig.</span></p><p><span>Sie war nicht verhungert.</span></p><p><span>Der Rettungsdienst musste nicht ausr&#252;cken.</span></p><p><span>Niemand lag bewusstlos neben einem leeren Paket Zwieback.</span></p><p><span>Aber pl&#246;tzlich stand eine interessante Frage im Raum:</span></p><p><strong><span>Wie lange h&#228;tte das noch funktioniert?</span></strong></p><p><span>Eine Woche?</span></p><p><span>Drei Tage?</span></p><p><span>Und wer h&#228;tte es bemerkt?</span></p><p><span>Ich jedenfalls nicht.</span></p><p><span>Ich war nicht da.</span></p><p><span>Und selbst wenn ich da bin, f&#252;hre ich keine Inventarliste &#252;ber ihren K&#252;hlschrank.</span></p><p><strong><span>K&#246;rperlich k&#246;nnte sie mich wahrscheinlich abh&#228;ngen</span></strong></p><p><span>Das Absurde ist: Meine Mutter entspricht &#252;berhaupt nicht dem klassischen Bild einer pflegebed&#252;rftigen alten Frau.</span></p><p><span>Wenn wir gemeinsam laufen, ist eher meine Kondition das Problem.</span></p><p><span>Sechs Kilometer sind f&#252;r mich irgendwann Arbeit.</span></p><p><span>Sie k&#246;nnte wahrscheinlich weiterlaufen.</span></p><p><span>Zehn Kilometer halte ich bei ihr nicht f&#252;r v&#246;llig unrealistisch.</span></p><p><span>Sie ben&#246;tigt keine Gehhilfe. Sie arbeitet im Garten. Sie macht Dinge im Haushalt. Eine Reinigungskraft kommt einmal w&#246;chentlich, und meine Mutter arbeitet teilweise sogar mit ihr zusammen.</span></p><p><span>K&#246;rperlich ist da erstaunlich viel vorhanden.</span></p><p><span>Das Problem beginnt vor der Haust&#252;r.</span></p><p><span>Nach einem schweren Sturz mit erheblicher Verletzung hat sich bei ihr eine starke Unsicherheit entwickelt, allein unterwegs zu sein.</span></p><p><span>Wenn wir gemeinsam losgehen, h&#228;lt sie sich zun&#228;chst eng an mich.</span></p><p><span>Nach hundert oder zweihundert Metern, wenn wir reden und sie sich wieder sicherer f&#252;hlt, wird das besser.</span></p><p><span>Dann l&#228;uft sie.</span></p><p><span>Allein verl&#228;sst sie das Grundst&#252;ck dagegen kaum noch.</span></p><p><span>Ob das eine Angstst&#246;rung ist?</span></p><p><span>Keine Ahnung.</span></p><p><span>Ich vermute es.</span></p><p><span>Aber ich bin kein Psychiater.</span></p><p><span>Und damit stehen wir erstmals vor der Box.</span></p><p><strong><span>Fremde Menschen sind nicht automatisch Hilfe</span></strong></p><p><span>Dazu kommt eine Vorgeschichte, die man nicht mit dem Satz l&#246;sen kann:</span></p><p><strong><span>&#8222;Dann kommt eben jemand vom Pflegedienst.&#8220;</span></strong></p><p><span>Meine Mutter hat &#252;ber Jahrzehnte zunehmend isoliert gelebt.</span></p><p><span>Ihr inzwischen verstorbener Ehemann begrenzte den gemeinsamen sozialen Raum stark. In seinen letzten Lebensjahren kam eine schwere frontotemporale Demenzerkrankung hinzu.</span></p><p><span>Es gab Gewaltsituationen.</span></p><p><span>Es gab Angst.</span></p><p><span>Und es gab die Erfahrung, dass Menschen in der Umgebung keineswegs automatisch zu Helfern werden, nur weil offensichtlich etwas nicht stimmt.</span></p><p><span>So etwas verschwindet nicht deshalb, weil jemand mit Dienstausweis vor der T&#252;r steht.</span></p><p><span>F&#252;r meine Mutter bedeutet &#8222;fremder Mensch&#8220; nicht automatisch:</span></p><p><strong><span>Hilfe.</span></strong></p><p><span>Zun&#228;chst bedeutet es:</span></p><p><strong><span>fremder Mensch.</span></strong></p><p><span>Vertrauen besteht nur zu sehr wenigen Personen.</span></p><p><span>Meine Frau geh&#246;rt dazu.</span></p><p><span>Ich geh&#246;re dazu.</span></p><p><span>Eine unbekannte Pflegekraft, ein Sozialarbeiter oder eine &#196;rztin muss diesen Status erst einmal erreichen.</span></p><p><span>Das ist f&#252;r ein Hilfesystem ausgesprochen unpraktisch.</span></p><p><span>Denn pl&#246;tzlich entsteht die paradoxe Situation:</span></p><p><strong><span>Die Menschen, die helfen k&#246;nnten, geh&#246;ren zun&#228;chst zu denen, denen nicht vertraut wird.</span></strong></p><p><strong><span>Der Medizinische Dienst bevorzugt Probleme, die sich z&#228;hlen lassen</span></strong></p><p><span>Ein Pflegegrad wurde bereits beantragt.</span></p><p><span>Ohne Erfolg.</span></p><p><span>Das ist nicht so absurd, wie es zun&#228;chst klingt.</span></p><p><span>Pflegegrade werden nicht einfach nach Diagnosen vergeben. Entscheidend ist, in welchem Umfang die Selbstst&#228;ndigkeit tats&#228;chlich eingeschr&#228;nkt ist.</span></p><p><span>Fehlende Beine sind dabei vergleichsweise unkompliziert.</span></p><p><span>Man sieht sie.</span></p><p><span>Fehlende Arme ebenfalls.</span></p><p><span>Auch Schwierigkeiten beim Waschen, Anziehen, Aufstehen oder Essen lassen sich ziemlich konkret erfassen.</span></p><p><span>&#8222;Ich kann theoretisch zehn Kilometer laufen, traue mich aber allein kaum hundert Meter vom Grundst&#252;ck weg&#8220; ist wesentlich unangenehmer.</span></p><p><span>Psychische Erkrankungen k&#246;nnen bei einer Pflegebegutachtung selbstverst&#228;ndlich eine Rolle spielen.</span></p><p><span>Aber daf&#252;r m&#252;ssen ihre Auswirkungen greifbar werden.</span></p><p><span>Eine nicht diagnostizierte Angstproblematik ist gegen&#252;ber einer Begutachtung deutlich schwerer zu vermitteln als ein k&#246;rperlicher Funktionsverlust.</span></p><p><span>Und genau deshalb war das Gespr&#228;ch mit zwei &#196;rzt:innen des sozialpsychiatrischen Dienstes interessant.</span></p><p><span>Eine &#196;rztin sagte sinngem&#228;&#223;:</span></p><p><span>Wenn sie meine Mutter pers&#246;nlich kennenlernen und mit ihr sprechen k&#246;nne, k&#246;nne sie die Situation fachlich besser eingrenzen.</span></p><p><span>Dann k&#246;nnte sie m&#246;glicherweise eine &#228;rztliche Stellungnahme verfassen.</span></p><p><span>Und so etwas h&#228;tte bei einer erneuten Pflegebegutachtung nat&#252;rlich ein ganz anderes Gewicht als:</span></p><p><strong><span>&#8222;Das Kind glaubt, dass die Mutter Angst hat.&#8220;</span></strong></p><p><span>Sehr gut.</span></p><p><span>Damit h&#228;tten wir einen Weg.</span></p><p><span>Es gibt lediglich einen kleinen Sch&#246;nheitsfehler.</span></p><p><span>Meine Mutter m&#252;sste mit der &#196;rztin sprechen.</span></p><p><span>An diesem Morgen wollte sie lieber schlafen.</span></p><p><strong><span>Willkommen bei Schr&#246;dingers Katze</span></strong></p><p><span>Und damit erreichen wir das eigentliche Problem.</span></p><p><span>Stellen wir uns vor, meine Mutter sitzt in einer Black Box.</span></p><p><span>Nat&#252;rlich nicht wirklich.</span></p><p><span>Das w&#228;re vermutlich bereits ein Fall f&#252;rs Bauamt.</span></p><p><span>Aber gedanklich.</span></p><p><span>Von au&#223;en sehen wir Verhalten.</span></p><p><span>Sie geht nicht allein zum Arzt.</span></p><p><span>Warum?</span></p><p><span>Freie Entscheidung?</span></p><p><span>Angst?</span></p><p><span>Trauma?</span></p><p><span>Depression?</span></p><p><span>Kognitive Ver&#228;nderung?</span></p><p><span>Eine Kombination aus allem?</span></p><p><span>Keine Ahnung.</span></p><p><span>Sie sagt:</span></p><p><strong><span>&#8222;Ich brauche keine Hilfe.&#8220;</span></strong></p><p><span>Ist das eine vollkommen autonome Entscheidung?</span></p><p><span>Oder verhindert gerade eine Erkrankung, dass sie erkennt, welche Hilfe sie braucht?</span></p><p><span>Sie sagt:</span></p><p><strong><span>&#8222;Ich habe genug Lebensmittel.&#8220;</span></strong></p><p><span>Ist das richtig?</span></p><p><span>Oder &#252;bersch&#228;tzt sie ihre M&#246;glichkeiten?</span></p><p><span>Sie lehnt eine &#228;rztliche Untersuchung ab.</span></p><p><span>Ist das Selbstbestimmung?</span></p><p><span>Oder blockiert m&#246;glicherweise genau jene Erkrankung die Untersuchung, durch die festgestellt werden k&#246;nnte, dass eine Erkrankung die Untersuchung blockiert?</span></p><p><span>Herzlichen Gl&#252;ckwunsch.</span></p><p><span>Sie haben Schr&#246;dingers Versorgungssystem gefunden.</span></p><p><strong><span>Die Katze bewegt sich</span></strong></p><p><span>Jetzt wird es etwas unappetitlich.</span></p><p><span>Wir sehen, dass sich in der Box der Brustkorb der Katze hebt.</span></p><p><span>Das scheint zun&#228;chst eine gute Nachricht zu sein.</span></p><p><span>Die Katze lebt.</span></p><p><span>Oder?</span></p><p><span>Vielleicht entstehen dort gerade Zersetzungsgase.</span></p><p><span>Von au&#223;en sieht beides erst einmal nach Bewegung aus.</span></p><p><span>Ich darf nun vorsichtig in die Box greifen.</span></p><p><span>Vielleicht knapst die Katze an meinen Fingern.</span></p><p><span>Vielleicht kitzeln mich W&#252;rmer.</span></p><p><span>Das Problem:</span></p><p><span>Ich bin kein Arzt.</span></p><p><span>Ich kann beobachten.</span></p><p><span>Ich kann fragen.</span></p><p><span>Ich kann zweifeln.</span></p><p><span>Ich kann dokumentieren.</span></p><p><span>Ich kann Beh&#246;rden informieren.</span></p><p><span>Ich kann Termine organisieren.</span></p><p><span>Ich kann auf meine Mutter einreden, bis wir uns gegenseitig auf die Nerven gehen.</span></p><p><span>Aber ich darf aus einem Verhalten keine medizinisch verbindliche Diagnose herstellen.</span></p><p><span>Das ist auch richtig so.</span></p><p><span>Ich sollte nicht morgens beschlie&#223;en:</span></p><p><strong><span>&#8222;Mutter benimmt sich komisch. Ab heute bin ich Neurologe.&#8220;</span></strong></p><p><span>Das w&#228;re eine ausgesprochen schlechte Rechtsordnung.</span></p><p><strong><span>Die &#196;rzte d&#252;rfen aber ebenfalls nicht einfach nachsehen</span></strong></p><p><span>Jetzt kommen die Menschen ins Spiel, die tats&#228;chlich beurteilen k&#246;nnten, was in der Box passiert.</span></p><p><span>&#196;rztinnen und &#196;rzte.</span></p><p><span>Nur d&#252;rfen auch die nicht einfach sagen:</span></p><p><strong><span>&#8222;Interessante Kiste. Machen wir mal auf.&#8220;</span></strong></p><p><span>Eine erwachsene Person darf medizinische Untersuchungen ablehnen.</span></p><p><span>Sie darf schlechte Entscheidungen treffen.</span></p><p><span>Sie darf Risiken eingehen.</span></p><p><span>Sie darf &#196;rzte meiden.</span></p><p><span>Sie darf sich ungesund ern&#228;hren.</span></p><p><span>Sie darf sogar Entscheidungen treffen, die Au&#223;enstehende f&#252;r ausgesprochen d&#228;mlich halten.</span></p><p><span>Selbstbestimmung beinhaltet auch das Recht auf schlechte Entscheidungen.</span></p><p><span>Erst wenn bestimmte rechtliche Schwellen &#252;berschritten werden &#8211; beispielsweise bei entsprechend erheblicher Gef&#228;hrdung oder fehlender F&#228;higkeit, eine konkrete Entscheidung selbstbestimmt zu treffen &#8211; ver&#228;ndern sich die M&#246;glichkeiten.</span></p><p><span>Aber genau hier steckt das Paradox.</span></p><p><span>Um sicher zu wissen, </span><strong><span>ob eine Erkrankung die Selbstbestimmung beeintr&#228;chtigt</span></strong><span>, m&#252;sste jemand untersuchen.</span></p><p><span>Um gegen den Willen der Person untersuchen zu d&#252;rfen, braucht es aber erheblich mehr als den blo&#223;en Verdacht:</span></p><p><strong><span>Vielleicht beeintr&#228;chtigt eine Erkrankung ihre Selbstbestimmung.</span></strong></p><p><span>Die Box ist also abgeschlossen.</span></p><p><span>Der Schl&#252;ssel liegt m&#246;glicherweise darin.</span></p><p><strong><span>Betreuung ist nicht Pflege</span></strong></p><p><span>Bei unserem Gespr&#228;ch wurde mir mehrfach empfohlen, mich an die Betreuungsbeh&#246;rde zu wenden.</span></p><p><span>Das ist f&#252;r rechtliche Fragen sinnvoll.</span></p><p><span>Die Beh&#246;rde kann Bevollm&#228;chtigte beraten.</span></p><p><span>Ein Betreuungsgericht kann unter gesetzlichen Voraussetzungen Verfahren einleiten und Gutachten veranlassen.</span></p><p><span>Das beantwortet aber nicht die Frage:</span></p><p><strong><span>Wer schaut morgen nach dem K&#252;hlschrank?</span></strong></p><p><span>Denn rechtliche Betreuung ist nicht Altenpflege.</span></p><p><span>Eine Person kann hervorragend rechtlich vertreten sein und trotzdem nichts zu essen haben.</span></p><p><span>Ein Betreuer kann einen Pflegedienst organisieren.</span></p><p><span>Er muss deshalb nicht selbst morgens um sieben die Kompressionsstr&#252;mpfe anziehen.</span></p><p><span>Er kann einen Antrag stellen.</span></p><p><span>Er muss deshalb nicht den K&#252;hlschrank auswischen.</span></p><p><span>Er kann eine Rechnung bezahlen.</span></p><p><span>Er muss deshalb nicht wissen, ob hinter der Butter noch drei Joghurts stehen.</span></p><p><span>Genau diese Unterscheidung geht gesellschaftlich st&#228;ndig verloren.</span></p><p><span>Bei professionellen Systemen ist sie selbstverst&#228;ndlich.</span></p><p><span>Beim eigenen Kind pl&#246;tzlich nicht mehr.</span></p><p><span>Dann hei&#223;t es:</span></p><p><strong><span>&#8222;Aber Sie k&#252;mmern sich doch um Ihre Mutter.&#8220;</span></strong></p><p><span>Ja.</span></p><p><span>Nur was bedeutet &#8222;k&#252;mmern&#8220;?</span></p><p><span>Rechtlich vertreten?</span></p><p><span>Einkaufen?</span></p><p><span>Pflegen?</span></p><p><span>Beaufsichtigen?</span></p><p><span>Kontrollieren?</span></p><p><span>Diagnostizieren?</span></p><p><span>24 Stunden erreichbar sein?</span></p><p><span>Wenn wir all das in ein einziges Wort werfen, haben wir keine Versorgung organisiert.</span></p><p><span>Wir haben lediglich die Zust&#228;ndigkeit sprachlich verschwinden lassen.</span></p><p><strong><span>Ein 17-J&#228;hriger hat an dieser Stelle teilweise einen Vorteil</span></strong></p><p><span>Der Unterschied wird besonders deutlich, wenn wir einen Minderj&#228;hrigen betrachten.</span></p><p><span>Bei einem 17-j&#228;hrigen Kind kann eine staatliche Schutzstruktur aktiv werden, wenn gewichtige Hinweise bestehen, dass seine k&#246;rperliche oder seelische Gesundheit durch die Lebenssituation gef&#228;hrdet ist.</span></p><p><span>Dann kann pl&#246;tzlich wichtig werden:</span></p><p><span>Ist Essen vorhanden?</span></p><p><span>Wie sieht die Wohnung aus?</span></p><p><span>Ist das Kind versorgt?</span></p><p><span>Kann der betreuende Elternteil &#252;berhaupt noch f&#252;r das Kind sorgen?</span></p><p><span>Das bedeutet nicht, dass jeder Arzt nach Lust und Laune fremde K&#252;hlschr&#228;nke durchsuchen darf.</span></p><p><span>Aber es gibt ein eigenes Schutzsubjekt:</span></p><p><strong><span>das Kind.</span></strong></p><p><span>Und dessen Schutz kann Eingriffe gegen den Willen der Eltern rechtfertigen.</span></p><p><span>Bei meiner Mutter ist das anders.</span></p><p><span>Sie ist gleichzeitig die m&#246;glicherweise gef&#228;hrdete Person </span><strong><span>und</span></strong><span> die Person, deren Selbstbestimmung gesch&#252;tzt werden muss.</span></p><p><span>Der Staat m&#252;sste also gegebenenfalls sagen:</span></p><p><strong><span>&#8222;Wir sch&#252;tzen Sie jetzt vor Ihrer eigenen Entscheidung.&#8220;</span></strong></p><p><span>Dass daf&#252;r eine hohe Schwelle existiert, ist nicht nur verst&#228;ndlich.</span></p><p><span>Es ist notwendig.</span></p><p><span>Niemand m&#246;chte eine Rechtsordnung, in der ein Arzt, ein Sozialarbeiter oder ein &#252;bereifriger Sohn die Wohnung einer &#228;lteren Frau durchsuchen darf, weil sie gestern ihr Mittagessen ausgelassen hat.</span></p><p><span>Das Problem entsteht nur dort, wo diese richtige Schutzmauer gleichzeitig verhindert, herauszufinden, ob hinter ihr bereits etwas kippt.</span></p><p><strong><span>Genau dort liegt die L&#252;cke</span></strong></p><p><span>Das Versorgungssystem hat f&#252;r fast alles eine Schublade.</span></p><p><span>Pflegeversicherung.</span></p><p><span>Pflegedienst.</span></p><p><span>Hausarzt.</span></p><p><span>Psychiatrie.</span></p><p><span>Sozialpsychiatrischer Dienst.</span></p><p><span>Betreuungsbeh&#246;rde.</span></p><p><span>Betreuungsgericht.</span></p><p><span>Vorsorgevollmacht.</span></p><p><span>Angeh&#246;rige.</span></p><p><span>Haushaltshilfe.</span></p><p><span>Rettungsdienst.</span></p><p><span>Alles vorhanden.</span></p><p><span>Und trotzdem kann in der Mitte ein leerer Raum entstehen.</span></p><p><span>Der Angeh&#246;rige sieht m&#246;glicherweise ein Problem, darf es aber nicht diagnostizieren.</span></p><p><span>Der Arzt k&#246;nnte es diagnostisch einordnen, bekommt aber ohne Einwilligung keinen Zugang.</span></p><p><span>Der Betreuungsbevollm&#228;chtigte kann vertreten, ist aber kein Pflegedienst.</span></p><p><span>Der Pflegedienst k&#246;nnte praktisch helfen, wird aber m&#246;glicherweise nicht hereingelassen.</span></p><p><span>Die Pflegebegutachtung k&#246;nnte Unterst&#252;tzung erm&#246;glichen, ben&#246;tigt aber nachvollziehbare Einschr&#228;nkungen.</span></p><p><span>Und die fachliche Einsch&#228;tzung dieser Einschr&#228;nkungen scheitert m&#246;glicherweise daran, dass genau die vermutete Erkrankung verhindert, dass jemand sie untersuchen darf.</span></p><p><strong><span>Keyboard not found. Please press any key to continue.</span></strong></p><p><strong><span>Und jetzt?</span></strong></p><p><span>Im Moment tue ich vor allem eines:</span></p><p><span>Ich respektiere die Grenze.</span></p><p><span>Meine Mutter lebt selbstst&#228;ndig.</span></p><p><span>Sie l&#228;uft.</span></p><p><span>Sie organisiert vieles.</span></p><p><span>Sie hat eine Haushaltshilfe.</span></p><p><span>Es gibt keine konkrete akute Gefahrenlage, die mir erlauben w&#252;rde, ihre Selbstbestimmung einfach zu ersetzen.</span></p><p><span>Also ersetze ich sie nicht.</span></p><p><span>Ich versuche weiterhin, sie zu einem &#228;rztlichen Gespr&#228;ch zu bewegen.</span></p><p><span>Vielleicht gelingt es.</span></p><p><span>Dann kann eine &#196;rztin beurteilen, ob hinter ihrem Verhalten tats&#228;chlich eine behandlungsbed&#252;rftige Problematik steckt.</span></p><p><span>Vielleicht hilft eine &#228;rztliche Stellungnahme bei einer erneuten Pflegebegutachtung.</span></p><p><span>Vielleicht findet sich eine aufsuchende Versorgung, der meine Mutter irgendwann vertraut.</span></p><p><span>Vielleicht stellt sich aber auch heraus, dass unsere Katze ausgesprochen lebendig ist und lediglich keine Lust darauf hat, dass st&#228;ndig fremde Menschen an ihrem Karton herumfummeln.</span></p><p><span>Auch das w&#228;re ein vollkommen legitimes Ergebnis.</span></p><p><span>Das eigentliche Problem ist nicht, dass ich nicht wei&#223;, welche Antwort richtig ist.</span></p><p><strong><span>Das eigentliche Problem ist, dass ich es nicht wissen darf, indem ich selbst die Box &#246;ffne.</span></strong></p><p><span>Und diejenigen, die den Unterschied fachlich erkennen k&#246;nnten, d&#252;rfen sie ebenfalls nicht einfach &#246;ffnen.</span></p><p><span>Bis dahin stehen Angeh&#246;rige wie ich davor.</span></p><p><span>Mit Vorsorgevollmacht.</span></p><p><span>Mit Telefonnummern von Beh&#246;rden.</span></p><p><span>Mit Einkaufst&#252;ten.</span></p><p><span>Und manchmal mit der ausgesprochen wichtigen Information, dass niemand wei&#223;, ob noch Salz im Schrank steht.</span></p><p><span>Wir h&#246;ren etwas knapsen.</span></p><p><span>Und hoffen, dass es die Katze ist.</span></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wenn Nonbinär nicht gesehen wird – sondern übersetzt]]></title><description><![CDATA[Mann, Frau oder was?]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/wenn-nichtbinar-nicht-gesehen-wird</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/wenn-nichtbinar-nicht-gesehen-wird</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Tue, 01 Sep 2026 12:32:04 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Q7Bs!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fbaea5a25-620e-4e9c-98c4-42c60d85c381_653x628.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 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pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" 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Vielleicht sichtbare Oberweite, ein Gesicht, das andere trotzdem schnell als m&#228;nnlich einordnen.</span></p><p><span>Und schon beginnt im Kopf der betrachtenden Person eine kleine Sortiermaschine zu arbeiten.</span></p><p><span>Mann? Frau? Irgendetwas dazwischen?</span></p><p><span>Meist dauert diese Entscheidung keine bewussten zehn Sekunden. Sie geschieht beinahe automatisch. Menschen erkennen Gesichter, K&#246;rper, Kleidung und Bewegungen nicht neutral. Wir vergleichen das Gesehene mit Mustern, die wir &#252;ber Jahre gelernt haben.</span></p><p><span>Genau darin liegt ein Problem f&#252;r Menschen, die sich au&#223;erhalb der k&#252;nstlichen bin&#228;ren Geschlechterordnung verorten.</span></p><p><span>Denn wenn das Gegen&#252;ber f&#252;r &#8222;nichtbin&#228;r&#8220; kein stabiles Wahrnehmungsmuster besitzt, verschwindet die Person nicht einfach aus der Wahrnehmung. Stattdessen wird sie &#252;bersetzt.</span></p><p><span>Eine feminin auftretende Person, die bei der Geburt dem m&#228;nnlichen Geschlecht zugeordnet wurde, kann dann schnell als &#8222;Mann in Frauenkleidung&#8220;, als Crossdresser, Dragqueen oder schlicht als besonders femininer Mann gelesen werden.</span></p><p><span>Eine maskulin auftretende Person, die bei der Geburt dem weiblichen Geschlecht zugeordnet wurde, landet dagegen vielleicht in Kategorien wie Tomboy, Butch oder maskuline Frau.</span></p><p><span>Die sichtbaren Informationen sind also durchaus angekommen, nur die Interpretation folgt einer &#228;lteren Landkarte.</span></p><p><span>Das ist ein wichtiger Unterschied.</span></p><p><span>Nichtbin&#228;re Menschen werden nicht zwangsl&#228;ufig deshalb falsch eingeordnet, weil ihre Identit&#228;t vollkommen unsichtbar w&#228;re. Manchmal werden sogar sehr viele Hinweise wahrgenommen. Nur werden diese Hinweise anschlie&#223;end so lange in bekannte Kategorien &#252;bersetzt, bis wieder etwas Vertrautes herauskommt.</span></p><p><strong><span>   Der K&#246;rper ist kein Ausweis</span></strong></p><p><span>Interessant wird es, wenn man k&#252;nstliche Intelligenz nach demselben Problem fragt.</span></p><p><span>Zeigt man einem Bildsystem eine Person und fragt nach dem Geschlecht, wird es m&#246;glicherweise von Gesichtsz&#252;gen, Bartschatten, K&#246;rperbau, Haaren oder Kleidung sprechen. Fragt man anschlie&#223;end, ob sich daraus erkennen lasse, welche Geschlechtsorgane diese Person besitzt oder fr&#252;her besessen hat, muss die Antwort vern&#252;nftigerweise anders ausfallen.</span></p><p><span>Nein!</span></p><p><span>Das l&#228;sst sich aus einem Foto nicht wissen.</span></p><p><span>Damit wird etwas sichtbar, was wir im Alltag h&#228;ufig vergessen:</span></p><p><span>Ein System erkennt kein &#8222;biologisches Geschlecht&#8220;, wenn es ein Gesicht betrachtet. Es erkennt Muster, die in seinen Trainingsdaten h&#228;ufig gemeinsam mit bestimmten Geschlechtsbezeichnungen vorkamen.</span></p><p><span>Menschen machen etwas sehr &#196;hnliches:</span></p><p><span>Bartschatten wird m&#228;nnlich gelesen. Eine deutlich sichtbare Brust wird weiblich gelesen. Breite Schultern verschieben die Wahrnehmung in die eine Richtung, Make-up m&#246;glicherweise in die andere. Stimme, Kleidung, Frisur, Haltung und Schmuck liefern weitere Hinweise.</span></p><p><span>Aber Hinweise sind keine Gewissheiten, sie sind kulturell gelernte Marker!</span></p><p><span>Und manche Marker wiegen offenbar deutlich schwerer als andere.</span></p><p></p><p><strong><span>  Nichtbin&#228;re Sichtbarkeit ist nicht symmetrisch</span></strong></p><p><span>Hier wird es besonders interessant:</span></p><p><span>Viele nichtbin&#228;re Menschen ver&#228;ndern ihre &#228;u&#223;ere Erscheinung, weil sie sich damit wohler f&#252;hlen oder weil sie m&#246;chten, dass ihr K&#246;rper ihre eigene Identit&#228;t besser widerspiegelt.</span></p><p><span>Bei manchen AFAB-Personen (assigned female at birth) kann beispielsweise eine flachere Brust, eine tiefere Stimme oder eine ver&#228;nderte K&#246;rperbehaarung sehr schnell dazu f&#252;hren, dass die bisher dominante weibliche Fremdlesung instabil wird.</span></p><p><span>Bei AMAB-Personen (assigned male at birth) kann dieselbe Verschiebung schwieriger sein:</span></p><p><span>Lange Haare, Schmuck, Brust, weichere Kleidung oder Make-up reichen mitunter nicht aus, um eine einmal etablierte m&#228;nnliche Lesart aufzul&#246;sen. Ein sichtbarer Bartschatten, bestimmte Gesichtskonturen oder die Stimme k&#246;nnen f&#252;r das Gegen&#252;ber weiterhin so dominant sein, dass alle anderen Hinweise lediglich als &#8222;feminine Variante eines Mannes&#8220; interpretiert werden.</span></p><p><span>Das bedeutet nicht, dass diese Merkmale tats&#228;chlich m&#228;nnlich oder weiblich </span><em><span>sind</span></em><span>.</span></p><p><span>Aber es bedeutet, dass unsere Gesellschaft gelernt hat, ihnen unterschiedliche Gewichte zu geben.</span></p><p><span>Und genau deshalb f&#252;hrt zus&#228;tzliche Weiblichkeit bei einer AMAB-Person nicht automatisch zu einer nichtbin&#228;ren Lesart.</span></p><p><span>Manchmal entsteht stattdessen:</span></p><p><span>Mann plus Make-up.</span></p><p><span>Mann plus Brust.</span></p><p><span>Mann im Kleid.</span></p><p><span>Drag.</span></p><p><span>Tunte.</span></p><p><span>Crossdresser.</span></p><p><span>Das vorhandene Muster wird erweitert, aber nicht verlassen.</span></p><p><strong><span>   Drag ist keine Geschlechtsidentit&#228;t</span></strong></p><p><span>Gerade hier werden Dinge miteinander vermischt, die eigentlich unterschiedliche Ebenen beschreiben.</span></p><p><span>Drag ist eine Performanceform.</span></p><p><span>Kleidung ist eine Form der Pr&#228;sentation.</span></p><p><span>Sexuelle Orientierung beschreibt, zu wem sich jemand hingezogen f&#252;hlt.</span></p><p><span>Aber Geschlechtsidentit&#228;t beschreibt etwas anderes!</span></p><p><span>Trotzdem werden diese Ebenen in der allt&#228;glichen Wahrnehmung st&#228;ndig ineinandergeschoben.</span></p><p><span>Ein Mann kann ein Kleid tragen und ein Mann sein.</span></p><p><span>Eine Frau kann einen Anzug tragen und eine Frau sein.</span></p><p><span>Eine Dragqueen kann au&#223;erhalb der B&#252;hne ein Mann, eine Frau oder nichtbin&#228;r sein.</span></p><p><span>Und eine nichtbin&#228;re Person muss weder extravagante Kleidung tragen noch androgyn aussehen noch irgendeine bestimmte Mischung aus weiblich und m&#228;nnlich verk&#246;rpern.</span></p><p><span>Das klingt banal, aber offenbar ist es das gesellschaftlich nicht.</span></p><p><strong><span>   Das eigentliche Muster liegt im Kopf der Betrachtenden</span></strong></p><p><span>Vielleicht suchen wir deshalb an der falschen Stelle nach nichtbin&#228;rer Sichtbarkeit.</span></p><p><span>Wir fragen h&#228;ufig:</span></p><p><span>Wie muss eine nichtbin&#228;re Person aussehen, damit andere erkennen, dass sie nichtbin&#228;r ist?</span></p><p><span>Aber vielleicht lautet die interessantere Frage:</span></p><p><strong><span>Welche Kategorien stehen den Betrachtenden &#252;berhaupt zur Verf&#252;gung?</span></strong></p><p><span>Wenn im mentalen Ordnungssystem nur &#8222;Mann&#8220; und &#8222;Frau&#8220; fest verankert sind, muss jede neue Information am Ende irgendwo dort einsortiert werden.</span></p><p><span>Dann wird aus einer nichtbin&#228;ren Person kein dritter oder offener M&#246;glichkeitsraum, sie wird zu einer ungew&#246;hnlichen Version einer der beiden bekannten Kategorien.</span></p><p><span>Und damit ver&#228;ndert sich die Perspektive auf das ganze Problem.</span></p><p><span>Nicht die nichtbin&#228;re Person ist zu schwer lesbar.</span></p><p><strong><span>Das Lesesystem besitzt zu wenige Kategorien.</span></strong></p><p><strong><span>   Die kleine Sortiermaschine</span></strong></p><p><span>Vielleicht ist Geschlechtswahrnehmung deshalb ein sch&#246;nes Beispiel daf&#252;r, wie Mustererkennung gleichzeitig hilfreich und gef&#228;hrlich sein kann.</span></p><p><span>Ohne Mustererkennung k&#246;nnten Menschen ihre Umwelt kaum bew&#228;ltigen. Wir m&#252;ssten jedes Gesicht, jedes Objekt und jede Situation jedes Mal vollkommen neu analysieren.</span></p><p><span>Also vereinfachen wir.</span></p><p><span>Wir erkennen &#196;hnlichkeiten, wir bilden Kategorien und wir treffen Wahrscheinlichkeitsentscheidungen.</span></p><p><span>Das Problem beginnt dort, wo wir vergessen, dass es Wahrscheinlichkeitsentscheidungen sind.</span></p><p><span>Aus:</span></p><p><span>&#8222;Diese Person erinnert mich optisch an Menschen, die ich bisher als M&#228;nner kennengelernt habe&#8220;, wird sehr schnell:</span></p><p><span>&#8222;Das ist ein Mann.&#8220;</span></p><p><span>Und aus dieser Vermutung wird anschlie&#223;end eine vermeintliche Tatsache.</span></p><p><span>Vielleicht w&#228;re deshalb schon viel gewonnen, wenn wir zwischen zwei S&#228;tzen unterscheiden w&#252;rden:</span></p><p><strong><span>&#8222;Ich lese diese Person als m&#228;nnlich.&#8220;</span></strong></p><p><span>und</span></p><p><strong><span>&#8222;Diese Person ist ein Mann.&#8220;</span></strong></p><p><span>Der erste Satz beschreibt die eigene Wahrnehmung und der zweite behauptet etwas &#252;ber einen anderen Menschen.</span></p><p><span>Zwischen beiden liegen nur wenige W&#246;rter, aber ziemlich viel Welt.</span></p><p><strong><span>   Mustersammeln hei&#223;t manchmal auch, das eigene Muster anzusehen</span></strong></p><p><span>Ich sammle gerne kleine Dinge, die nicht ganz zusammenpassen, bis ihre Verbindung sichtbar wird.</span></p><p><span>Hier sind es Gesichter, Frisuren, Br&#252;ste, Bartschatten, Kleidung, KI-Klassifikationen, Drag, Transidentit&#228;t und eine allt&#228;gliche Frage:</span></p><p><span>Warum sehen wir eigentlich das, was wir zu sehen glauben?</span></p><p><span>Vielleicht liegt die Antwort weniger im K&#246;rper der betrachteten Person, als wir denken.</span></p><p><span>Vielleicht liegt ein erheblicher Teil davon in der Geschichte, die unsere Gesellschaft uns dar&#252;ber beigebracht hat, wie ein Mann oder eine Frau angeblich auszusehen hat.</span></p><p><span>Und vielleicht beginnt nichtbin&#228;re Sichtbarkeit deshalb nicht nur damit, Menschen anders aussehen zu lassen, sondern damit, </span><strong><span>anders sehen zu lernen</span></strong><span>.</span></p><p></p><div><hr></div><p><strong>Ike Aaren Hadler</strong><br>Journalist &#183; Researcher &#183; Consultant<br><strong>JCMI &#8211; Journalism &#183; Consulting &#183; Multimedia &#183; IT</strong></p><p>Wenn dir dieser Artikel etwas gebracht hat und du meine unabh&#228;ngige Arbeit einmalig unterst&#252;tzen m&#246;chtest, kannst du mir einen Kaffee ausgeben. &#9749;<br><strong><a href="https://buymeacoffee.com/ikeaarenhadler">https://buymeacoffee.com/ikeaarenhadler</a></strong></p><p>Weitere Analysen, Projekte und Arbeitsproben: <strong><a href="https://jcmi.eu/">jcmi.eu</a></strong></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wer ist denn dieses neurodivergente Einhorn Ike Aaren?!?]]></title><description><![CDATA[&#171;&#187; Ike dey MustersammlerIn &#171;&#187;]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/wer-ist-denn-dieses-einhorn-ike-aaren</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/wer-ist-denn-dieses-einhorn-ike-aaren</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Tue, 01 Sep 2026 10:01:24 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!hrBP!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5d17c9a2-8ef5-404a-9992-a0f1c073d690_1448x1086.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!hrBP!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F5d17c9a2-8ef5-404a-9992-a0f1c073d690_1448x1086.png" 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p><strong><span data-color="#9900ff" style="color: rgb(153, 0, 255);">&#171;&#187; Ike dey MustersammlerIn &#171;&#187;</span></strong></p><p></p><p><em><strong>Wer bei mir den einen Themenfokus sucht, wird verwirrt, vielleicht etwas entt&#228;uscht.</strong></em></p><p>Denn ich schreibe &#252;ber vieles: Gesundheit, Technik, Politik, Reisen, Klima, Gesellschaft und all die kleinen Dinge dazwischen.</p><p>Nicht, weil ich mich nicht entscheiden kann, sondern weil meine eigentliche St&#228;rke woanders liegt: <strong><span data-color="#9900ff" style="color: rgb(153, 0, 255);">Mustersammeln</span></strong>.</p><p>Ich sammle kleine Dinge, die nicht ganz zusammenpassen, deren Verbindungen nicht sofort sichtbar sind &#8212; bis das Muster dahinter sichtbar wird.</p><p>Denn sich aufzuregen ist leicht. Aber zu verstehen, was dahintersteckt und dadurch Wut und Angst zu verlieren, ist viel wertvoller.</p><p>Neurospicy, &#252;ber 35 und chronisch neugierig hilft dabei vermutlich eher, als dass es st&#246;rt.</p><p><strong><span data-color="#9900ff" style="color: rgb(153, 0, 255);">&#171;&#187; Ike dey MustersammlerIn &#171;&#187;</span></strong></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!al7W!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Faea4983e-3f5c-4cb4-9b50-6db6cf948d2b_1448x1004.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!al7W!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Faea4983e-3f5c-4cb4-9b50-6db6cf948d2b_1448x1004.jpeg 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" 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einfacher R&#252;ckbau.]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/queere-rechte-gelten-aber-ihre-wirklichkeit</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/queere-rechte-gelten-aber-ihre-wirklichkeit</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Sun, 30 Aug 2026 12:50:05 GMT</pubDate><enclosure url="https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/fff05a18-37c6-47a5-99cf-36948374ef77_1672x941.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Vier Monate nach meiner Serie &#252;ber die praktische Tragf&#228;higkeit queerer Rechte zeigt sich kein einfacher R&#252;ckbau. Rechte bleiben bestehen, w&#228;hrend ihre Umsetzung, ihre Absicherung und ihre politische Aufmerksamkeit je nach Ort, Institution und Finanzierung immer unterschiedlicher werden.</strong></em></p><p><em><strong>Manchmal merkt man erst an einer Kleinigkeit, ob ein Recht wirklich im Alltag angekommen ist.</strong></em></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mYDu!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fae2593c4-c1d2-42cd-bff1-518cf271a7b5_1536x1024.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!mYDu!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fae2593c4-c1d2-42cd-bff1-518cf271a7b5_1536x1024.png 424w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p>Bei mir war es im Fr&#252;hjahr ein Termin bei einer Zulassungsstelle in Schleswig-Holstein. Meine Vornamen waren nach dem Selbstbestimmungsgesetz ge&#228;ndert, der rechtliche Schritt war erledigt, der Staat wusste also, wer ich bin. Nur der digitale Verwaltungsprozess wusste offenbar nicht recht, was er mit dieser Wirklichkeit anfangen sollte. Die Terminbuchung dachte in getrennten Vorg&#228;ngen, die Geschlechtsauswahl blieb bin&#228;r, und erst am Schalter wurde sichtbar, was die Software vorher h&#228;tte verstehen m&#252;ssen.</p><p>Das war kein gro&#223;es Drama. Niemand beschimpfte mich, niemand verweigerte mir offen ein Recht. Gerade deshalb blieb mir der Vorgang im Kopf. Er zeigte etwas, das politisch leicht &#252;bersehen wird: Ein Recht kann korrekt im Gesetz stehen und trotzdem bei jedem weiteren Kontakt mit einer Institution wieder in Erkl&#228;rungsarbeit zerfallen.</p><p>Aus dieser Beobachtung entstand Ende April und Anfang Mai meine Serie &#8222;Die Statik queerer Rechte&#8220;: </p><p><strong><a href="https://press.jcmi.eu/p/serie-die-statik-queerer-rechte-teil-c18">[LINK: SERIE_TEIL_0]</a></strong></p><p><strong><a href="https://press.jcmi.eu/p/teil-1-vielleicht-fuhlt-sich-stabilitat">[LINK: SERIE_TEIL_1]</a></strong></p><p><strong><a href="https://press.jcmi.eu/p/serie-die-statik-queerer-rechte-teil-449">[LINK: SERIE_TEIL_2]</a></strong></p><p><strong><a href="https://press.jcmi.eu/p/serie-die-statik-queerer-rechte-teil-7c8">[LINK: SERIE_TEIL_3]</a></strong></p><p>Die zugrunde liegende Frage war gr&#246;&#223;er als mein Beh&#246;rdentermin: Was passiert, wenn rechtliche Fortschritte bestehen bleiben, der politische und administrative Rahmen dahinter aber lockerer, fragmentierter oder unsicherer wird? Das Selbstbestimmungsgesetz blieb in Kraft. Der Aktionsplan &#8222;Queer leben&#8220; wurde von der Bundesregierung als Prozess der vergangenen Legislaturperiode abgeschlossen beschrieben; Ende M&#228;rz hie&#223; es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage, eine erneute Abfrage der 134 Ma&#223;nahmen und der 14 Empfehlungspapiere sei &#8222;derzeit nicht geplant&#8220;. Die weitere Bearbeitung solle in den einzelnen Ressorts stattfinden &#8211; nach Zust&#228;ndigkeit, politischen Schwerpunktsetzungen und den jeweiligen haushalterischen M&#246;glichkeiten. [QUELLE: Q1]</p><p>Vier Monate sp&#228;ter l&#228;sst sich pr&#252;fen, was aus dieser Konstellation geworden ist.</p><p>Das Ergebnis ist weder der einfache R&#252;ckbau, vor dem manche warnen, noch die beruhigende Geschichte, alles bleibe im Wesentlichen wie zuvor. Manche Strukturen wurden unsicherer. Andere wurden ausgebaut. Manche Probleme blieben ungel&#246;st. In einzelnen L&#228;ndern entstanden neue Instrumente, w&#228;hrend auf Bundesebene Zust&#228;ndigkeiten und F&#246;rderwege neu sortiert wurden. Und selbst die Frage, wie der Aktionsplan weiter kontrolliert werden soll, ist weniger eindeutig, als es im Fr&#252;hjahr schien.</p><p>Die Entwicklung verl&#228;uft nicht geradlinig.</p><p>Sie wird ungleichm&#228;&#223;iger.</p><p>Und genau darin liegt das eigentliche Problem.</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/p/queere-rechte-gelten-aber-ihre-wirklichkeit/comments&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Einen Kommentar hinterlassen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/p/queere-rechte-gelten-aber-ihre-wirklichkeit/comments"><span>Einen Kommentar hinterlassen</span></a></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p></p><h2>1. Ein bundesweites Recht ist noch keine bundesweit gleiche Wirklichkeit</h2><p>Das Selbstbestimmungsgesetz gilt weiterhin. Wer die Voraussetzungen erf&#252;llt, kann Geschlechtseintrag und Vornamen durch Erkl&#228;rung beim Standesamt &#228;ndern. Das ist eine reale rechtliche Verbesserung gegen&#252;ber dem fr&#252;heren Transsexuellengesetz mit seinen gerichtlichen Verfahren und Gutachten.</p><p>Nur endet das Leben nicht am Ausgang des Standesamtes.</p><p>Danach kommen Krankenkassen, Banken, Schulen, Hochschulen, Arztpraxen, Personalakten, Familienurkunden, Versicherungen, Fahrzeugpapiere, Softwarefelder und alte Datens&#228;tze. An jeder dieser Schnittstellen stellt sich dieselbe praktische Frage erneut: Ist die Institution auf die Rechtslage vorbereitet &#8211; oder muss die betroffene Person die Rechtslage erst in die Sprache des jeweiligen Systems &#252;bersetzen?</p><p>Es entsteht eine Privatisierung des Umsetzungsrisikos: Der Staat schafft oder erh&#228;lt ein Recht, sorgt aber nicht &#252;berall daf&#252;r, dass die Systeme, die dieses Recht anwenden m&#252;ssen, gleich zuverl&#228;ssig funktionieren. Die Differenz wird dann von Einzelnen getragen &#8211; mit Zeit, Wissen, Geld, Geduld, Widerspr&#252;chen, Beratung oder schlicht mit der Kraft, einen Fehler noch ein f&#252;nftes Mal zu erkl&#228;ren.</p><p>Daran hat sich bis Ende August nichts Grunds&#228;tzliches ge&#228;ndert. Deutlicher geworden ist vielmehr, dass die praktische Qualit&#228;t eines Rechts gleichzeitig von mehreren Ebenen abh&#228;ngt: vom Bund, von L&#228;ndern und Kommunen, von F&#246;rderentscheidungen, von einzelnen Beh&#246;rden, von medizinischen Strukturen und davon, ob Probleme &#252;berhaupt sichtbar gemacht werden.</p><p>Deshalb k&#246;nnen zwei S&#228;tze gleichzeitig wahr sein: Ein Recht bleibt bestehen &#8211; und seine praktische Schutzwirkung wird ungleicher. Der Bund kann Strukturen neu ordnen &#8211; und ein Land gleichzeitig neue Angebote aufbauen.</p><p>Wer nur auf Gesetzestexte schaut, sieht davon wenig.</p><p></p><h2>2. Der Aktionsplan &#8222;Queer leben&#8220;: weniger klare gemeinsame Steuerung, aber nicht einfach beendet</h2><p></p><p>Der Aktionsplan &#8222;Queer leben&#8220; umfasste 134 Ma&#223;nahmen in sechs Handlungsfeldern. Im Umsetzungsbericht von Dezember 2024 galten 83 Ma&#223;nahmen als umgesetzt oder in Umsetzung. Das war ein relevanter Fortschritt &#8211; aber &#8222;in Umsetzung&#8220; ist eben nicht dasselbe wie &#8222;erledigt&#8220;. [QUELLE: Q2]</p><p>Ende M&#228;rz 2026 schrieb die Bundesregierung, eine erneute Abfrage zur Umsetzung und Verstetigung der Ma&#223;nahmen sei derzeit nicht geplant. Die Handlungsbereiche w&#252;rden in dieser Legislaturperiode innerhalb der jeweiligen Ressortzust&#228;ndigkeiten, politischen Schwerpunktsetzungen und haushalterischen M&#246;glichkeiten bearbeitet. [QUELLE: Q1]</p><p>Nur wenige Tage zuvor hatte die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch, &#246;ffentlich erkl&#228;rt, sie habe mit dem zust&#228;ndigen Ministerium vereinbart, etwa zwei Jahre nach dem letzten Umsetzungsbericht erneut abzufragen, wie weit die Umsetzung sei. Das w&#252;rde ungef&#228;hr auf Ende 2026 hinauslaufen. [QUELLE: Q3]</p><p>Diese Aussagen m&#252;ssen sich nicht zwingend widersprechen. &#8222;Derzeit nicht geplant&#8220; kann den Stand einer parlamentarischen Antwort beschreiben, w&#228;hrend politisch bereits eine sp&#228;tere Abfrage vereinbart ist. F&#252;r Au&#223;enstehende bleibt dennoch ein relevanter Befund: Selbst bei der Frage, wie der Aktionsplan k&#252;nftig kontrolliert werden soll, ist der gemeinsame Rahmen nicht besonders klar kommuniziert.</p><p>Meine fr&#252;here Formulierung, es gebe keine erneute Umsetzungskontrolle, war deshalb zu absolut. Pr&#228;ziser ist: Die kontinuierliche gemeinsame Steuerung ist schw&#228;cher und st&#228;rker ressortgebunden geworden; zugleich gibt es die politische Ank&#252;ndigung einer erneuten Abfrage etwa Ende 2026.</p><p>Gerade diese Korrektur ver&#228;ndert die Kernfrage nicht, sondern sch&#228;rft sie: Wie viel gemeinsame Verantwortung bleibt &#252;brig, wenn Umsetzung zunehmend &#252;ber Ressorts, F&#246;rderprogramme, L&#228;nder und einzelne Institutionen verteilt wird?</p><p></p><h2>3. F&#246;rderpolitik klingt abstrakt &#8211; bis sie bei Menschen ankommt</h2><p></p><p>Ein Beispiel ist das Jugendnetzwerk Lambda.</p><p>Der Bundesverband wird seit 1990 aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes mitfinanziert. Seit 2018 bestand daf&#252;r eine Rahmenvereinbarung. Im Juli machte Lambda &#246;ffentlich, dass das Bundesministerium diese Rahmenvereinbarung zum Jahresende 2026 gek&#252;ndigt habe. Der Verband warnt, damit verliere seine bundesweite Jugendverbandsarbeit ihre verl&#228;ssliche finanzielle Grundlage. Zugleich laufen nach eigener Darstellung Gespr&#228;che &#252;ber alternative F&#246;rderm&#246;glichkeiten. Es w&#228;re deshalb falsch, heute bereits zu behaupten, der Verband werde zwangsl&#228;ufig schlie&#223;en oder seine Arbeit vollst&#228;ndig einstellen. [QUELLE: Q4]</p><p>Die K&#252;ndigung ist dennoch politisch real. Ende Juli kritisierte auch die SPD-Bundestagsfraktion die Entscheidung und forderte das Ministerium auf, die K&#252;ndigung zur&#252;ckzunehmen und eine tragf&#228;hige Perspektive zu schaffen. [QUELLE: Q5]</p><p>&#8222;Rahmenvereinbarung&#8220; klingt nach Verwaltungsdeutsch. Praktisch bedeutet sie etwas sehr Konkretes: Planungssicherheit, Personal, Erfahrung, erreichbare Beratung, ehrenamtliche Strukturen und bundesweite Vernetzung. Wird aus einer langfristig kalkulierbaren Struktur eine erneute Suche nach Projektmitteln, verschwindet die Arbeit nicht automatisch. Aber ihre Unsicherheit steigt &#8211; und diese Unsicherheit landet irgendwann nicht mehr in einem Haushaltsplan, sondern bei Menschen.</p><p>F&#252;r einen queeren Teenager in einer Kleinstadt kann der Unterschied banal und existenziell zugleich sein: Gibt es jemanden, den dey anrufen kann? Gibt es eine Beratung, die nicht zwei Stunden entfernt ist? Gibt es Fachwissen, wenn Eltern oder Schule nicht weiterwissen? Solche Angebote h&#228;ngen nicht an einem abstrakten F&#246;rderbegriff, sondern an Menschen, Stellen, &#214;ffnungszeiten und daran, ob ein Tr&#228;ger ein Jahr im Voraus planen kann.</p><p>&#196;hnlich vorsichtig muss man beim Umbau des Bundesprogramms &#8222;Demokratie leben!&#8220; hinschauen.</p><p>Das Programm wird nicht abgeschafft. Ab 2027 wird es neu strukturiert. Die bisherigen Programmbereiche &#8222;Innovationsprojekte&#8220; und &#8222;Entwicklung einer bundeszentralen Infrastruktur&#8220; laufen Ende 2026 aus; passende Projekte k&#246;nnen sich in den neuen Strukturen erneut bewerben. Das Ministerium beschreibt die Reform als zielgerichtetere, pluralistischere und st&#228;rker auf Demokratiebildung, Extremismuspr&#228;vention und den digitalen Raum ausgerichtete Weiterentwicklung. [QUELLE: Q6]</p><p>Parallel sieht der Haushaltsentwurf f&#252;r 2027 rund 167,4 Millionen Euro f&#252;r &#8222;Demokratie leben!&#8220; vor. Der &#252;bergeordnete Ansatz f&#252;r Ma&#223;nahmen zur St&#228;rkung von Demokratiebildung und Extremismuspr&#228;vention sinkt nach den Angaben des Bundestags von rund 204,5 Millionen Euro 2026 auf 170,1 Millionen Euro 2027. [QUELLE: Q7]</p><p>Daraus folgt noch nicht, dass ein bestimmtes queeres Projekt 2027 verschwindet. Wer das behauptete, w&#252;rde aus einem strukturellen Risiko eine bereits eingetretene Tatsache machen. Was sich aber sagen l&#228;sst: Ein Teil der bisherigen Infrastruktur muss sich neu legitimieren, neu bewerben oder in ver&#228;nderte Programmlogiken einpassen. Ob daraus konkrete Versorgungsl&#252;cken entstehen, wird sich erst an den F&#246;rderentscheidungen zeigen.</p><p></p><h2>4. Gleichzeitig passiert das Gegenteil: L&#228;nder bauen Strukturen aus</h2><p></p><p>Wer aus diesen Bundesentwicklungen ableitet, queere Infrastruktur werde &#252;berall in Deutschland gleicherma&#223;en schw&#228;cher, liegt ebenfalls falsch.</p><p>Bayern liefert daf&#252;r ein deutliches Gegenbeispiel.</p><p>Die Staatsregierung beschloss im Juni weitere Umsetzungsschritte f&#252;r ihren Aktionsplan QUEER. F&#252;r 2026 stehen nach Angaben des Landes 1,1 Millionen Euro, f&#252;r 2027 1,66 Millionen Euro zur Verf&#252;gung. Zudem wurde die Finanzierung einer neuen LSBTIQ-spezifischen Beratungsstelle in der Oberpfalz genehmigt; damit soll k&#252;nftig in jedem bayerischen Regierungsbezirk ein entsprechendes Beratungsangebot bestehen. [QUELLE: Q8]</p><p>Das ver&#228;ndert die Erz&#228;hlung. Wenn auf einer Ebene gemeinsame Steuerung schw&#228;cher wird, k&#246;nnen andere Ebenen kompensieren. Ein Bundesland kann zus&#228;tzliche Mittel bereitstellen, eine Kommune eigene Schutzkonzepte entwickeln, eine Landesregierung neue Beratungsstellen f&#246;rdern, eine Beh&#246;rde Prozesse modernisieren, bevor der Bund sie vereinheitlicht.</p><p>Das ist zun&#228;chst positiv.</p><p>Aber es hat eine Nebenwirkung: Die praktische Qualit&#228;t eines bundesweit geltenden Rechts kann st&#228;rker vom Wohnort abh&#228;ngen.</p><p>Dasselbe Gesetz kann in zwei Regionen auf sehr unterschiedliche Infrastruktur treffen. In der einen gibt es spezialisierte Beratung, geschulte Ansprechpersonen und funktionierende Meldewege. In der anderen h&#228;ngt dieselbe Person an wenigen Ehrenamtlichen, an einer weit entfernten Beratungsstelle oder an einer einzelnen Praxis, die sich auskennt.</p><p>Dann entsteht kein einheitlicher R&#252;ckbau.</p><p>Es entsteht ein Flickenteppich aus Verbesserung, Stillstand und Verschlechterung.</p><p>F&#252;r Menschen, die darin leben m&#252;ssen, ist das keine abstrakte F&#246;deralismusdebatte. Es entscheidet dar&#252;ber, wie viele Kilometer sie fahren, wie oft sie ihre Situation erkl&#228;ren und wie wahrscheinlich es ist, dass eine Institution bereits wei&#223;, was zu tun ist.</p><p></p><h2>5. Bei Daten passiert ebenfalls nicht einfach &#8222;weniger&#8220;</h2><p></p><p>Ein zweites Gegenbeispiel kommt aus Nordrhein-Westfalen.</p><p>Im Juli ver&#246;ffentlichte die Melde- und Informationsstelle Queerfeindlichkeit NRW ihren ersten Jahresbericht. F&#252;r 2025 wurden 258 queerfeindliche Vorf&#228;lle ausgewertet, darunter nicht nur mutma&#223;lich strafbare Handlungen, sondern auch Vorf&#228;lle unterhalb der Strafbarkeitsgrenze. 76 Prozent der Meldungen kamen von Betroffenen selbst. Besonders auff&#228;llig: Nur 11 Prozent der Betroffenen und Zeug*innen gaben an, den Vorfall auch bei der Polizei angezeigt zu haben. [QUELLE: Q9]</p><p>Das zeigt zweierlei. Erstens verbessert eine solche Meldestelle die Sichtbarkeit, weil sie Erfahrungen erfasst, die in Polizeistatistiken gar nicht auftauchen w&#252;rden. Zweitens zeigt der geringe Anteil zus&#228;tzlicher Polizeianzeigen, wie gro&#223; die Differenz zwischen erlebter Queerfeindlichkeit und staatlich registrierter Kriminalit&#228;t sein kann.</p><p>Damit wird eine einfache Erz&#228;hlung vom schwindenden Monitoring zu grob. Dateninfrastruktur kann regional sogar wachsen. Das Problem ist erneut die Ungleichheit: W&#228;hrend eine Region zus&#228;tzliche Sensoren schafft, bleibt anderswo wom&#246;glich nur die Polizeistatistik &#8211; und die erfasst schon methodisch etwas anderes.</p><p>Politisch ist das bedeutsam. Wer nur eine Datenquelle betrachtet, kann ein Problem kleiner sehen, als es im Alltag erlebt wird. Wer mehrere Meldewege schafft, sieht wom&#246;glich mehr &#8211; nicht weil pl&#246;tzlich mehr passiert, sondern weil zuvor Unsichtbares sichtbar wird.</p><p></p><h2>6. Gewalt zeigt, warum Zeitreihen und Kausalit&#228;t sauber getrennt werden m&#252;ssen</h2><p></p><p>Die bundesweiten Zahlen zur politisch motivierten Kriminalit&#228;t f&#252;r 2025 wurden im Juni ver&#246;ffentlicht. Die Bundesregierung spricht von mehr Hasskriminalit&#228;t gegen queere Menschen; in der &#246;ffentlichen Darstellung der Polizeibeh&#246;rden werden f&#252;r 2025 insgesamt 2.377 Straftaten gegen LSBTIQ* genannt, 12,8 Prozent mehr als im Vorjahr. [QUELLE: Q10]</p><p>Diese Zahl ist wichtig, aber sie darf f&#252;r den Vergleich seit dem Fr&#252;hjahr nicht missbraucht werden. Sie beschreibt das Jahr 2025 und ist damit &#252;berwiegend &#228;lter als die Artikelserie von April und Mai 2026. Sie kann nicht als Beweis daf&#252;r dienen, dass sich die Lage seitdem wegen ver&#228;nderter politischer Infrastruktur verschlechtert habe. Das w&#228;re eine nachtr&#228;glich gebaute Kausalit&#228;t, die die Daten zeitlich nicht hergeben.</p><p>Was nach der Serie tats&#228;chlich neu geschah, war der islamistische Anschlag auf den Berliner CSD im Juli 2026. Ende August lud der Berliner Senat daraufhin zu einer Sondersitzung des Runden Tisches gegen Queerfeindlichkeit ein, an der Vertreter*innen von Bund, Land, Polizei und Community teilnahmen. Auf der Ma&#223;nahmenliste standen unter anderem eine bessere Erfassung von Hasskriminalit&#228;t, der Ausbau von Meldestellen, verl&#228;ssliche F&#246;rderung queerer Beratungsinfrastruktur, hauptamtliche LSBTIQ+-Ansprechpersonen bei Polizeibeh&#246;rden &#8211; und ausdr&#252;cklich die Fortf&#252;hrung und Weiterentwicklung des nationalen Aktionsplans &#8222;QueerLeben&#8220;. [QUELLE: Q11]</p><p>Hier passiert innerhalb weniger Wochen das Gegenteil von Fragmentierung: Ein &#228;u&#223;erer Schock bringt Akteure wieder enger zusammen. Bund, Land, Polizei und Zivilgesellschaft sitzen an einem Tisch, und eine Struktur, deren bundesweite Fortf&#252;hrung zuvor unklar war, taucht wieder als konkreter politischer Forderungspunkt auf.</p><p>Auch das geh&#246;rt zur Wirklichkeit. Institutionen bewegen sich nicht nur in eine Richtung. Sie reagieren auf Ereignisse, &#246;ffentlichen Druck, Haushalte, Personal, Wahlen, Gerichtsentscheidungen und Krisen.</p><p>Wer nur nach &#8222;Fortschritt&#8220; oder &#8222;R&#252;ckschritt&#8220; fragt, verliert genau diese Bewegung.</p><p></p><h2>7. Einige der alten Baustellen sind schlicht noch da</h2><p></p><p>W&#228;hrend sich bei F&#246;rderung, Daten und f&#246;deralen Strukturen sichtbar etwas bewegt, bleiben andere Probleme erstaunlich konstant.</p><p>Im Gesundheitsbereich ist die Rechts- und Versorgungslage f&#252;r geschlechtsangleichende beziehungsweise k&#246;rpermodifizierende Behandlungen weiterhin politisch umstritten. Im Juli forderten sowohl die Linksfraktion als auch die Gr&#252;nen einen ausdr&#252;cklichen gesetzlichen Anspruch im SGB V. Beide Antr&#228;ge verweisen auf Rechtsunsicherheit und Versorgungsprobleme, besonders auch f&#252;r nichtbin&#228;re Menschen. [QUELLE: Q12] [QUELLE: Q13]</p><p>Das ist kein Beweis daf&#252;r, dass die Versorgung seit April schlechter geworden w&#228;re. Es zeigt aber, dass die grundlegende Anschlussfrage weiterhin ungel&#246;st ist: Ein Personenstandsrecht kann geschlechtliche Vielfalt anerkennen, w&#228;hrend medizinische Zugangswege nach eigenen, teilweise bin&#228;ren oder unsicheren Regeln funktionieren.</p><p>F&#252;r die betroffene Person bedeutet diese Trennung keine juristische Theorie. Sie bedeutet Termine, Indikationen, Antr&#228;ge, Wartezeiten, m&#246;glicherweise Widerspr&#252;che &#8211; und die Erfahrung, dass die Anerkennung im einen System nicht automatisch dazu f&#252;hrt, dass das n&#228;chste vorbereitet ist.</p><p>&#196;hnlich sieht es im Abstammungsrecht aus.</p><p>Das Bundesjustizministerium weist selbst darauf hin, dass die geplante Reform des Abstammungsrechts nach dem vorzeitigen Ende der fr&#252;heren Regierungskoalition nicht weiterverfolgt wurde und Reformbedarf bestehen bleibt. Die bestehende Rechtslage bildet gleichgeschlechtliche Elternschaft weiterhin nicht automatisch so ab, wie es bei verschiedengeschlechtlichen Ehepaaren der Fall ist. [QUELLE: Q14]</p><p>Auch hier wird kein neu geschaffenes Recht wieder weggenommen. Verschiedene Rechtsbereiche modernisieren sich schlicht mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Ein Mensch kann in einem Register vollst&#228;ndig anerkannt sein und an einer anderen Stelle des Rechts weiterhin auf eine Struktur treffen, die f&#252;r eine &#228;ltere gesellschaftliche Ordnung gebaut wurde.</p><p></p><h2>8. Die eigentliche Entwicklung: mehr Abh&#228;ngigkeit vom Ort und von der Institution</h2><p></p><p>Vier Monate nach der urspr&#252;nglichen Serie bleibt deshalb nicht die Formel vom einfachen R&#252;ckbau als st&#228;rkster Befund &#252;brig.</p><p>Der Bund hat die gemeinsame queerpolitische Steuerung nicht einfach ausgeschaltet. Ma&#223;nahmen laufen in Ressorts weiter; eine sp&#228;tere erneute Abfrage wurde von der Queerbeauftragten angek&#252;ndigt. Gleichzeitig ist Verantwortung st&#228;rker verteilt, F&#246;rderstrukturen werden umgebaut, einzelne etablierte Tr&#228;ger verlieren Planungssicherheit, und offene Reformfragen bleiben liegen.</p><p>Auf Landesebene geschieht parallel zum Teil das Gegenteil: Bayern baut Beratung aus, Nordrhein-Westfalen erweitert die Erfassung queerfeindlicher Vorf&#228;lle, Berlin reagiert nach einem Anschlag mit neuer Koordination.</p><p>Das Resultat ist kein bundesweit synchroner Abbau.</p><p>Das Resultat ist zunehmende Asymmetrie.</p><p>Oder in Alltagssprache: Dasselbe Recht kann je nach Ort und Institution unterschiedlich viel praktische Unterst&#252;tzung haben.</p><p>Nicht im juristischen Sinn &#8211; ein Bundesgesetz gilt nicht weniger, nur weil jemand in einem anderen Landkreis wohnt. Aber in der Frage, wie leicht sich dieses Recht nutzen l&#228;sst, wie gut jemand beraten wird, wie schnell Fehler korrigiert werden, wie sicher eine Schule reagiert, wie kompetent eine Praxis ist, wie zuverl&#228;ssig ein Vorfall erfasst wird oder wie weit der Weg zur n&#228;chsten spezialisierten Stelle ist, kann der Unterschied sehr real werden.</p><p>F&#246;deralismus darf unterschiedliche Wege erlauben. Er wird dort problematisch, wo der Wohnort dar&#252;ber entscheidet, wie viel Eigenleistung erforderlich ist, um ein bundesweit garantiertes Recht praktisch nutzen zu k&#246;nnen.</p><p>Genau daran lassen sich die n&#228;chsten Monate messen.</p><p>Wenn ungef&#228;hr zwei Jahre nach dem Umsetzungsbericht von Dezember 2024 tats&#228;chlich eine neue Abfrage zum Aktionsplan &#8222;Queer leben&#8220; erfolgt, wird entscheidend sein, ob sie nur den Status einzelner Ma&#223;nahmen sammelt oder wieder ein gemeinsames politisches Lagebild erzeugt.</p><p>Beim Jugendnetzwerk Lambda wird zu beobachten sein, ob eine alternative F&#246;rderung die bisherige Rahmenvereinbarung funktional ersetzt &#8211; nicht nur nominell, sondern hinsichtlich Planungssicherheit, Personal und bundesweiter Arbeit. </p><p>Bei &#8222;Demokratie leben!&#8220; wird sich erst nach den F&#246;rderentscheidungen f&#252;r 2027 zeigen, welche Strukturen tats&#228;chlich fortbestehen, welche neu zugeschnitten werden und welche verschwinden.</p><p>Und bei den L&#228;ndern lohnt der Vergleich: Werden Beispiele wie Bayern und Nordrhein-Westfalen zu einem breiteren Trend &#8211; oder w&#228;chst die Spannweite zwischen Regionen weiter?</p><p>Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Welche Rechte haben queere Menschen?</p><p>Sondern: Wie viel institutionelle Arbeit m&#252;ssen sie selbst leisten, damit diese Rechte im Alltag tats&#228;chlich funktionieren?</p><p>Ein offener Rechtsabbau w&#228;re leichter zu erkennen. Man k&#246;nnte ein Gesetz nennen, eine Abstimmung, einen Paragraphen. Ungleiche Umsetzung liegt dagegen in F&#246;rderbescheiden, Softwarefeldern, Zust&#228;ndigkeiten, Haushaltsentw&#252;rfen, Beratungsstellen, Polizeiroutinen, medizinischen Verfahren und in der Frage, ob eine Person nach einem Vorfall &#252;berhaupt noch die Kraft hat, ihn irgendwo zu melden.</p><p>Das erzeugt selten die eine gro&#223;e Schlagzeile.</p><p>Es erzeugt viele kleine Unterschiede darin, wie anstrengend ein normales Leben sein darf.</p><p><strong>Queere Rechte bleiben in Deutschland nicht einfach stabil oder werden einfach zur&#252;ckgebaut, aber ihre Wirklichkeit wird ungleicher!</strong></p><div><hr></div><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/p/queere-rechte-gelten-aber-ihre-wirklichkeit/comments&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Einen Kommentar hinterlassen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/p/queere-rechte-gelten-aber-ihre-wirklichkeit/comments"><span>Einen Kommentar hinterlassen</span></a></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/p/queere-rechte-gelten-aber-ihre-wirklichkeit?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/p/queere-rechte-gelten-aber-ihre-wirklichkeit?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><div><hr></div><p></p><h4><strong>Quellenliste:</strong></h4><p><strong>Q1</strong> &#8211; Bundesregierung / Bundestag: Keine Abfrage zum Umsetzungsstand von &#8222;Queer leben&#8220;</p><p>Datum: 31.03.2026</p><p>https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1161200</p><p>Belegt: Eine erneute Abfrage der 134 Ma&#223;nahmen und Verstetigungen sei &#8222;derzeit nicht geplant&#8220;; Bearbeitung in Ressortzust&#228;ndigkeit, nach Schwerpunktsetzungen und Haushaltsm&#246;glichkeiten.</p><p>Epistemischer Status: FACT_VERIFIED / Prim&#228;rquelle parlamentarische Antwort.</p><div><hr></div><p><strong>Q2</strong> &#8211; Bundesregierung/Bundestag: Bericht zum Aktionsplan &#8222;Queer leben&#8220;</p><p>Datum: 19.12.2024</p><p>https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1034860</p><p>Zus&#228;tzlich aktuelle BMBFSFJ-&#220;bersicht:</p><p>https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/gleichstellung/sexuelle-und-geschlechtliche-vielfalt/gleichstellungspolitische-meilensteine-im-lsbtiq-bereich-73928</p><p>Belegt: Aktionsplan 134 Ma&#223;nahmen; 83 umgesetzt oder in Umsetzung; Prozess der 20. WP als planm&#228;&#223;ig abgeschlossen bezeichnet.</p><p>Status: FACT_VERIFIED.</p><div><hr></div><p><strong>Q3</strong> &#8211; Sophie Koch / sekund&#228;re Dokumentation queer.de</p><p>Datum: 27.03.2026</p><p>https://www.queer.de/detail.php?article_id=57371</p><p>Belegt: &#246;ffentliche Aussage, mit Ministerium sei eine erneute Abfrage ungef&#228;hr zwei Jahre nach letztem Bericht vereinbart.</p><p>Status: FACT_PROVISIONAL bis direkte Prim&#228;rver&#246;ffentlichung/Originalstatement gefunden; direkte w&#246;rtliche Aussage in etablierter Fachpresse dokumentiert.</p><p>Redaktion: Im Artikel als &#246;ffentliche Aussage Kochs formulieren, nicht als formalen Regierungsbeschluss.</p><div><hr></div><p><strong>Q4</strong> &#8211; Jugendnetzwerk Lambda / djo Offener Brief</p><p>Datum: 14.07.2026</p><p>https://djo.de/blog/2026/07/14/rahmenvereinbarung-des-jugendnetzwerk-lambda-e-v-vollstaendig-gestrichen-bundesweite-lsbtiq-jugendverbandsarbeit-vor-dem-aus/</p><p>Belegt: Lambda meldet K&#252;ndigung der Rahmenvereinbarung zum Jahresende, Gespr&#228;che &#252;ber alternative F&#246;rderung laufen.</p><p>Status: FACT_VERIFIED f&#252;r Eigenaussage des betroffenen Verbands; zuk&#252;nftige Folgen HYPOTHESIS/PROGNOSE.</p><p>Nicht schreiben: &#8222;Lambda schlie&#223;t sicher.&#8220;</p><div><hr></div><p><strong>Q5</strong> &#8211; SPD-Bundestagsfraktion zu Lambda</p><p>Datum: 30.07.2026</p><p>https://spdfraktion.de/presse/pressemitteilungen/lambda-verdient-unterstuetzung-nicht-unsicherheit</p><p>Belegt: politische Best&#228;tigung der K&#252;ndigung und Forderung nach R&#252;cknahme/tragf&#228;higer Perspektive.</p><p>Status: unabh&#228;ngige politische Best&#228;tigung der K&#252;ndigung; keine ministerielle Begr&#252;ndung.</p><div><hr></div><p><strong>Q6</strong> &#8211; &#8222;Demokratie leben!&#8220; Weiterentwicklung</p><p>Datum: 04.06.2026</p><p>https://www.demokratie-leben.de/dl/service/aktuelles/das-bundesprogramm-demokratie-leben-wird-weiterentwickelt-286854</p><p>Belegt: ab 2027 neue Struktur; Innovationsprojekte und bundeszentraler Infrastrukturbereich laufen 31.12.2026 aus; passende Projekte k&#246;nnen sich neu bewerben.</p><p>Status: FACT_VERIFIED / offizielle Programmseite.</p><div><hr></div><p><strong>Q7</strong> &#8211; Bundestag Haushalt 2027</p><p>Datum: 21.08.2026 (Parlamentsmeldung)</p><p>https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1205456</p><p>Belegt: rund 167,4 Mio. Euro f&#252;r &#8222;Demokratie leben!&#8220;; Ma&#223;nahmen Demokratiebildung/Extremismuspr&#228;vention ca. 170,1 Mio. gegen&#252;ber 204,5 Mio. 2026.</p><p>Status: FACT_VERIFIED f&#252;r Haushaltsentwurf, nicht endg&#252;ltiger Haushaltsbeschluss.</p><p>Immer &#8222;Haushaltsentwurf/Ansatz&#8220; schreiben.</p><div><hr></div><p><strong>Q8</strong> &#8211; Bayern Aktionsplan QUEER</p><p>Datum: 16.06.2026</p><p>https://www.bayern.de/bericht-aus-der-kabinettssitzung-vom-16-juni-2026/</p><p>Belegt: 1,1 Mio. 2026; 1,66 Mio. 2027; neue Beratungsstelle Oberpfalz; k&#252;nftig LSBTIQ-spezifisches Beratungsangebot in jedem Regierungsbezirk.</p><p>Status: FACT_VERIFIED / Landesregierung.</p><div><hr></div><p><strong>Q9</strong> &#8211; MIQ NRW Jahresbericht</p><p>Datum: Juli 2026</p><p>https://queeres-netzwerk.nrw/jahresbericht-miq-nrw-lagebild-queerfeindlichkeit-nrw-2025/</p><p>Belegt: 258 Vorf&#228;lle 2025, 76% durch Betroffene, 11% der Betroffenen/Zeug*innen meldeten bei Polizei, Erfassung umfasst auch Vorf&#228;lle unterhalb Strafbarkeitsgrenze.</p><p>Status: FACT_VERIFIED f&#252;r Bericht der Meldestelle.</p><p>Wichtig: MIQ-Daten &#8800; Polizeiliche Kriminalstatistik; nicht direkt addieren/vergleichen.</p><div><hr></div><p><strong>Q10</strong> &#8211; PMK 2025</p><p>Bundesregierung &#220;bersichtsseite:</p><p>https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/politisch-motivierte-kriminalitaet-2025-2438542</p><p>Publikation Hasskriminalit&#228;t:</p><p>https://www.publikationen-bundesregierung.de/pp-de/publikationssuche/hasskriminalitaet-2438470</p><p>&#214;ffentliche Polizeidarstellung mit Zahl 2.377 / +12,8%:</p><p>https://de.linkedin.com/posts/polizeipr%C3%A4sidium-m%C3%BCnster_csdm%C3%BCnster-csd2026-polizeim%C3%BCnster-activity-7493980581446270977-k2dy</p><p>Status: Bundestrend FACT_VERIFIED; konkrete Zahl 2.377 aus Polizeidarstellung und BMI/BKA-Datensatz vor Ver&#246;ffentlichung nochmals im Original-PDF gegenpr&#252;fen.</p><p>Wichtig: Datenjahr 2025; NICHT als Entwicklung seit April 2026 darstellen.</p><div><hr></div><p><strong>Q11</strong> &#8211; Berlin nach CSD-Anschlag</p><p>Datum: 26.08.2026</p><p>https://www.berlin.de/sen/asgiva/presse/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1707319.php</p><p>Belegt: Sondersitzung nach islamistischem Anschlag auf Berliner CSD im Juli 2026; Bund/Land/Polizei/Community; Ma&#223;nahmenliste u.a. bessere Erfassung, Meldestellen, Beratungsf&#246;rderung, Polizeiansprechpersonen, Fortf&#252;hrung/Weiterentwicklung Nationaler Aktionsplan QueerLeben.</p><p>Status: FACT_VERIFIED / Senatsverwaltung.</p><div><hr></div><p><strong>Q12</strong> &#8211; Linke Antrag Gesundheit</p><p>Datum: 17.07.2026</p><p>https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1195164</p><p>Belegt: Forderung nach Aufnahme k&#246;rpermodifizierender Behandlungen f&#252;r trans und nichtbin&#228;re Versicherte in GKV-Leistungskatalog; verweist auf Rechtsunsicherheit/regionale Unterschiede.</p><p>Status: FACT_VERIFIED als parlamentarische Forderung, NICHT als geltendes Recht.</p><div><hr></div><p><strong>Q13</strong> &#8211; Gr&#252;ne Antrag Gesundheit</p><p>Datum: 31.07.2026</p><p>https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1201380</p><p>Belegt: Forderung eigenst&#228;ndiger gesetzlicher Anspruch, Bezug auf Versorgungsunsicherheit nach BSG 2023.</p><p>Status: FACT_VERIFIED als parlamentarische Forderung.</p><div><hr></div><p><strong>Q14</strong> &#8211; BMJV Abstammungsrecht</p><p>https://www.bmj.de/DE/themen/gesellschaft_familie/kinder/abstammungsrecht/abstammungsrecht.html</p><p>Belegt: bisher keine automatische gemeinsame Elternschaft gleichgeschlechtlicher Paare; fr&#252;here Reformvorhaben nach vorzeitigem Ende der Koalition nicht weiterverfolgt; Reformbedarf besteht.</p><p>Status: FACT_VERIFIED / Ministeriumsseite. Vor Ver&#246;ffentlichung pr&#252;fen, ob bis 29.08.2026 neueres Verfahren gestartet wurde.</p><div><hr></div><p><strong>Q15</strong> &#8211; SBGG aktueller Status / Evaluation</p><p>https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/gleichstellung/sexuelle-und-geschlechtliche-vielfalt/gleichstellungspolitische-meilensteine-im-lsbtiq-bereich-73928</p><p>https://www.bmj.de/DE/themen/gesellschaft_familie/selbstbestimmung/selbstbestimmung_node.html</p><p>Belegt: SBGG in Kraft; Evaluation laut BMBFSFJ in Vorbereitung.</p><p>Status: FACT_VERIFIED.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Nonbinär, neurospicy und Einsamkeit]]></title><description><![CDATA[Queere Dating-Apps&Communities ohne Fokus auf Sex, gibt's sowas?]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/nonbinar-neurospicy-und-einsamkeit</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/nonbinar-neurospicy-und-einsamkeit</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Tue, 11 Aug 2026 12:23:41 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!S_Vm!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F1f0c9690-134c-4e99-a59d-6c09d6406401_1536x1024.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!S_Vm!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F1f0c9690-134c-4e99-a59d-6c09d6406401_1536x1024.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!S_Vm!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F1f0c9690-134c-4e99-a59d-6c09d6406401_1536x1024.png 424w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" 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Es ist unser gemeinsames Universum rund um Adi&#8217;ra, mein AlterEgo wenn Ike Aaren nicht weiblich genug klingt.</p><p>Seien wir mal ehrlich, gibt es in der n&#246;rdlichen Erdhalbkugel westlich von Asien Vornamen die nicht bin&#228;r sind? So lange wie es monotheistische Religionen gibt, gibt es keine echten Vornamen die nicht entweder m&#228;nnlich oder weiblich sind. Kunst-Vornamen gibt es ja und Kurzformen wie Alex und &#228;hnliche, die Alexander oder Alexia oder so Alexandra in Langform waren. Aber gucken wir in die letzten ca. 5000 Jahre in die Vergangenheit, gab es stets nur k&#252;nstlich Mann und Frau.</p><p>Also bediene ich mich nichtamtlich dem dritten Vornamen oder Pseudonym Adira, bzw. Adi&#8217;ra.</p><div><hr></div><p>Wie bekannt, bin ich neurospicy im AuDHS Spektrum und klar nonbin&#228;r. Suchst du nach &#8220;Nonbin&#228;r&#8221; in SubStack, findest du mich sehr leicht.</p><p>Ich bin verheiratet und lebe mit meinem Lieblingsmensch seit M&#228;rz 2006, also &#252;ber 20 Jahre inzwischen zusammen. Unsere Liebe kann nichts trennen, da wir durch so viel Schei&#223;e schon gemeinsam gegangen sind und Katastrophen gemeinsam erfolgreich &#252;berlebt haben.  Aber jede von uns hat ihr eigenes Leben, wir sind keine siamesische Zwillinge. Jede von uns hat eigene Hobbys und Spezialinteressen, die sich zwar &#228;hneln, aber nicht gleichen - wir m&#252;ssen nicht jede Sekunde gemeinsam verbringen. Wir versuchen uns selbst so viel Selbstbestimmung zu bewahren und auszuleben wie es in unserer Welt auf der Erde 2026 m&#246;glich ist.</p><p>Weil wir beide neurospicy sind, hat es auch so gut und lange gemeinsam funktioniert. Aber das erzeugt auch leider in gewisser Weise eine Einsamkeit, abseits unserer kleinsten Gemeinschaft. Wir haben beide ziemlich wenige Freunde und keine dieser jeweils und teils gemeinsame Freunde k&#246;nnen wir jederzeit spontan anrufen oder anschreiben zum Reden und oder Treffen. </p><p>Ich bin von uns zweien weniger sesshaft. Ich habe meine Basis hier wo meine Frau lebt, aber mein Zuhause ist wo sie ist. Ich muss nur nicht durchgehend zuhause sein. Daf&#252;r bin ich, etwas abh&#228;ngig vom Spritpreis, mobil. Um mal eben weiter weg wohin fahren zu k&#246;nnen, bin ich wie eine Schildkr&#246;te, ich habe meine mobile Behausung dann immer bei mir.  Ich bin nicht auf ein Hotel oder Couch angewiesen, nur ein Parkplatz der ruhig genug ist und es nicht gleich negativ auff&#228;llt wenn ich f&#252;r die Nacht mein Dachzelt aufklappe. Dank Starlink kann ich &#252;berall arbeiten wo ich genug Strom hab, Landanschlu&#223; oder genug Sonne f&#252;r meine Fotovoltaik-Panele.</p><p>Aber ohne auf der Suche nach Sex-Dates, wo und wie sind denn andere queere Transpersonen zu finden? Welche Apps dienen nicht nur f&#252;r CIS-Sex-Dates?</p><p>Wann immer ich so auf Campingpl&#228;tzen bin, sind da Familien mit kleinen Kinder oder Senioren weit &#228;lter als 60. Selten sind da Digitalnomaden wie ich zu treffen.<br>Auch ChatGPT und Gemini sind nicht sooo hilfreich was solche Dating-Apps und Communities angeht, welche f&#252;r Queere Menschen besser geeignet sind.</p><p>&#220;ber Tipps bin ich sehr sehr dankbar!</p><p> </p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/p/nonbinar-neurospicy-und-einsamkeit/comments&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Einen Kommentar hinterlassen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/p/nonbinar-neurospicy-und-einsamkeit/comments"><span>Einen Kommentar hinterlassen</span></a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[War die Hamburger Polizei beim CSD mit IFAK gerüstet?]]></title><description><![CDATA[Eine zerbrechende Glasflasche, ein Mensch in Flipflops &#8211; und die Frage, wer in den ersten Minuten tats&#228;chlich helfen k&#246;nnte]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/war-die-hamburger-polizei-beim-csd</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/war-die-hamburger-polizei-beim-csd</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Sat, 01 Aug 2026 16:34:35 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!7UWo!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F561d0394-6c71-40c6-b19b-5e6d70f508f3_1536x1024.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!7UWo!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F561d0394-6c71-40c6-b19b-5e6d70f508f3_1536x1024.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p><sup><span>KI-generiertes Symbobild</span></sup></p><p><span>Das Klirren lie&#223; mich stoppen.</span></p><p><span>Ich war bereits einige Schritte weitergegangen, drehte mich aber noch einmal um. Hinter mir war eine Glasflasche auf die Gehwegplatten gefallen und zerbrochen. Zwischen den F&#252;&#223;en der Menschen lagen scharfkantige Splitter. Der Demonstrationszug bewegte sich weiter, dicht und laut, begleitet von Musik, Gespr&#228;chen und immer neuen Eindr&#252;cken.</span></p><p><span>Jemand lief in Flipflops oder sowas durch die Scherben.</span></p><p><span>Ich beobachtete kurz, ob die Person stolperte, zusammenzuckte, stehen blieb oder eine Verletzung zeigte. Nichts davon war zu erkennen. Kein Hilferuf, kein pl&#246;tzliches Hinken, kein sichtbares Blut. Also ging ich weiter.</span></p><p><span>Ich war nicht f&#252;r kleine Verletzungen ausger&#252;stet. Keine Pflastersammlung, keine Blasenversorgung, kein mobiles Erste-Hilfe-Zelt am G&#252;rtel. Mein IFAK war f&#252;r andere Situationen gepackt: f&#252;r Verletzungen, bei denen es nicht um ein Pflaster geht, sondern um Kompression, Wundversorgung und die Kontrolle einer m&#246;glicherweise lebensbedrohlichen Blutung.</span></p><p><span>Doch das Ger&#228;usch der zerbrechenden Flasche blieb in meinem Kopf.</span></p><p><span>Nicht wegen dessen, was passiert war, sondern wegen dessen, was wenige Sekunden sp&#228;ter h&#228;tte passieren k&#246;nnen.</span></p><p></p><p><strong><span>Was w&#228;re hinter mir geschehen?</span></strong></p><p><span>Was, wenn jemand mit offenem Schuhwerk auf einen aufrecht stehenden Flaschenboden getreten w&#228;re?</span></p><p><span>Was, wenn eine scharfe Kante tief in Fu&#223; oder Kn&#246;chel geschnitten h&#228;tte?</span></p><p><span>Was, wenn die Person erschrocken gest&#252;rzt und mit Hand oder Unterarm in den Scherben gelandet w&#228;re?</span></p><p><span>Eine solche Verletzung muss nicht lebensbedrohlich sein. Meist w&#228;re sie es vermutlich nicht. Aber eine tiefere Schnittverletzung kann stark bluten. In einer dicht gedr&#228;ngten Menschenmenge, zwischen Musik, Bewegung und herumliegenden Gegenst&#228;nden, kann eine verletzte Person au&#223;erdem schnell &#252;bersehen werden.</span></p><p><span>Ich hatte mich umgedreht, weil mein Blick nach dem Klirren automatisch nach einer m&#246;glichen Verletzung suchte.</span></p><p><span>Und dann begann mein Kopf, weitere Muster zu pr&#252;fen.</span></p><p></p><p><strong><span>Viele Polizeikr&#228;fte &#8211; deutlich weniger sichtbare Sanit&#228;ter:innen</span></strong></p><p><span>Ich begleitete den Hamburger CSD-Demonstrationszug rund vier Stunden lang.</span></p><p><span>Die Polizei war stark sichtbar. An vielen Stellen nahm ich mehr Polizeikr&#228;fte als Sanit&#228;ter:innen wahr. Das war angesichts der Sicherheitslage nachvollziehbar. Polizeiliche Pr&#228;senz kann Gefahren abschrecken, R&#228;ume sichern, Verkehrswege freihalten und bei einem Angriff unmittelbar reagieren.</span></p><p><span>Aber Sicherheit endet nicht mit der Abwehr einer Gefahr.</span></p><p><span>Wenn ein Mensch bereits verletzt ist, beginnt eine andere Zeitrechnung.</span></p><p><span>Dann geht es nicht mehr nur darum, wie schnell Rettungsdienst oder Sanit&#228;tskr&#228;fte alarmiert werden. Es geht darum, wer bereits in unmittelbarer N&#228;he steht &#8211; und welches Material diese Person innerhalb weniger Sekunden tats&#228;chlich zur Verf&#252;gung hat.</span></p><p></p><p><span>W&#228;hrend ich die Polizeikr&#228;fte im Zug und am Rand beobachtete, fiel mir etwas auf:</span></p><h3><strong><span>An keiner der von mir gesehenen Uniformen war ein pers&#246;nliches IFAK erkennbar.</span></strong></h3><p><span>Ich sah keine eindeutig als IFAK oder MED gekennzeichnete Tasche. Keine sichtbare Rip-off-Pouch. Keine kontrastreiche medizinische Zuglasche. Kein au&#223;en getragenes Tourniquet, das ich aus einigen Metern Entfernung als solches h&#228;tte identifizieren k&#246;nnen. </span>Oder war die Ausr&#252;stung da und ich war blind?</p><p><span>Vielleicht befand sich medizinisches Material in Bein- oder Westentaschen.</span></p><p><span>Vielleicht lagen Tourniquets in Einsatzfahrzeugen.</span></p><p><span>Vielleicht waren einzelne Kr&#228;fte speziell ausger&#252;stet, ohne dass ich ihnen begegnete.</span></p><p><span>Das kann ich anhand meiner Beobachtung nicht ausschlie&#223;en.</span></p><p><span>Was ich aber sagen kann:</span></p><p><strong><span>Keine der vielen von mir beobachteten Polizeikr&#228;fte war f&#252;r mich aus kurzer Entfernung eindeutig als unmittelbar verf&#252;gbare Quelle f&#252;r Traumamaterial erkennbar.</span></strong></p><p><strong><span>Warum &#8222;irgendwo in der Weste&#8220; nicht gen&#252;gt</span></strong></p><p><em><strong><span>Ein IFAK &#8211; ein Individual First Aid Kit</span></strong></em><span> &#8211; ist keine gew&#246;hnliche Verbandtasche f&#252;r kleine Alltagsverletzungen.</span></p><p><span>Es enth&#228;lt, abh&#228;ngig von Ausbildung und Einsatzprofil, Material f&#252;r die unmittelbare Versorgung schwerer Verletzungen. Dazu k&#246;nnen Handschuhe, komprimierte oder h&#228;mostatische Gaze, Druckverband, Tourniquet, Rettungsdecke und weiteres ausbildungsabh&#228;ngiges Material geh&#246;ren.</span></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!xypq!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fc3b7be66-a9df-44d3-ace7-b25c1768dbaf_852x1071.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!xypq!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fc3b7be66-a9df-44d3-ace7-b25c1768dbaf_852x1071.jpeg 424w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p><span>Das Entscheidende ist jedoch nicht allein der Inhalt.</span></p><p><strong><span>Ein IFAK muss:</span></strong></p><ul><li><p><strong><span>schnell erreichbar sein,</span></strong></p></li><li><p><strong><span>mit m&#246;glichst wenigen Handgriffen ge&#246;ffnet werden k&#246;nnen,</span></strong></p></li><li><p><strong><span>auch durch eine andere Person auffindbar sein,</span></strong></p></li><li><p><strong><span>und aus kurzer Entfernung eindeutig als medizinische Ressource erkennbar sein.</span></strong></p></li></ul><p><span>Ein </span><strong><span>Tourniquet</span></strong><span> und mehrere Paar Handschuhe k&#246;nnen sinnvoll in einer fest definierten Beintasche liegen. Dort w&#228;ren sie schnell erreichbar, solange sie nicht unter anderem Material vergraben sind.</span></p><p><span>Ein vollst&#228;ndiges </span><strong><span>IFAK</span></strong><span> kann als flache Tasche unter dem unteren Rand einer Schutzweste getragen werden. Eine solche Position kann gesch&#252;tzt, zentral und von beiden H&#228;nden erreichbar sein.</span></p><p><span>Aber sobald dieses </span><strong><span>IFAK</span></strong><span> verdeckt getragen wird, muss seine Position von au&#223;en gekennzeichnet sein.</span></p><p><span>Denn </span><strong><span>Sanit&#228;ter:innen</span></strong><span>, </span><strong><span>Feuerwehrkr&#228;fte</span></strong><span> oder zuf&#228;llig anwesende </span><strong><span>TECC-Provider</span></strong><span> kennen nicht jedes polizeiliche Tragesystem. Sie k&#246;nnen eine verletzte Einsatzkraft nicht erst nach verborgenem Material absuchen.</span></p><p><span>Ein verdecktes </span><strong><span>IFAK</span></strong><span> ohne Markierung ist vielleicht vorhanden.</span></p><p><span>Aber f&#252;r fremde Helfende ist es zun&#228;chst unsichtbar.</span></p><p><strong><span>Ich muss es aus zwei Metern Entfernung erkennen k&#246;nnen</span></strong></p><p><span>Diese Forderung mag auf den ersten Blick &#252;bertrieben wirken.</span></p><p><span>In einer realen Lage ist sie ausgesprochen praktisch.</span></p><p><span>Angenommen, ich knie bei einem verletzten Menschen. Meine H&#228;nde &#252;ben direkten Druck auf eine stark blutende Wunde aus. Um mich herum bewegen sich Menschen. Es ist laut. Vielleicht ist die Lage noch nicht vollst&#228;ndig sicher.</span></p><p><span>Zwei Meter entfernt steht eine Polizeikraft.</span></p><p><span>Dann muss ich entscheiden k&#246;nnen, ob ich gezielt rufe:</span></p><p><em><strong><span>&#8222;Sie mit dem IFAK &#8211; Tourniquet und Handschuhe zu mir!&#8220;</span></strong></em></p><p><span>Ich kann das Opfer nicht verlassen, zur Uniform laufen und fragen, ob sich vielleicht irgendwo unter der Weste medizinisches Material befindet.</span></p><p><span>Ich kann auch nicht jede Polizeikraft probeweise aus ihrer Sicherungsaufgabe l&#246;sen.</span></p><p><span>Was ich nicht erkennen kann, kann ich in dieser Situation nicht einplanen.</span></p><p><span>Eine sichtbare IFAK-Kennzeichnung ist deshalb keine taktische Dekoration. Sie vermittelt eine konkrete Information:</span></p><p><strong><span>Hier ist medizinisches Material. Diese Person kann es bringen. Im Fall ihrer eigenen Verletzung kann es an ihr gefunden werden.</span></strong></p><p></p><p><strong><span>Mein eigenes IFAK war sichtbar</span></strong></p><p><span>Mein IFAK trug ich links au&#223;en am G&#252;rtel. Siehe Titelbild.</span></p><p><span>Die Tasche war klar gekennzeichnet. Sie war als eigenst&#228;ndige Pouch erkennbar und befand sich nicht verborgen unter meiner Kleidung. Wer mich aus kurzer Entfernung sah, konnte erkennen, dass dort medizinisches Material getragen wurde.</span></p><p><span>Niemand h&#228;tte zuerst fragen m&#252;ssen.</span></p><p><span>Niemand h&#228;tte mich abtasten oder verschiedene Taschen &#246;ffnen m&#252;ssen.</span></p><p><span>Und im Fall meiner eigenen Verletzung w&#228;re die Position ebenfalls eindeutig gewesen.</span></p><p><span>Die Tasche war als Rip-off-Pouch ausgef&#252;hrt. Das bedeutet: Die Tr&#228;gerplatte bleibt am G&#252;rtel, w&#228;hrend die eigentliche Tasche mit einem Griff abgenommen und direkt zur verletzten Person gebracht werden kann.</span></p><p><span>Das ist besonders dann sinnvoll, wenn mehrere Menschen zusammenarbeiten:</span></p><p><span>Eine Person &#252;bt Druck auf die Wunde aus.</span></p><p><span>Eine zweite nimmt das IFAK ab und &#246;ffnet es.</span></p><p><span>Eine dritte alarmiert den Rettungsdienst oder weist Sanit&#228;tskr&#228;fte ein.</span></p><p><span>Das Material bleibt nicht am K&#246;rper der Person gebunden, die es urspr&#252;nglich getragen hat. Es wird Teil einer kleinen, spontan entstehenden Versorgungskette.</span></p><p></p><p><strong><span>War ich tats&#228;chlich der einzige ausger&#252;stete Mensch?</span></strong></p><p><span>Das wei&#223; ich nicht.</span></p><p><span>In der Menge k&#246;nnen weitere Besucher:innen medizinisches Material getragen haben. Polizeikr&#228;fte k&#246;nnten Tourniquets oder Handschuhe verdeckt mitgef&#252;hrt haben. Sanit&#228;tsteams befanden sich sicherlich entlang der Strecke und an festgelegten Punkten.</span></p><p><span>Aber w&#228;hrend gro&#223;er Teile meines Weges war mein eigenes IFAK die einzige von mir erkennbare und unmittelbar greifbare Trauma-Ausr&#252;stung.</span></p><p><span>Das ist ein Unterschied.</span></p><p><span>Ich behaupte nicht:</span></p><p><span>Ich war der einzige Mensch mit medizinischem Material.</span></p><p><span>Ich frage:</span></p><p><strong><span>War ich m&#246;glicherweise der einzige Mensch in meiner unmittelbaren Umgebung, dessen Traumamaterial in einer kritischen Situation sofort erkannt, angefordert und genutzt worden w&#228;re?</span></strong></p><p><span>Die herunterfallende Glasflasche war keine Katastrophe.</span></p><p><span>Niemand schien sich verletzt zu haben.</span></p><p><span>Doch sie zeigte mir, wie schnell aus einem beil&#228;ufigen Ger&#228;usch eine Versorgungslage h&#228;tte werden k&#246;nnen &#8211; nicht erst durch einen gezielten Angriff, sondern durch ein gew&#246;hnliches Missgeschick mitten in einer Gro&#223;veranstaltung.</span></p><p><span>Und sie f&#252;hrte zu einer gr&#246;&#223;eren Frage:</span></p><p><strong><span>Worauf ist ein Sicherheitskonzept eigentlich vorbereitet?</span></strong></p><p><span>Ein Sicherheitskonzept kann sehr viele Polizeikr&#228;fte vorsehen.</span></p><p><span>Es kann Sanit&#228;tsstationen, Rettungswege, Fahrzeuge und Meldeketten einplanen.</span></p><p><span>All das ist notwendig.</span></p><p><span>Doch zwischen dem Moment einer Verletzung und dem Eintreffen einer medizinisch ausger&#252;steten Kraft bleibt immer eine L&#252;cke.</span></p><p><span>Bei einer kleinen Schnittwunde ist diese L&#252;cke meist unproblematisch.</span></p><p><span>Bei einer massiven Blutung kann sie entscheidend sein.</span></p><p><span>Deshalb reicht es nicht, dass irgendwo ein Sanit&#228;tsrucksack steht oder ein Tourniquet in einem Fahrzeug liegt.</span></p><p><span>Material muss dort sein, wo die ersten Menschen bereits stehen.</span></p><p><span>Und es muss erkennbar sein.</span></p><p><strong><span>Meine Fragen an die Polizei Hamburg</span></strong></p><p><span>Aus meiner Beobachtung ergeben sich deshalb konkrete Fragen:</span></p><ol><li><p><span>Trugen die beim Hamburger CSD eingesetzten Polizeikr&#228;fte pers&#246;nlich Tourniquets und Einmalhandschuhe?</span></p></li><li><p><span>Waren einzelne oder alle Kr&#228;fte mit einem vollst&#228;ndigen IFAK ausgestattet?</span></p></li><li><p><span>Falls IFAKs verdeckt unter Einsatz- oder Schutzwesten getragen wurden: War ihre Position von au&#223;en gekennzeichnet?</span></p></li><li><p><span>Gibt es bei der Polizei Hamburg eine standardisierte Trageposition f&#252;r pers&#246;nliches Traumamaterial?</span></p></li><li><p><span>K&#246;nnen Sanit&#228;ter:innen und externe TECC-Provider diese Position im Notfall zuverl&#228;ssig erkennen?</span></p></li><li><p><span>Befand sich die medizinische Ausr&#252;stung haupts&#228;chlich am K&#246;rper der Kr&#228;fte, in Fahrzeugen oder bei speziell eingeteilten Einheiten?</span></p></li><li><p><span>Werden Polizeikr&#228;fte regelm&#228;&#223;ig praktisch in der Kontrolle massiver Blutungen trainiert?</span></p></li><li><p><span>Warum war an keiner der von mir beobachteten Uniformen eine entsprechende Ausstattung aus wenigen Metern Entfernung erkennbar?</span></p></li></ol><p><span>Diese Fragen richten sich nicht gegen die einzelnen Beamt:innen.</span></p><p><span>Sie tragen, was ihnen ausgegeben oder vorgeschrieben wird.</span></p><p><span>Die Frage richtet sich an das System dahinter.</span></p><p></p><p><strong><span>Vorhanden ist nicht dasselbe wie verf&#252;gbar</span></strong></p><p><span>Die Glasflasche zerbrach.</span></p><p><span>Ich blieb stehen, drehte mich um und suchte nach einer Verletzung.</span></p><p><span>Es war offenbar nichts geschehen.</span></p><p><span>Also ging ich weiter.</span></p><p><span>Doch h&#228;tte wenige Sekunden sp&#228;ter jemand in den Scherben gelegen, w&#228;re nicht entscheidend gewesen, wie viele Rettungswagen irgendwo in Hamburg bereitstanden.</span></p><p><span>Entscheidend w&#228;re zun&#228;chst gewesen:</span></p><p><span>Wer ist bereits hier?</span></p><p><span>Wer erkennt die Verletzung?</span></p><p><span>Wer hat Handschuhe?</span></p><p><span>Wer hat Verbandmaterial?</span></p><p><span>Wer hat ein Tourniquet?</span></p><p><span>Und wer ist aus zwei Metern Entfernung &#252;berhaupt als entsprechend ausger&#252;stet erkennbar?</span></p><p><strong><span>Zwischen &#8222;irgendwo vorhanden&#8220; und &#8222;jetzt verf&#252;gbar&#8220; liegen manchmal nur wenige Meter. Bei einer schweren Blutung k&#246;nnen genau diese Meter zu viel sein.</span></strong></p><div><hr></div><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!9gRg!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9488527c-8c4e-4050-824c-f5c010e4a571_1491x1055.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!9gRg!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9488527c-8c4e-4050-824c-f5c010e4a571_1491x1055.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!9gRg!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F9488527c-8c4e-4050-824c-f5c010e4a571_1491x1055.png 848w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" 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data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/p/war-die-hamburger-polizei-beim-csd?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/p/war-die-hamburger-polizei-beim-csd?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ike dey MustersammlerIn stellt sich vor]]></title><description><![CDATA[Hier in diesem Video auf meinem YouTube Kanal stelle ich mich Dir n&#228;her vor:]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/ike-dey-mustersammlerin-stellt-sich</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/ike-dey-mustersammlerin-stellt-sich</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Fri, 31 Jul 2026 13:14:09 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!jaBC!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fe68e04cd-773a-46cb-9e65-92e00b133ca8_1491x1055.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Hier in diesem Video auf meinem YouTube Kanal stelle ich mich Dir n&#228;her vor:</p><p></p><p><a href="https://youtube.com/shorts/WlgzgJJTJYI?is=Fl-dlyjb3vVateks">Ike dey MustersammlerIn</a></p><p></p><div><hr></div><p></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!jaBC!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fe68e04cd-773a-46cb-9e65-92e00b133ca8_1491x1055.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!jaBC!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fe68e04cd-773a-46cb-9e65-92e00b133ca8_1491x1055.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!jaBC!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fe68e04cd-773a-46cb-9e65-92e00b133ca8_1491x1055.png 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!jaBC!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fe68e04cd-773a-46cb-9e65-92e00b133ca8_1491x1055.png 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" 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entfernt.]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/seit-13-jahren-begleitete-mich-schnurren</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/seit-13-jahren-begleitete-mich-schnurren</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Thu, 30 Jul 2026 11:21:19 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!LQ3l!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0372e037-eca6-450e-9897-1f9ad30edcf2_1536x1024.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p></p><p></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!LQ3l!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0372e037-eca6-450e-9897-1f9ad30edcf2_1536x1024.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!LQ3l!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0372e037-eca6-450e-9897-1f9ad30edcf2_1536x1024.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!LQ3l!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0372e037-eca6-450e-9897-1f9ad30edcf2_1536x1024.png 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!LQ3l!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0372e037-eca6-450e-9897-1f9ad30edcf2_1536x1024.png 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!LQ3l!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F0372e037-eca6-450e-9897-1f9ad30edcf2_1536x1024.png 1456w" sizes="100vw"><img 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p>&#8230;es klingelt entfernt.</p><p></p><p>Es klingelt erneut! Diesmal h&#246;re ich es lauter. </p><p></p><p>Langsam &#246;ffne ich meine Augen. Ich sehe erst noch unscharf eine schnelle Bewegung &#252;ber mir, die einen Luftwirbel &#252;ber meinen hei&#223;en K&#246;rper fahren l&#228;sst. Der Deckenventilator! </p><p>Ich blinzle auf die Armbanduhr, sie zeigt mir 9 Uhr 12 an.</p><p>Dann h&#246;re ich leises Klingeln bei anderen Hausbewohnenden. &#8218;Hmm ok&#8216;, denke ich, &#8218;mal wieder hat jemand was bestellt und ist nicht zuhause. Kommt hier vor.&#8216;</p><p>Dann klingelt es fast w&#252;tend kurz erneut bei mir an der T&#252;r. &#8218;Oh, dann war es doch hier f&#252;r mich bestimmt?&#8216; </p><p>Fast zitternd ziehe ich mein iphone von der Ladestation und &#246;ffne Amazon. War da nicht eine Bestellung von meiner Liebsten? Ich bin aber nicht wach genug um zur T&#252;r zu st&#252;rzen!</p><p>Da, da in der Liste der Bestellungen sehe ich es! &#8222;Versuchte Zustellung um 09:12 Uhr. Wir versuchen es sp&#228;ter noch einmal.&#8220;</p><p>&#8218;Na sch&#246;n! Wozu gibt es in der N&#228;he einen Amazon Locker!?&#8216;, frage ich in Gedanken. </p><p>Dann schlurfe ich schlaftrunken zum Badezimmer. Leere begegnet mir. Es fehlt was. </p><p>Ich schlurfe weiter in die K&#252;che um mir einen Kaffee zu machen. Wieder Leere begegnet mir!</p><p>Kein Mauzen, keine kleine Fellgestalt, die erwartungsvoll vor dem Fressnapf sitzt. Da ist kein Fressnapf mehr. Wie auch im Bad kein Katzenklo mehr ist. Nur das beklemmende erdr&#252;ckende Gef&#252;hl der Einsamkeit wabert wie schwerer Nebel durch die R&#228;ume!</p><p>Mein Darm meldet meiner K&#246;rpersensorik, dass ein eiliger Gang aufs Klo gerade nicht die schlechteste Idee sei. Da sitze ich, iPhone in der Hand. Und um die ohrenbet&#228;ubende Stille mit mehr als meinem Herzklopfen zu f&#252;llen &#246;ffne ich TikTok. Die ersten Clips sind noch ok. Dann aber kommt eine mir bekannte Gestalt aus der Metal-Musik-Szene auf das Display und f&#228;ngt an zu singen. Nur Gesang, erst noch ohne instrumentaler Begleitung. Da erkenne ich es: Amazing Grace Metal!</p><p>Es zerrei&#223;t mich!</p><p></p><p>Seit 2013, kurz nach Beginn meiner Lymphdr&#252;senkrebs-Chemo, haben mich die beiden Kater Spock und Kirk begleitet. Beide waren damals nur wenige Jahre alt. Spock musste ich 2025 gehen lassen, diese Woche Dienstag dann Kirk. Ausgerechnet beide an Krebs.</p><p></p><p>Mir ergie&#223;t sich ungehindert pl&#246;tzlich eine Tr&#228;nenflut. Denn mein Kater h&#228;lt nun nicht zu meinen F&#252;&#223;en Wache, dass mir gerade ja niemand gef&#228;hrlich wird. Kein liebevoller Blick und sanfte Ber&#252;hrung mit seinem Schwanz an meinen Beinen. Fuck, wie soll ich diese Einsamkeit ertragen an den Tagen an denen meine liebe Frau ins B&#252;ro fahren muss?!? Wie lange wird es brauchen bis ich diese neblig graue Einsamkeit beim Aufwachen nicht mehr f&#252;hle?</p><p>Nach einer Stunde im Sessel, bei schwerer Musik von Apple Music in den Ohren und gelegendliches Nippen am mit Kakao ges&#252;&#223;ten Milchkaffee, l&#228;sst der feste Griff der Emotionen um meinen Brustkorb langsam nach.</p><p> Ich nehme wieder wahr, was leise im Fernseher l&#228;uft. Iphone Lautst&#228;rke taste ich leiser mit der linken Hand und mit der rechten die des TVs lauter. Irgendwie geht es doch weiter. Langsam, mental als w&#252;rde ich in einem Herbstnebel durch ein graues Watt wandern. Doch es ist Hochsommer bei bald 35 Grad und wolkenlosem Himmel.</p><p></p><p><em><strong>13 Jahre Schnurren, jetzt ist es zu ruhig!</strong></em></p><p></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Vom CSD bis Streetfestival – Die ersten drei Minuten gehören uns]]></title><description><![CDATA[Warum ich nach Berlin erst recht zum Hamburger CSD gehe &#8211; und weshalb wir Ersthelfer-Plus-Kurse brauchen]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/die-ersten-drei-minuten-gehoren-uns</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/die-ersten-drei-minuten-gehoren-uns</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Sun, 26 Jul 2026 13:25:07 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!7E0_!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F780c8bbf-7728-4225-8d52-a46dc06d8c1c_1672x941.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!7E0_!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F780c8bbf-7728-4225-8d52-a46dc06d8c1c_1672x941.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!7E0_!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F780c8bbf-7728-4225-8d52-a46dc06d8c1c_1672x941.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!7E0_!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F780c8bbf-7728-4225-8d52-a46dc06d8c1c_1672x941.png 848w, 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class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" 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August </span>werde ich meinen Rucksack f&#252;r den Hamburger Christopher Street Day packen.</strong></em></p><p><em><strong>Kamera. Akkus. Mikrofon. Presseausweis. Wasser. Vielleicht eine Regenjacke, vielleicht Sonnenschutz &#8211; Hamburg wird sich vermutlich erst kurzfristig entscheiden, was davon wichtiger ist.</strong></em></p><p><em><strong>Und dann kommt das medizinische Material.</strong></em></p><p>Handschuhe. Verbandp&#228;ckchen. Komprimierte Gaze. Zwei Tourniquets. Material, mit dem ich eine massive Blutung stoppen k&#246;nnte. Dinge, deren Anwendung ich nicht nur aus einem Video kenne, sondern unter Anleitung und Zeitdruck praktisch ge&#252;bt habe.</p><p>Meine Frau Susi wird ebenfalls zum CSD kommen. Sie hat keinen TECC-Provider-Kurs absolviert. Und sie will verst&#228;ndlicherweise nicht den gesamten Tag aus Angst an meiner Seite kleben, nur weil ich im Notfall mehr medizinische Handlungsm&#246;glichkeiten h&#228;tte als sie.</p><p>Sie will Menschen treffen, sich umsehen und den CSD auf ihre Weise erleben.</p><p>Ich wiederum werde nicht nur innerhalb einer festen Gruppe mitlaufen. Als queere Journalist:in bewege ich mich am Rand der Demonstration, gehe voraus, bleibe zur&#252;ck, suche Perspektiven, fotografiere und filme Menschen auf der Strecke und am Stra&#223;enrand.</p><p>Wir werden uns immer wieder aus den Augen verlieren.</p><p>Das sollte eigentlich kein beunruhigender Gedanke sein.</p><p>Nach Berlin ist er es trotzdem.</p><h2>Der Schock endet nicht am Tatort</h2><p>Am Abend des 25. Juli 2026 wurden im Berliner Tiergarten Menschen im Umfeld des Christopher Street Days von einem Fahrzeug angefahren. Eine Frau starb, mindestens 16 weitere Menschen wurden verletzt, einige von ihnen schwer oder lebensgef&#228;hrlich. Die Polizei spricht von einem Anschlag und fahndet nach einem Tatverd&#228;chtigen; zugleich sind Einzelheiten des Ablaufs und der Hintergr&#252;nde weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.</p><p>Danach beginnt der vertraute mediale Ausnahmezustand.</p><p>Die immer gleichen Bilder laufen in Dauerschleife. Nachrichtensender schalten von einer Expertin zum n&#228;chsten Politiker. In sozialen Netzwerken werden Ger&#252;chte, Schuldzuweisungen und vermeintlich einfache Erkl&#228;rungen schneller verbreitet, als Ermittler gesicherte Erkenntnisse liefern k&#246;nnen.</p><p>Viele Menschen sitzen vor dem Fernseher oder ihrem Smartphone und erstarren.</p><p>Sie sind betroffen. W&#252;tend. Ver&#228;ngstigt. Sie fragen sich, ob Hamburg, K&#246;ln oder der n&#228;chste kleinere CSD in ihrer Region noch sicher sein kann. Ob sie ihre Kinder mitnehmen sollten. Ob sie selbst hingehen wollen. Ob nicht besser alle gr&#246;&#223;eren Stra&#223;enfeste abgesagt werden m&#252;ssten.</p><p>Dann sucht die Gesellschaft nach einem Schuldigen.</p><p>Eine Beh&#246;rde, eine politische Partei, eine gesellschaftliche Gruppe oder ein einzelner Amtstr&#228;ger wird zur n&#228;chsten Sau, die durch das virtuelle Dorf getrieben wird. Teilweise ist das notwendig: Sicherheitskonzepte m&#252;ssen &#252;berpr&#252;ft, Vers&#228;umnisse benannt und Verantwortlichkeiten gekl&#228;rt werden.</p><p>Doch unter all der Emp&#246;rung breitet sich ein anderes Gef&#252;hl aus:</p><p><strong>Ich kann nichts tun.</strong></p><p>Diese Ohnmacht ist nicht nur belastend. Sie ist auch gef&#228;hrlich.</p><p>Sie l&#228;sst Menschen entweder in Schockstarre verharren oder nach maximal einfachen Antworten greifen. Nach noch h&#246;heren Absperrungen, noch umfassenderer &#220;berwachung, noch pauschaleren Verd&#228;chtigungen und dem vollst&#228;ndigen R&#252;ckzug aus &#246;ffentlichen R&#228;umen.</p><p>Unabh&#228;ngig davon, welches konkrete Motiv die Ermittlungen im Fall Berlin abschlie&#223;end ergeben: Gewalttaten gegen &#246;ffentliche Veranstaltungen wirken weit &#252;ber ihre unmittelbaren Opfer hinaus. Ihre gesellschaftliche Wirkung entsteht auch durch die Angst all jener, die beim n&#228;chsten Mal zu Hause bleiben.</p><p>Wenn queere Menschen ihre Fahnen im Schrank lassen.</p><p>Wenn Familien Stadtfeste meiden.</p><p>Wenn &#246;ffentliche Pl&#228;tze denjenigen &#252;berlassen werden, die andere Menschen durch Gewalt, Drohungen oder Einsch&#252;chterung daraus vertreiben wollen.</p><p>Deshalb lautet meine Antwort:</p><h2>Jetzt erst recht zum CSD</h2><p>Queere Menschen sollten jetzt nicht leichtfertig &#252;ber ihre Sorgen hinweggehen. Niemand muss so tun, als h&#228;tte Berlin nichts mit ihm gemacht. Niemand ist verpflichtet, pers&#246;nlichen Mut zu beweisen.</p><p>Aber wir sollten uns auch nicht kollektiv aus dem &#246;ffentlichen Raum zur&#252;ckziehen.</p><p>Am 1. August beginnt die Hamburger CSD-Demonstration um 12 Uhr an der L&#252;becker Stra&#223;e und f&#252;hrt durch die Innenstadt; das Stra&#223;enfest l&#228;uft vom 31. Juli bis zum 2. August. Susi und ich werden dort sein.</p><p>Nicht weil wir glauben, dass nichts geschehen k&#246;nnte.</p><p>Sondern weil eine offene Gesellschaft niemals garantieren kann, dass nirgendwo ein Fahrzeug au&#223;er Kontrolle ger&#228;t, ein Mensch gewaltt&#228;tig wird, eine technische Konstruktion versagt oder eine Menschenmenge in gef&#228;hrliche Bewegung kommt.</p><p>Das gilt nicht nur f&#252;r CSDs.</p><p>Es gilt f&#252;r Stadtfeste, Konzerte, Weihnachtsm&#228;rkte, Sportveranstaltungen, Demonstrationen, Bahnh&#246;fe und Autobahnen. Es galt vor Berlin und wird auch in den kommenden Jahren gelten.</p><p>Die Alternative zu absoluter Sicherheit ist deshalb nicht automatisch R&#252;ckzug.</p><p>Sie kann auch <strong>Vorbereitung</strong> sein.</p><h2>Warum ich dar&#252;ber als queere Journalist:in schreibe</h2><p>Dies ist kein trockener, schnell produzierter Artikel &#252;ber ein aktuelles Ereignis.</p><p>Es ist ein Identity-Artikel, weil meine Identit&#228;t, meine berufliche Rolle und die Frage nach meiner eigenen Handlungsf&#228;higkeit unmittelbar miteinander verbunden sind.</p><p>Ich gehe nicht nur als neutrale Beobachter:in zu einem Christopher Street Day.</p><p>Ich bin selbst queer.</p><p>Ich bin Teil der Community, &#252;ber die ich berichte. Ich kenne das Gef&#252;hl, sichtbar zu werden und dadurch zugleich freier und verwundbarer zu sein.</p><p>Als Journalist:in bewege ich mich au&#223;erdem anders durch solche Veranstaltungen als viele andere Teilnehmende. Ich bleibe nicht st&#228;ndig in der Mitte des Demonstrationszuges. Ich beobachte Zug&#228;nge, Kreuzungen, Gegenproteste und die Menschen an den R&#228;ndern. Ich suche erh&#246;hte oder seitliche Positionen f&#252;r Fotos und Videos. Vielleicht befinde ich mich hundert Meter vor Susi, w&#228;hrend sie mit anderen Menschen spricht. Vielleicht stehe ich genau dort, wo eine Situation zuerst kippt.</p><p>Journalistische N&#228;he erzeugt dabei eine ethische Frage:</p><p><strong>Was tue ich, wenn meine Kamera bereits am Ort ist, professionelle Hilfe aber noch nicht?</strong></p><p>Dokumentiere ich weiter?</p><p>Lege ich die Kamera ab?</p><p>Kann ich &#252;berhaupt erkennen, was einen Menschen in den n&#228;chsten Minuten t&#246;ten k&#246;nnte?</p><p>Und wei&#223; ich, was dagegen zu tun ist?</p><p>Auch deshalb habe ich eine Ausbildung zum TECC-Provider absolviert. TECC steht f&#252;r <em>Tactical Emergency Casualty Care</em>: die Versorgung Schwerverletzter unter ungew&#246;hnlichen, dynamischen oder weiterhin potenziell gef&#228;hrlichen Bedingungen.</p><p>Ich kann diese F&#228;higkeiten als Journalist:in in einer Krisenregion gebrauchen.</p><p>W&#228;hrend des Kurses wurde mir jedoch sehr deutlich, dass ihre Bedeutung keineswegs an einer Staatsgrenze beginnt.</p><p>Eine massive Blutung unterscheidet nicht zwischen einem Kriegsgebiet und einer deutschen Bundesstra&#223;e.</p><p>Ein schwer verletzter Mensch fragt nicht, ob die Ursache ein Anschlag, ein Verkehrsunfall, eine zerbrochene Scheibe oder ein eingest&#252;rzter Veranstaltungsaufbau war.</p><p>Die ersten Minuten bleiben dieselben.</p><h2>Susi soll nicht an meiner Seite bleiben m&#252;ssen</h2><p>Nach Berlin k&#246;nnte mein erster Impuls sein, Susi beim Hamburger CSD m&#246;glichst in meiner N&#228;he zu halten.</p><p>Ich habe mehr Ausbildung. Ich trage geeignetes Material. Ich k&#246;nnte schneller erkennen, was zu tun ist.</p><p>Aber w&#228;re das die gesellschaftliche Antwort?</p><p>Dass queere Menschen k&#252;nftig nur noch in kleinen privaten Sicherheitsverb&#228;nden unterwegs sind?</p><p>Dass Personen ohne erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildung m&#246;glichst dicht neben jemandem bleiben m&#252;ssen, der einen taktischen Medizinkurs besucht hat?</p><p>Susi soll nicht deshalb sicherer sein, weil sie zuf&#228;llig mit mir verheiratet ist.</p><p>Sie soll ihren CSD selbstst&#228;ndig erleben k&#246;nnen.</p><p>Sie soll nicht aus Angst an meiner Seite kleben m&#252;ssen.</p><p>Und ich m&#246;chte mich als Journalist:in frei bewegen k&#246;nnen, ohne dabei das Gef&#252;hl zu haben, f&#252;r eine einzelne erwachsene Person pers&#246;nlich die gesamte medizinische Verantwortung zu tragen.</p><p>Die bessere Antwort ist deshalb nicht, einzelne gut ausgebildete Menschen enger an ihre Angeh&#246;rigen zu binden.</p><p>Die bessere Antwort ist, <strong>Handlungsf&#228;higkeit breiter in der Gesellschaft zu verteilen</strong>.</p><p>Denn wenn etwas geschieht, steht neben einem verletzten Menschen meist nicht zuerst die Person mit der umfangreichsten Ausbildung.</p><p>Dort steht die Person, die zuf&#228;llig am n&#228;chsten war.</p><p>Vielleicht eine Besucherin.</p><p>Ein Passant.</p><p>Eine Verk&#228;uferin an einem Getr&#228;nkestand.</p><p>Ein Berufskraftfahrer.</p><p>Eine Journalistin.</p><p>Vielleicht du.</p><h1>Eine Szene, die noch nicht geschehen ist</h1><p>Die folgende Geschichte ist erfunden.</p><p>Sie spielt nicht auf dem Hamburger CSD. Sie ist keine Vorhersage und kein Versuch, Angst vor einer bestimmten Veranstaltung zu erzeugen.</p><p>Sie k&#246;nnte an einem beliebigen Sommertag in einer beliebigen deutschen Stadt geschehen.</p><div><hr></div><p>Es ist kurz nach vier Uhr am Nachmittag.</p><p>Zwischen den H&#228;usern h&#228;ngt Musik. Vor einem Getr&#228;nkestand wartet eine lange Schlange. Kinder laufen mit bemalten Gesichtern &#252;ber den Platz. Ein &#228;lteres Paar sucht im Schatten eines Baumes nach einem freien Sitzplatz.</p><p>Nora ist mit zwei Freundinnen gekommen. Sie will sich das Stra&#223;enfest ansehen, etwas essen und sp&#228;ter vielleicht noch ein Konzert h&#246;ren.</p><p>Sie arbeitet in einer Verwaltung. Sie ist keine Sanit&#228;terin, keine Feuerwehrfrau und keine besonders risikofreudige Person.</p><p>Vor sechs Wochen hat sie einen Ersthelfer-Plus-Kurs besucht.</p><p>Nicht aus beruflicher Verpflichtung. Sie hatte nach einem schweren Unfall in ihrer Nachbarschaft gemerkt, dass ihr F&#252;hrerschein-Erste-Hilfe-Kurs fast f&#252;nfzehn Jahre zur&#252;cklag. Bei einer Hilfsorganisation hatte sie nach einer Auffrischung mit zus&#228;tzlichem Traumamodul gefragt.</p><p>Nun steht sie auf einem Sommerfest.</p><p>Ein Ger&#228;usch unterbricht die Musik.</p><p>Nicht besonders laut. Eher hart und falsch.</p><p>Dann f&#228;llt eine Absperrung um.</p><p>Menschen schreien. Einige laufen vom Ger&#228;usch weg, andere in seine Richtung. Mehrere ziehen ihre Smartphones aus den Taschen. Niemand scheint zu wissen, ob weiterhin Gefahr besteht.</p><p>Nora bewegt sich zun&#228;chst &#252;berhaupt nicht.</p><p>Ihr K&#246;rper ist schneller als ihr Denken. Ihre Schultern werden fest, ihr Atem flach. Die Umgebung scheint f&#252;r einen Moment weiter entfernt zu sein als vorher.</p><p>Dann erinnert sie sich nicht an einen vollst&#228;ndigen Vortrag.</p><p>Sie erinnert sich an einen einzigen Satz aus dem Kurs:</p><p><strong>Erst pr&#252;fen, ob du selbst sicher handeln kannst. Dann das stoppen, woran jemand zuerst stirbt.</strong></p><p>Sie sieht sich um.</p><p>Keine weitere unmittelbare Bewegung. Kein Feuer. Kein erkennbarer Angriff. Andere Menschen stehen bereits am Rand und weisen die Menge zur&#252;ck.</p><p>Ein Mann liegt neben einem umgest&#252;rzten Metallgitter. Sein Hosenbein ist aufgerissen. Unter seinem Oberschenkel breitet sich Blut aus.</p><p>Nora geht zu ihm.</p><p>Nicht, weil sie keine Angst hat.</p><p>Ihre H&#228;nde zittern.</p><p>Sie geht, weil sie eine erste Aufgabe kennt.</p><p>&#8222;Sie mit der gr&#252;nen Jacke: Rufen Sie 112. Sagen Sie, dass wir mehrere Verletzte auf dem Stadtfest haben. Bleiben Sie danach hier.&#8220;</p><p>Eine konkrete Person f&#252;hlt sich angesprochen. Sie telefoniert.</p><p>&#8222;Wer hat einen Verbandkasten? Im Auto, am Stand, irgendwo?&#8220;</p><p>Ein anderer Mann l&#228;uft los.</p><p>Nora zieht Handschuhe an. Sie dr&#252;ckt mit beiden H&#228;nden auf die Verletzung. Der Mann schreit. Die Blutung wird langsamer, h&#246;rt aber nicht auf.</p><p>Im Kurs hat sie gelernt, dass ein Tourniquet kein letztes mysteri&#246;ses Mittel ist, das ausschlie&#223;lich Milit&#228;r&#228;rzte verwenden d&#252;rfen. Es ist ein Werkzeug zur Kontrolle einer lebensbedrohlichen Blutung an einem Arm oder Bein.</p><p>Sie legt es oberhalb der Verletzung an und zieht es fest.</p><p>Es tut dem Mann weh.</p><p>Sie h&#246;rt nicht auf, weil es weh tut. Sie h&#246;rt erst auf, als die Blutung steht.</p><p>Dann schaut sie nicht einfach weg und wartet.</p><p>Sie pr&#252;ft erneut.</p><p>Blutet es weiter? Ist das Tourniquet noch wirksam? Atmet der Mann normal? Wird er ansprechbar bleiben? Gibt es eine weitere Verletzung?</p><p>Jemand bringt eine Rettungsdecke und den Verbandkasten aus einem Fahrzeug. Eine andere Besucherin kniet nun neben einer zweiten verletzten Person.</p><p>Nora verteilt weitere Aufgaben.</p><p>Sp&#228;ter wird sie glauben, alles habe zwanzig Minuten gedauert.</p><p>Auf einer Videoaufnahme sind es weniger als drei Minuten, bis die ersten professionellen Helfenden bei ihr eintreffen.</p><p>Sie &#252;bergibt:</p><p>Verletzung am Oberschenkel. Starke Blutung. Tourniquet angelegt. Blutung steht. Uhrzeit notiert. Patient ansprechbar.</p><p>Dann tritt sie zur&#252;ck.</p><p>Sie ist nicht pl&#246;tzlich zur Rettungssanit&#228;terin geworden.</p><p>Sie hat keine Diagnose gestellt, keine Medikamente gegeben und keine invasive Behandlung durchgef&#252;hrt.</p><p>Sie hat nur verhindert, dass die Minuten bis zur professionellen Versorgung leer blieben.</p><div><hr></div><h2>Diese Szene ist erfunden. Die Ausbildungsl&#252;cke ist es nicht.</h2><p>Bei einer schweren Blutung k&#246;nnen wenige Minuten &#252;ber Leben und Tod entscheiden. Das American College of Surgeons weist darauf hin, dass Menschen bei erheblichem Blutverlust innerhalb von Minuten sterben k&#246;nnen und dass anwesende B&#252;rger:innen gerade die kritische Zeit bis zum Eintreffen professioneller Hilfe &#252;berbr&#252;cken k&#246;nnen. Die europ&#228;ischen Erste-Hilfe-Leitlinien behandeln die Kontrolle lebensbedrohlicher Blutungen ebenfalls als zentrale Sofortma&#223;nahme.</p><p>Der Sanit&#228;tsdienst kann nur zweihundert Meter entfernt sein und f&#252;r den Menschen vor deinen F&#252;&#223;en trotzdem einige lebensentscheidende Minuten ben&#246;tigen.</p><p>Einsatzkr&#228;fte m&#252;ssen von dem Ereignis erfahren. Sie m&#252;ssen den richtigen Ort finden, einen Weg durch die Menge bekommen, die Gefahrenlage einsch&#228;tzen und erkennen, welche der m&#246;glicherweise mehreren verletzten Personen zuerst Hilfe braucht.</p><p>Du bist bereits da.</p><p>Aber vielleicht stehst du psychisch geschockt daneben.</p><p>Du siehst Blut. Du h&#246;rst Schreie. Du wartest darauf, dass jemand Kompetenteres kommt. In deinem Kopf suchst du nach dem Erste-Hilfe-Kurs, den du irgendwann f&#252;r den F&#252;hrerschein besucht hast.</p><p>War das vor f&#252;nf Jahren?</p><p>Vor zehn?</p><p>Vor zwanzig?</p><p>Du erinnerst dich an die stabile Seitenlage. An Herzdruckmassage. An irgendetwas mit einem Druckverband.</p><p>Aber wie viel Druck ist notwendig? Was geschieht bei einer tiefen Wunde? Darfst du dieses Band aus dem Notfallset wirklich um einen Arm legen? Wie fest muss es sein? Kannst du damit mehr schaden als helfen?</p><p>W&#228;hrend du nach einer Erinnerung suchst, l&#228;uft die Zeit weiter.</p><p>Nichts zu tun kann bei einer kontrollierbaren, lebensbedrohlichen Blutung die fatalste Entscheidung sein.</p><p>Hektisch irgendetwas zu versuchen, weil der letzte praktische Kurs eine halbe Ewigkeit zur&#252;ckliegt, ist besser als bewusstes Wegsehen &#8211; aber m&#246;glicherweise kaum wirksamer.</p><p>Das ist kein pers&#246;nliches oder moralisches Versagen.</p><p>Es ist die Folge eines Systems, das Erste Hilfe f&#252;r viele Menschen wie ein einmaliges Zulassungsritual behandelt:</p><p>Einmal f&#252;r den F&#252;hrerschein lernen.</p><p>Einmal eine Bescheinigung erhalten.</p><p>Anschlie&#223;end jahrzehntelang hoffen, dass das Wissen im entscheidenden Moment irgendwie wieder auftaucht.</p><h1>Du hast wenig Zeit? Dann nimm dies mit</h1><p>Du musst heute keine medizinische Ausr&#252;stung bestellen.</p><p>Du musst keinen TECC-Kurs buchen.</p><p>Du musst nicht wissen, wof&#252;r die Buchstaben MARCH stehen.</p><p>Du kannst dennoch etwas tun.</p><h2>Deine Aufgabe f&#252;r Montag</h2><p>Ruf bei der n&#228;chstgelegenen Hilfsorganisation an.</p><p>Beim Deutschen Roten Kreuz, beim Arbeiter-Samariter-Bund, bei den Johannitern, den Maltesern oder einer anderen &#246;rtlichen Ausbildungsorganisation.</p><p>Schreib eine E-Mail.</p><p>Sprich bei einem Tag der offenen T&#252;r oder einem &#246;ffentlichen Veranstaltungstermin die Freiwillige Feuerwehr an.</p><p>Und frag:</p><blockquote><p><strong>Bieten Sie einen erweiterten Erste-Hilfe-Kurs an, in dem interessierte B&#252;rger:innen die Versorgung lebensbedrohlicher Blutungen, den Umgang mit einem Tourniquet und weitere zeitkritische Ma&#223;nahmen praktisch &#252;ben k&#246;nnen?</strong></p></blockquote><p>Falls die Antwort Nein lautet, frag weiter:</p><blockquote><p><strong>K&#246;nnten Sie einen solchen Ersthelfer-Plus-Kurs oder zun&#228;chst einen praktischen Workshop anbieten? K&#246;nnen Sie meine Nachfrage aufnehmen oder mich an eine geeignete Stelle vermitteln?</strong></p></blockquote><p>Du brauchst keine Angst zu haben, an der vermeintlich falschen Stelle zu fragen.</p><p>Nicht jede Freiwillige Feuerwehr kann selbst einen zertifizierten Erste-Hilfe-Kurs anbieten. Nicht jede Rettungswache ist jederzeit eine &#246;ffentlich zug&#228;ngliche Beratungsstelle. Aber die Menschen dort kennen h&#228;ufig geeignete Ansprechpartner:innen, kooperieren mit Hilfsorganisationen oder k&#246;nnen einen Bedarf weitergeben.</p><p>Im ung&#252;nstigsten Fall bekommst du eine andere Telefonnummer.</p><p>Im besseren Fall entsteht ein Gespr&#228;ch.</p><p>Vielleicht nimmt sich eine Ausbilderin Zeit und erkl&#228;rt dir, wie du deinen Kraftfahrzeug-Verbandkasten sinnvoll erg&#228;nzen kannst.</p><p>Vielleicht organisiert die &#246;rtliche Feuerwehr gemeinsam mit einer Hilfsorganisation einen Workshop auf einem Stadtfest.</p><p>Vielleicht fragt ein Verein einen vollst&#228;ndigen Gruppenkurs an.</p><p>Und wenn nicht mehr f&#252;nf Menschen im Monat einzeln um Rat bitten, sondern zwanzig Menschen in einer Woche denselben Kurs verlangen, ver&#228;ndert sich die organisatorische Frage.</p><p>Dann lautet sie nicht mehr:</p><p><strong>K&#246;nnen wir jede Person einzeln beraten?</strong></p><p>Sondern:</p><p><strong>Wie k&#246;nnen wir daraus ein strukturiertes Angebot machen?</strong></p><p>Eine einzelne Anfrage kann dir bereits helfen.</p><p>Viele Anfragen machen einen gesellschaftlichen Bedarf sichtbar.</p><p><strong>Damit hast du den ersten und wichtigsten Teil dieses Artikels gelesen.</strong></p><p>Queere Menschen sollten weiter zum CSD gehen.</p><p>Unsere Stadt-, Stra&#223;en- und Sommerfeste m&#252;ssen nicht aus Angst verschwinden.</p><p>Und interessierte B&#252;rger:innen k&#246;nnen von ihren &#246;rtlichen Hilfsorganisationen einen praktisch orientierten Ersthelfer-Plus-Kurs verlangen.</p><p>Wer genauer wissen m&#246;chte, wie ein solcher Kurs aufgebaut sein sollte, liest ab hier weiter.</p><div><hr></div><h1>Was ein Ersthelfer-Plus-Kurs vermitteln m&#252;sste</h1><p>Ein Ersthelfer-Plus-Kurs soll keine improvisierten Rettungssanit&#228;ter:innen produzieren.</p><p>Er soll die L&#252;cke zwischen zwei bestehenden Welten schlie&#223;en:</p><p>Auf der einen Seite steht der allgemeine Erste-Hilfe-Kurs. Er vermittelt wichtige Grundlagen wie Notruf, Wiederbelebung, stabile Seitenlage und die Versorgung allt&#228;glicher Verletzungen.</p><p>Auf der anderen Seite stehen Sanit&#228;ts-, Rettungsdienst- und TECC-Ausbildungen, die deutlich umfangreicher sind und teilweise professionelle oder taktische Einsatzsituationen abdecken.</p><p>Dazwischen fehlen vielerorts gut sichtbare, niedrigschwellige Angebote f&#252;r B&#252;rger:innen, die einige zeitkritische F&#228;higkeiten intensiv lernen wollen, ohne daf&#252;r eine vollst&#228;ndige professionelle Ausbildung zu absolvieren.</p><p>Die &#252;blichen Erste-Hilfe-Kurse umfassen neun Unterrichtseinheiten. F&#252;r betriebliche Ersthelfende ist sp&#228;testens alle zwei Jahre eine Fortbildung erforderlich. F&#252;r die &#252;brige Bev&#246;lkerung besteht keine allgemeine gesetzliche Auffrischungspflicht; das DRK empfiehlt jedoch, sp&#228;testens alle zwei Jahre erneut einen Kurs zu besuchen.</p><p>Ich halte das f&#252;r zu wenig verbindlich.</p><h2>Erste Hilfe sollte zur B&#252;rger:innenkompetenz werden</h2><p>Alle Menschen sollten nach Erreichen des Erwachsenenalters einen Erste-Hilfe-Grundkurs absolvieren und ihre praktischen F&#228;higkeiten anschlie&#223;end mindestens alle zwei Jahre auffrischen m&#252;ssen.</p><p>Nicht unbedingt jedes Mal in einem vollst&#228;ndigen ganzt&#228;gigen Kurs.</p><p>Eine regelm&#228;&#223;ige, kompakte und praktisch orientierte Auffrischung k&#246;nnte sich auf die entscheidenden F&#228;higkeiten konzentrieren:</p><ul><li><p>Gefahren erkennen und sich nicht selbst zum n&#228;chsten Opfer machen,</p></li><li><p>einen pr&#228;zisen Notruf absetzen,</p></li><li><p>Bewusstsein und Atmung pr&#252;fen,</p></li><li><p>Wiederbelebung und AED anwenden,</p></li><li><p>schwere Blutungen kontrollieren,</p></li><li><p>eine betroffene Person bis zur professionellen &#220;bergabe betreuen.</p></li></ul><p>Erste Hilfe ist keine spezielle Fahrerlaubniskompetenz.</p><p>Sie ist eine gesellschaftliche Grundf&#228;higkeit.</p><p>Zus&#228;tzlich sollte ein freiwilliger <strong>Ersthelfer-Plus-Kurs</strong> angeboten werden. Etwas teurer, mit kleinen Gruppen, mehr Material und einem deutlich h&#246;heren Praxisanteil.</p><p>Nicht f&#252;r alle verpflichtend.</p><p>Aber verf&#252;gbar f&#252;r alle, die mehr k&#246;nnen wollen.</p><h1>Zuerst das behandeln, woran ein Mensch zuerst sterben kann</h1><p>In der taktischen Notfallmedizin wird h&#228;ufig die Abk&#252;rzung <strong>MARCH</strong> verwendet.</p><p>Sie klingt zun&#228;chst nach einem weiteren medizinischen Fremdwort. Tats&#228;chlich beschreibt sie nur eine sinnvolle Reihenfolge:</p><h2>M &#8211; Massive Blutung</h2><p>Zuerst werden Blutungen gesucht und gestoppt, an denen ein Mensch innerhalb kurzer Zeit sterben k&#246;nnte.</p><p>Dazu geh&#246;ren:</p><ul><li><p>unmittelbarer starker Druck auf die Wunde,</p></li><li><p>ein wirksamer Druckverband,</p></li><li><p>das feste Ausf&#252;llen einer tiefen Wunde mit geeigneter Gaze &#8211; das sogenannte Wound Packing,</p></li><li><p>und bei einer lebensbedrohlichen Blutung an einem Arm oder Bein ein Tourniquet.</p></li></ul><p>Die ERC-Leitlinien empfehlen bei lebensbedrohlicher &#228;u&#223;erer Blutung zun&#228;chst manuellen Druck und einen Verband; wenn eine schwere Extremit&#228;tenblutung dadurch nicht kontrolliert werden kann, soll ein Tourniquet verwendet werden. Auch C-TECC f&#252;hrt direkten Druck, Tourniquet, Wundtamponade und Druckverband als Ma&#223;nahmen f&#252;r entsprechend geschulte anwesende B&#252;rger:innen auf.</p><p>Ein Tourniquet im Rucksack ist allerdings nur so wertvoll wie die Person, die wei&#223;, wann, wo und wie es angelegt wird.</p><p>Im Kurs muss deshalb praktisch trainiert werden:</p><ul><li><p>Verletzung freilegen,</p></li><li><p>das Tourniquet korrekt oberhalb der Wunde und nicht &#252;ber einem Gelenk positionieren,</p></li><li><p>es so fest anziehen, dass die Blutung tats&#228;chlich aufh&#246;rt,</p></li><li><p>die Wirkung pr&#252;fen,</p></li><li><p>falls erforderlich ein zweites Tourniquet erg&#228;nzen,</p></li><li><p>den Zeitpunkt dokumentieren,</p></li><li><p>und das Tourniquet nicht aus Unsicherheit wieder lockern.</p></li></ul><p>Auch Wound Packing l&#228;sst sich nicht durch eine PowerPoint-Folie erlernen.</p><p>Die Teilnehmenden m&#252;ssen an geeigneten Modellen erleben, wie tief eine Wundh&#246;hle sein kann, wie Verbandmaterial zur Blutungsquelle gef&#252;hrt und fest eingebracht wird und wie lange anschlie&#223;end Druck gehalten werden muss.</p><p>Brust- und Bauchh&#246;hlen werden dabei nicht ausgestopft. Der Kurs muss nicht nur zeigen, was getan werden kann, sondern ebenso klar, wo die Grenzen einer Ma&#223;nahme liegen.</p><h2>A &#8211; Atemweg</h2><p>Danach wird gepr&#252;ft, ob die verletzte Person einen freien Atemweg hat.</p><p>F&#252;r B&#252;rger:innen bedeutet das vor allem:</p><ul><li><p>ansprechbare Menschen sprechen lassen und beobachten,</p></li><li><p>sichtbare Fremdk&#246;rper nur dann entfernen, wenn dies sicher m&#246;glich ist,</p></li><li><p>bewusstlose, normal atmende Personen situationsgerecht lagern,</p></li><li><p>und Atemweg sowie Bewusstsein fortlaufend neu beurteilen.</p></li></ul><p>Ein Ersthelfer-Plus-Kurs ben&#246;tigt keine Intubation, keine invasiven Atemwegstechniken und kein medizinisches Rollenspiel.</p><p>Er braucht wenige sichere Ma&#223;nahmen, die auch unter Stress abrufbar bleiben.</p><h2>R &#8211; Atmung und Brustkorb</h2><p>Das R steht f&#252;r <em>Respiration</em>, also Atmung.</p><p>Die Teilnehmenden sollten lernen:</p><ul><li><p>auff&#228;llige, erschwerte oder zunehmend schlechtere Atmung wahrzunehmen,</p></li><li><p>den Brustkorb nach offensichtlichen Verletzungen abzusuchen,</p></li><li><p>eine offene Brustkorbverletzung zu erkennen,</p></li><li><p>und ein ventiliertes Chest Seal korrekt anzuwenden, sofern sie darin praktisch geschult wurden.</p></li></ul><p>Ein Chest Seal ist ein spezieller Verband f&#252;r offene Brustkorbverletzungen. Es liegt inzwischen in vielen frei verk&#228;uflichen Notfallsets. Sein blo&#223;er Besitz ersetzt jedoch keine Ausbildung.</p><p>Nach dem Aufkleben darf die verletzte Person nicht einfach vergessen werden. Atmung, Bewusstsein und Zustand m&#252;ssen weiter kontrolliert werden. Verschlechtert sich die Atmung, muss nach dem erlernten Verfahren gepr&#252;ft werden, ob das Seal gel&#246;st oder entfernt werden muss. C-TECC sieht ventilierte Chest Seals als m&#246;gliche Ma&#223;nahme f&#252;r entsprechend geschulte Active Bystanders vor.</p><h2>C &#8211; Kreislauf und weitere Verletzungen</h2><p>Nun wird nach weiteren Blutungen und Anzeichen eines Kreislaufproblems gesucht.</p><p>Die Person wird beobachtet, betreut und &#8211; soweit die Situation es zul&#228;sst &#8211; vor unn&#246;tiger Bewegung gesch&#252;tzt.</p><p>Eine zun&#228;chst weniger auff&#228;llige Blutung kann st&#228;rker werden. Ein Verband kann sich l&#246;sen. Eine zuvor ansprechbare Person kann zunehmend verwirrt oder schl&#228;frig werden.</p><p>Deshalb wird der Zustand nicht nur einmal gepr&#252;ft.</p><h2>H &#8211; Kopf und Ausk&#252;hlung</h2><p>Das H erinnert an Kopfverletzungen und Hypothermie, also Ausk&#252;hlung.</p><p>Auch an warmen Tagen k&#246;nnen schwer verletzte Menschen rasch W&#228;rme verlieren. Blutverlust, Schock, nasse Kleidung und der Kontakt mit kaltem Boden verst&#228;rken dies.</p><p>Eine Rettungsdecke wiegt fast nichts.</p><p>Ihr sinnvoller Einsatz muss trotzdem ge&#252;bt werden, insbesondere wenn mehrere Ma&#223;nahmen gleichzeitig notwendig sind.</p><h1>MARCH ist keine einmalige Checkliste</h1><p>Ein besonders wichtiger Teil darf zwischen den Buchstaben nicht verloren gehen:</p><p><strong>Reassessment &#8211; die fortlaufende Neubewertung.</strong></p><p>MARCH wird nicht einmal von oben nach unten abgearbeitet und anschlie&#223;end innerlich abgehakt.</p><p>Nach jeder Ma&#223;nahme und nach jeder Ver&#228;nderung beginnt die Kontrolle erneut:</p><ul><li><p>Ist die massive Blutung weiterhin gestoppt?</p></li><li><p>Ist das Tourniquet noch wirksam?</p></li><li><p>Blutet die gepackte Wunde wieder durch?</p></li><li><p>Hat sich ein Druckverband verschoben?</p></li><li><p>Ist der Atemweg weiterhin frei?</p></li><li><p>Hat sich die Atmung ver&#228;ndert?</p></li><li><p>Wird die Person blasser, unruhiger oder weniger ansprechbar?</p></li><li><p>Sind weitere Verletzungen sichtbar geworden?</p></li></ul><p>Die einfache Regel lautet:</p><blockquote><p><strong>Pr&#252;fen. Handeln. Wirkung kontrollieren. Wieder von vorn beginnen.</strong></p></blockquote><p>Gerade in einem &#220;bungsszenario sollte eine vermeintlich bereits versorgte Wunde sp&#228;ter erneut zu bluten beginnen.</p><p>Nur so lernen Teilnehmende, dass eine Ma&#223;nahme nicht deshalb wirksam bleibt, weil sie einmal richtig begonnen wurde.</p><h1>Der erste Kontakt mit Stress darf nicht der echte Notfall sein</h1><p>Ein Tourniquet in einem ruhigen, hellen Seminarraum an ein Trainingsbein zu legen, ist der erste Schritt.</p><p>Es ist nicht das Endziel.</p><p>Nachdem die Handgriffe in Ruhe sicher beherrscht werden, muss kontrollierter Stress hinzukommen.</p><p>Die Fenster werden abgedunkelt.</p><p>Das Licht wird reduziert oder ausgeschaltet.</p><p>Musik, Stimmen und Umgebungsger&#228;usche laufen &#252;ber Lautsprecher.</p><p>Menschen bewegen sich durch den Raum, stellen Fragen oder stehen im Weg.</p><p>Die Teilnehmenden tragen Handschuhe. Material liegt nicht perfekt ausgebreitet auf einem Tisch, sondern muss aus einer Tasche geholt werden. Vielleicht gibt es mehr als eine verletzte Person. Vielleicht beginnt eine bereits versorgte Wunde erneut zu bluten.</p><p>Niemand wird dadurch realistisch auf jedes denkbare Ereignis vorbereitet.</p><p>Aber der erste Kontakt mit Dunkelheit, L&#228;rm, zitternden H&#228;nden und Zeitdruck findet dann nicht erst statt, wenn ein wirklicher Mensch vor ihnen liegt.</p><p>Das Training darf dabei kein martialischer H&#228;rtetest sein.</p><p>Stress muss schrittweise aufgebaut, medizinisch und didaktisch begr&#252;ndet und anschlie&#223;end gemeinsam ausgewertet werden. Menschen mit Traumaerfahrungen, sensorischen Empfindlichkeiten oder anderen Belastungsgrenzen m&#252;ssen die Intensit&#228;t anpassen und eine &#220;bung jederzeit unterbrechen k&#246;nnen.</p><p>Das Ziel ist nicht, Angst abzutrainieren.</p><p>Das Ziel ist, <strong>trotz Angst eine erste sinnvolle Handlung abrufen zu k&#246;nnen</strong>.</p><h1>Ein IFAK ist kein zuf&#228;llig gef&#252;lltes T&#228;schchen</h1><p>Zu einem Ersthelfer-Plus-Kurs geh&#246;rt auch Materialkompetenz.</p><p>Wer heute im Internet nach einem IFAK sucht, findet zahlreiche gef&#252;llte Taschen. Darin liegen Tourniquets, Verb&#228;nde, Scheren, manchmal Chest Seals und h&#228;ufig allerlei Gegenst&#228;nde, deren Qualit&#228;t, Herkunft oder tats&#228;chlicher Nutzen schwer einzusch&#228;tzen sind.</p><p>IFAK steht f&#252;r <em>Individual First Aid Kit</em>.</p><p>Das entscheidende Wort ist <strong>individuell</strong>.</p><p>Ein solches Set sollte nicht einfach gekauft werden, weil es taktisch aussieht oder besonders viele Teile enth&#228;lt.</p><p>Die F&#228;higkeiten bestimmen das Material.</p><p>Nicht das Material die F&#228;higkeiten.</p><h2>Drei Ebenen statt eines &#252;berf&#252;llten Beutels</h2><p>Ein sinnvolles Konzept kann aus drei Ebenen bestehen:</p><h3>1. Der Kraftfahrzeug-Verbandkasten</h3><p>Er enth&#228;lt die vorgeschriebene allgemeine Grundausstattung und bleibt vollst&#228;ndig erhalten.</p><p>Er ist kein nutzloses Pflasterp&#228;ckchen. Mit Handschuhen, Kompressen, Verbandp&#228;ckchen und Rettungsdecke kann bereits viel getan werden.</p><p>Bei einer katastrophalen Blutung fehlen jedoch je nach Situation bestimmte spezialisierte M&#246;glichkeiten.</p><h3>2. Das pers&#246;nliche Trauma-IFAK</h3><p>Nach entsprechender praktischer Ausbildung k&#246;nnte ein kompaktes Set beispielsweise enthalten:</p><ul><li><p>mehrere Paar Einmalhandschuhe,</p></li><li><p>zwei seri&#246;se und gepr&#252;fte Tourniquets,</p></li><li><p>komprimierte Gaze f&#252;r Wound Packing,</p></li><li><p>einen geeigneten Druckverband,</p></li><li><p>ein ventiliertes Chest Seal,</p></li><li><p>eine Verbandsschere,</p></li><li><p>einen wasserfesten Marker,</p></li><li><p>eine Rettungsdecke.</p></li></ul><p>Warum zwei Tourniquets?</p><p>Weil zwei Menschen oder zwei Extremit&#228;ten betroffen sein k&#246;nnen. Weil bei einer besonders starken Blutung ein zweites Tourniquet erforderlich werden kann. Und weil Material versagen oder bereits verbraucht sein kann.</p><p>Ein solches Set muss sofort erreichbar sein.</p><p>Ein Tourniquet, das unter Getr&#228;nkeflaschen, Regenjacke und Powerbank am Boden eines Rucksacks liegt, ist in den entscheidenden Sekunden kaum vorhanden.</p><h3>3. Das pers&#246;nliche Situationsmodul</h3><p>Nicht alle Menschen ben&#246;tigen dieselbe Ausstattung.</p><p>Wer zu einem CSD oder Konzert geht, braucht ein kompaktes, schnell erreichbares Set f&#252;r unmittelbare zeitkritische Verletzungen.</p><p>Wer lange Transitstrecken mit dem Auto f&#228;hrt und anschlie&#223;end in abgelegenen Regionen wandert, ben&#246;tigt m&#246;glicherweise mehr Material, zus&#228;tzliche W&#228;rmeerhaltung, Licht, Kommunikationsmittel und Versorgung f&#252;r l&#228;ngere Zeitr&#228;ume.</p><p>Berufskraftfahrende verbringen t&#228;glich viele Stunden auf Stra&#223;en. Sie k&#246;nnen zu den ersten Personen an einem schweren Verkehrsunfall geh&#246;ren und sollten st&#228;rker auf mehrere Verletzte, Dunkelheit, Wetterschutz und eine von au&#223;en erreichbare Lagerung vorbereitet sein.</p><p>Wer &#252;berwiegend Urlaub an Nord- oder Ostsee macht, trifft auf andere Risiken: Wind, N&#228;sse, Ausk&#252;hlung, Schnittverletzungen, St&#252;rze an Hafenanlagen oder gro&#223;e Entfernungen entlang eines Strandes.</p><p>Das pers&#246;nliche Trauma-IFAK darf deshalb nicht mit Pflastern, Schmerztabletten, Zeckenzange, Blasenversorgung und s&#228;mtlichem Reisematerial vollgestopft werden.</p><p>Diese Dinge geh&#246;ren in ein getrenntes allgemeines Versorgungsset.</p><p>Im Trauma-IFAK muss jedes Teil innerhalb weniger Sekunden gefunden werden k&#246;nnen &#8211; auch mit Handschuhen und ohne Licht.</p><h1>Der Kurs sollte mit einer leeren Tasche beginnen</h1><p>Ein guter Ersthelfer-Plus-Kurs verkauft nicht einfach ein vorgefertigtes Set.</p><p>Er stellt unterschiedliche leere Taschen und Trainingsmaterialien bereit.</p><p>Die Teilnehmenden lernen:</p><ul><li><p>ihr pers&#246;nliches Risikoprofil einzusch&#228;tzen,</p></li><li><p>geeignetes von ungeeignetem Material zu unterscheiden,</p></li><li><p>jedes Teil an einer festen Stelle einzuordnen,</p></li><li><p>die Tasche einh&#228;ndig zu &#246;ffnen,</p></li><li><p>Material mit Handschuhen zu finden,</p></li><li><p>es bei schlechter Sicht zu entnehmen,</p></li><li><p>Verfallsdaten und Verpackungen zu kontrollieren,</p></li><li><p>verbrauchtes Material nach einem Einsatz zu ersetzen.</p></li></ul><p>Am Ende erh&#228;lt nicht jede Person zwangsl&#228;ufig dieselbe Einkaufsliste.</p><p>Sie erh&#228;lt einen begr&#252;ndeten Plan:</p><blockquote><p><strong>Das sind meine realistischen Risiken.<br>Das sind meine erlernten F&#228;higkeiten.<br>Daf&#252;r brauche ich dieses Material.<br>Und dort kann ich es innerhalb weniger Sekunden erreichen.</strong></p></blockquote><h1>Keine Mini-Sanit&#228;ter:innen und kein Auftrag zum Heldentum</h1><p>Ein Ersthelfer-Plus-Kurs muss seine Grenzen ebenso deutlich vermitteln wie seine M&#246;glichkeiten.</p><p>Er umfasst nicht:</p><ul><li><p>die Jagd nach einer angreifenden Person,</p></li><li><p>das Betreten einer weiterhin akuten Gefahrenzone,</p></li><li><p>invasive Atemwegsma&#223;nahmen,</p></li><li><p>Nadelentlastungen des Brustkorbs,</p></li><li><p>Infusionen oder intraoss&#228;re Zug&#228;nge,</p></li><li><p>eigenst&#228;ndige Medikamentengaben au&#223;erhalb normaler Erste Hilfe,</p></li><li><p>professionelle Sichtungs- oder Todesentscheidungen,</p></li><li><p>den Ersatz von Sanit&#228;ts- und Rettungsdienst.</p></li></ul><p>Niemand soll sich nach einem Tageskurs f&#252;r eine Einsatzkraft halten.</p><p>Die Aufgabe lautet:</p><ul><li><p>sich selbst nicht unn&#246;tig gef&#228;hrden,</p></li><li><p>den Notruf organisieren,</p></li><li><p>wenige zeitkritische Gefahren erkennen,</p></li><li><p>erlernte Ma&#223;nahmen anwenden,</p></li><li><p>ihre Wirkung immer wieder pr&#252;fen,</p></li><li><p>die verletzte Person betreuen,</p></li><li><p>und bei Eintreffen der Profis klar &#252;bergeben.</p></li></ul><p>Danach tritt die ersthelfende Person zur&#252;ck.</p><p>Genau wie Nora in der fiktiven Geschichte.</p><h1>Nachfrage schafft Angebote</h1><p>Verwandte Angebote existieren bereits.</p><p>Hilfsorganisationen bieten allgemeine Erste-Hilfe-Kurse, regelm&#228;&#223;ige Fortbildungen und teilweise besondere Formate zur Krisenvorsorge oder Selbsthilfe an. Ein fl&#228;chendeckend sichtbarer, einheitlich benannter Ersthelfer-Plus-Kurs mit intensivem Training von Blutungskontrolle, vereinfachtem MARCH, Stressszenarien und pers&#246;nlicher IFAK-Zusammenstellung ist jedoch bisher nicht als allgemeiner Standard erkennbar.</p><p>Das kann sich &#228;ndern.</p><p>Nicht nur durch einen Beschluss aus einer Bundeszentrale.</p><p>Auch von unten.</p><p>Eine Freiwillige Feuerwehr k&#246;nnte auf einem Stadtfest gemeinsam mit einer Hilfsorganisation einen Workshop anbieten:</p><p>Was l&#228;sst sich mit dem Material aus einem Kraftfahrzeug-Verbandkasten tun?</p><p>Wie wird eine lebensbedrohliche Blutung erkannt?</p><p>Wann ist direkter Druck richtig?</p><p>Was kann ein Tourniquet leisten?</p><p>Warum muss seine Anwendung praktisch ge&#252;bt werden?</p><p>Ein solcher Workshop ersetzt keinen vollst&#228;ndigen Ersthelfer-Plus-Kurs.</p><p>Aber er senkt die Schwelle.</p><p>Menschen k&#246;nnen Material anfassen, Fragen stellen und feststellen, dass lebensrettende Hilfe keine geheimnisvolle Spezialmedizin sein muss.</p><p>Und die Organisationen erkennen, dass es eine Nachfrage gibt.</p><p>Deshalb kann eine E-Mail bereits so aussehen:</p><blockquote><p>Guten Tag,</p><p>bieten Sie einen erweiterten Erste-Hilfe-Kurs f&#252;r interessierte B&#252;rger:innen an, der die praktische Versorgung lebensbedrohlicher Verletzungen vermittelt?</p><p>Gemeint ist ein Angebot zwischen dem regul&#228;ren Erste-Hilfe-Kurs und einer professionellen Sanit&#228;ts- oder TECC-Ausbildung. Der Kurs sollte insbesondere starke Blutungen, Tourniquet, Wound Packing, Brustkorbverletzungen, eine vereinfachte MARCH-Struktur sowie &#220;bungen unter kontrolliertem Stress behandeln.</p><p>Falls ein solches Angebot noch nicht besteht: K&#246;nnten Sie meine Nachfrage aufnehmen oder bei ausreichendem Interesse einen Pilotkurs beziehungsweise Gruppenworkshop anbieten?</p><p>Mit freundlichen Gr&#252;&#223;en<br>[Name]</p></blockquote><p>Nicht alle Menschen, die diese E-Mail schreiben, werden sp&#228;ter den Kurs besuchen.</p><p>Auch das ist in Ordnung.</p><p>Sie haben dennoch signalisiert:</p><p><strong>Wir wollen nicht nur betroffen sein. Wir wollen die M&#246;glichkeit erhalten, wirksam helfen zu lernen.</strong></p><h1>Am 1. August</h1><p>Am 1. August werde ich meine Kamera einpacken.</p><p>Ersatzakkus, Mikrofon, Wasser und Presseausweis.</p><p>Und ich werde das Material mitnehmen, dessen Gebrauch ich im TECC-Kurs gelernt habe.</p><p>Susi wird mitkommen.</p><p>Sie wird nicht die ganze Zeit an meiner Seite bleiben.</p><p>Sie wird Menschen treffen, sich umsehen und ihren eigenen Christopher Street Day erleben. Vielleicht ist sie irgendwann hundert Meter vor mir. Vielleicht hinter mir. Vielleicht auf der anderen Stra&#223;enseite.</p><p>Nach Berlin l&#246;st dieser Gedanke in mir nicht nur Gelassenheit aus.</p><p>Aber die Antwort auf Angst kann nicht sein, dass queere Menschen k&#252;nftig nur noch in kleinen pers&#246;nlichen Sicherheitsverb&#228;nden durch ihre eigenen Feste gehen.</p><p>Susi soll nicht deshalb sicherer sein, weil sie zuf&#228;llig mit einer Person verheiratet ist, die einen TECC-Kurs besucht hat.</p><p>Sie soll von Menschen umgeben sein, die hinschauen.</p><p>Menschen, die einen Notruf organisieren.</p><p>Die wissen, wie sie mit ihren H&#228;nden starken Druck auf eine Wunde aus&#252;ben.</p><p>Die ein Tourniquet nicht nur im Internet gesehen, sondern praktisch angelegt haben.</p><p>Die eine Ma&#223;nahme nach zwei Minuten erneut pr&#252;fen.</p><p>Und die ihre Grenzen kennen.</p><p>Dabei ist es unerheblich, ob diese Menschen queer sind, aktiv in der Demonstration mitlaufen, nur am Stra&#223;enrand zuschauen oder zuf&#228;llig aus einem Caf&#233; treten.</p><p>Gemeinschaft kann ein Schutzschild sein.</p><p>Doch ein Schutzschild entsteht nicht allein dadurch, dass viele Menschen am selben Ort stehen.</p><p>Es entsteht auch, wenn einige von ihnen wissen, was sie in den ersten entscheidenden Minuten tun k&#246;nnen.</p><p>Wir m&#252;ssen unsere CSDs, Stra&#223;enfeste, Konzerte und Sommerveranstaltungen nicht absagen.</p><p>Nicht in diesem Jahr und nicht in den kommenden Jahren.</p><p>Wir sollten hingehen.</p><p>Wir sollten sichtbar bleiben.</p><p>Wir sollten feiern, fotografieren, tanzen, demonstrieren und unsere &#246;ffentlichen R&#228;ume benutzen.</p><p>Und wir sollten anfangen, uns gegenseitig wirksamer helfen zu k&#246;nnen.</p><p>Vielleicht beginnt das bereits am Montag.</p><p>Mit einem einzigen Anruf.</p><p></p><div><hr></div><p></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!rssa!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F848b452c-8716-4215-bf85-2bbdbffed45e_1491x1055.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!rssa!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F848b452c-8716-4215-bf85-2bbdbffed45e_1491x1055.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!rssa!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F848b452c-8716-4215-bf85-2bbdbffed45e_1491x1055.png 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!rssa!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F848b452c-8716-4215-bf85-2bbdbffed45e_1491x1055.png 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" 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TECC-Provider-Kurs gemacht habe.]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/warum-ich-die-tecc-provider-qualifikation</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/warum-ich-die-tecc-provider-qualifikation</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Mon, 13 Jul 2026 12:35:17 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!zqn7!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Faf63fa41-9679-48c6-9f96-38c31a3422f4_1536x1024.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!zqn7!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Faf63fa41-9679-48c6-9f96-38c31a3422f4_1536x1024.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!zqn7!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Faf63fa41-9679-48c6-9f96-38c31a3422f4_1536x1024.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!zqn7!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Faf63fa41-9679-48c6-9f96-38c31a3422f4_1536x1024.png 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!zqn7!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Faf63fa41-9679-48c6-9f96-38c31a3422f4_1536x1024.png 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!zqn7!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Faf63fa41-9679-48c6-9f96-38c31a3422f4_1536x1024.png 1456w" sizes="100vw"><img 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" 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Nicht, weil ich ins BOS-System wechseln will. Und auch nicht, weil ich pl&#246;tzlich auf Milit&#228;r oder &#8220;Tactical&#8221; besonders stehen w&#252;rde. Die Ausr&#252;stung und Kleidung ist durchaus sehr n&#252;tzlich auf Reise offgrid der modernen Zivilisation.</p><p>Der eigentliche Grund liegt in meinem Leben der letzten Jahre.</p><p>Auf meinen inzwischen teils mehrmonatigen Reisen war ich immer h&#228;ufiger alleine unterwegs, sp&#228;ter auch zusammen mit meiner Frau. Nicht auf Campingpl&#228;tzen mit Schranke und Animation, sondern drau&#223;en. In Frankreich, Spanien, Polen, Slowakei, Rum&#228;nien, in den Karpaten, auf Feldwegen, Schotterpisten, abgelegenen Waldgebieten und Regionen ohne Mobilfunk, in denen ein Rettungswagen eben nicht nach sieben oder zw&#246;lf Minuten neben dem Jeep steht, denn sie k&#228;men gar nicht so leicht oder gar nicht bis zu mir.</p><p>Sondern vielleicht erst nach einer Stunde. Vielleicht sogar noch sp&#228;ter.</p><p>Irgendwann habe ich aufgeh&#246;rt dar&#252;ber nachzudenken, wie oft wir einfach nur Gl&#252;ck hatten.</p><p>2025 in Rum&#228;nien habe ich irgendwann aufgeh&#246;rt an den Fingern abzuz&#228;hlen, wie viele Nahtoderfahrungen ich alleine im Stra&#223;enverkehr erlebt hatte. Im Hochsommer schien die Hitze manche Fahrer regelrecht lebensm&#252;de werden zu lassen. Wie oft es extrem eng wurde und nur eine blitzschnelle Reaktion einen Unfall verhindert hat, war ehrlich gesagt irre.</p><p>Aber auch abseits der Stra&#223;en gab es Situationen.</p><p>Mit dem Jeep auf Feldwegen. Auf Ger&#246;ll. In Schlamm. An steilen Abh&#228;ngen. Mehrfach war es am Ende eher meine Vorbereitung, meine Ausr&#252;stung und manchmal schlicht Gl&#252;ck, die verhindert haben, dass aus einem Abenteuer pl&#246;tzlich ein medizinischer Notfall wurde.</p><p>Genau dort begann sich in meinem Kopf eine Frage festzusetzen.</p><p><strong>Was passiert eigentlich, wenn das Gl&#252;ck irgendwann aufgebraucht ist?</strong></p><div><hr></div><p>Viele denken bei solchen Situationen zuerst an Reisen.</p><p>Ich inzwischen gar nicht mehr.</p><p>Denn auch wenn ich zuhause bin und mit der U-Bahn oder S-Bahn durch Hamburg fahre, bewege ich mich t&#228;glich durch Bahnh&#246;fe und Stadtteile, in denen jederzeit etwas passieren kann. Drogen. Psychische Ausnahmesituationen. Gewalt. Messer. Verkehrsunf&#228;lle.</p><p>Ich laufe schon immer ziemlich aufmerksam durch meine Umgebung.</p><p>Nicht aus Angst.</p><p>Sondern weil mein Kopf st&#228;ndig Muster erkennt und bewertet. Wer wirkt aggressiv? Wo k&#246;nnte ich ausweichen? Welche Dynamik baut sich gerade auf?</p><p>Dieses Denken begleitet mich schon mein ganzes Leben.</p><p>Nur eines fehlte bisher:</p><p>Ich konnte Gefahren oft erkennen, aber ich war medizinisch nicht darauf vorbereitet, danach wirklich helfen zu k&#246;nnen.</p><div><hr></div><p>Nat&#252;rlich hatte ich einen aktuellen Erste-Hilfe-Kurs beim DRK absolviert.</p><p>Der ist wichtig.</p><p>Aber er bereitet einen auf andere Situationen vor.</p><p>Dort lernt man in ruhiger Umgebung Verb&#228;nde anzulegen, Pflaster zu kleben oder stabile Seitenlage.</p><p>Das ist vollkommen wichtig und richtig.</p><p>Nur hilft mir dieses Wissen nicht besonders viel, wenn jemand neben mir innerhalb weniger Minuten an einer massiven Blutung sterben k&#246;nnte und professionelle Hilfe schlicht noch nicht da ist.</p><p>Genau diese ersten Minuten entscheiden manchmal &#252;ber Leben oder Tod.</p><p>Und genau f&#252;r diese Minuten wurde TECC entwickelt.</p><div><hr></div><p>Der Kurs hat mir deshalb nicht nur medizinische Techniken vermittelt.</p><p>Er hat meine Denkweise ver&#228;ndert.</p><p>Pl&#246;tzlich geht es nicht mehr darum, m&#246;glichst perfekt Erste Hilfe zu leisten, so wie es der Gesetzgeber es verlangt.</p><p>Sondern zuerst die Lage zu beurteilen.</p><p>Bin ich &#252;berhaupt sicher?</p><p>Kann ich helfen, ohne selbst zum n&#228;chsten Patienten zu werden?</p><p>Welche Verletzung t&#246;tet zuerst?</p><p>Was muss genau jetzt passieren &#8211; und was kann warten?</p><p>MARCH ist dabei weit mehr als eine Eselsbr&#252;cke.</p><p>Es ist eine Methode, in einer hochdynamischen Lage das Chaos wieder in eine Reihenfolge zu bringen.</p><p>Vielleicht hat mich genau das so fasziniert, denn eigentlich mache ich beruflich nichts anderes.</p><p>Als JournalistIn sammle ich analytisch Muster.</p><p>Ich versuche Ordnung in komplexe Zusammenh&#228;nge zu bringen.</p><p>Ich analysiere Dynamiken.</p><p>Ich suche nach dem, was andere &#252;bersehen.</p><p>TECC macht im Grunde genau dasselbe, nur unter Zeitdruck in hochkomplexer maximal stressiger Lage!</p><p>Und mit dem Unterschied, dass Fehler nicht nur schlechte Analysen produzieren k&#246;nnen, sondern Menschenleben kosten!</p><div><hr></div><p>Ich wei&#223; nicht, wohin mich meine Reisen in den n&#228;chsten Jahren f&#252;hren werden.</p><p>Vielleicht wieder nach Rum&#228;nien und oder in andere Balkan-L&#228;nder.</p><p>Vielleicht nach Nord- und Westafrika.</p><p>Vielleicht bleibe ich auch h&#228;ufiger in Deutschland unterwegs.</p><p>Aber eines wei&#223; ich heute sicher:</p><p>Ich hoffe weiterhin, seltenst in eine Lage zu geraten, in der ich dieses Wissen wirklich anwenden muss.</p><p>Ja, ich bin ausger&#252;stet, wie ich es f&#252;r meine Pflicht halte in Respekt auf mein TECC-Provider Patch. Kleines IFAK, BW Dreieckstuch und zus&#228;tzliche Tourniquets im Slingbag und im Jeep einen flachen aber angehend vollst&#228;ndig gef&#252;llten TECC-Rucksack.</p><p>Aber falls dieser Tag doch kommt, m&#246;chte ich nicht mehr der Mensch sein, der nur danebensteht und denkt:</p><p><strong>&#8220;Ich w&#252;nschte, ich h&#228;tte mich damals besser vorbereitet.&#8221;</strong></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/p/warum-ich-die-tecc-provider-qualifikation/comments&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Einen Kommentar hinterlassen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/p/warum-ich-die-tecc-provider-qualifikation/comments"><span>Einen Kommentar hinterlassen</span></a></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/p/warum-ich-die-tecc-provider-qualifikation?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/p/warum-ich-die-tecc-provider-qualifikation?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Meine Gesundheit nach dem TECC-Provider Kurs]]></title><description><![CDATA[Der Kurs TECC-Provider hat mich, wie erwartet, an und &#252;ber meine wahren Grenzen gebracht]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/meine-gesundheit-nach-dem-tecc-provider</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/meine-gesundheit-nach-dem-tecc-provider</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Mon, 13 Jul 2026 00:02:04 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!eayL!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd9b29aa0-ec9b-454b-866a-b48d19a38345_1254x1254.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!eayL!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd9b29aa0-ec9b-454b-866a-b48d19a38345_1254x1254.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!eayL!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd9b29aa0-ec9b-454b-866a-b48d19a38345_1254x1254.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!eayL!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd9b29aa0-ec9b-454b-866a-b48d19a38345_1254x1254.png 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!eayL!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Fd9b29aa0-ec9b-454b-866a-b48d19a38345_1254x1254.png 1272w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" 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Die Gr&#252;nde hierf&#252;r findest du auf meinem SubStack-Kanal in einem separaten Artikel.</p><p>Das Dachzelt auf den Jeep Compass zu bringen, erforderte mehr K&#246;rpereinsatz meinerseits, als ich geplant hatte. Das f&#252;hrte zu einer Zerrung in einem oder mehreren H&#252;ftmuskeln, was ich erst einen Tag sp&#228;ter bemerkte. Die daraus resultierenden Schmerzen begleiteten mich mehrere Wochen, bis ich dann eh einen lange geplanten Termin bei meinem Orthop&#228;den wahrnahm. Da lie&#223; ich mich diagnostizieren und er gab mir routinem&#228;&#223;ig Kortisonspritze in den am st&#228;rkten betroffen Muskel. Aber half diese? gerade mal zwei Tage! Er erz&#228;hlte mir, es k&#246;nne noch weitere zwei Wochen dauern bis es vorbei ist mit meinen Schmerzen. Hmm, sorry, whaaaat? Ich k&#228;mpfte schon einige Wochen damit und bringe sehr viel auf die Waage und bin untrainiert, ca. 50kg des Dachzelts zu stemmen!</p><p>Tja, kurz vor Beginn des TECC-Provider Kurs waren die Schmerzen soweit reduziert, dass ich tats&#228;chlich mit nur leichten Einschr&#228;nkungen am Freitag davor das Dachzelt aufbauen konnte. Ich ahnte bereits, das wird heftig mit dem Kurs, wahrscheinlich wird meine Muskelzerrung das mir nicht verzeihen!</p><p>Ja genau so war es! Meiner Bandscheibe ging es gut, obwohl ich einiges an Belastung meinem R&#252;cken zumutete! Auch meine Bauchwand-Hernie ging und geht es gut! Und ja, weil ich R&#252;cken plus Bauchmuskulatur nicht vorab trainieren konnte, nicht durfte, waren viele Bewegungen und Belastungen beim Kurs echt heikel und super anstrengend! Nicht nur ich kam so richtig fies ins Schwitzen! Und die Instructors haben uns, auch mich dahin gebracht, dass mein Puls mit Absicht auf 170 hoch ging, damit wir unter k&#246;rperlichen Stress bestimmte praktische Aufgaben lernten zu erledigen, angehend perfekt! Und dann auch mal einen Kollegen am R&#252;cken getragen, der dann 100kg wog oder eine Opferdarstellerin die wahrscheinlich nur ca. 50kg wog, aber verschwitzt und blutverschmiert wie ein Aal mit Armen und Beinen von meinem Kollegen und mir gehoben und eine Strecke in Sicherheit getragen werden musste.</p><p>So, w&#228;hrend des Lehrgangs meldete sich meine noch nicht ganz ausgeheilte Muskelzerrung dann wieder zur&#252;ck - mehr und mehr! Und am Ende war ich so voller Schmerzen, dass ich mich nur noch sehr langsam bewegen konnte, als ich dann mein Zertifikat in den H&#228;nden hielt und mein Patch am Slingbag am Klettfeld hatte. Auf der R&#252;ckfahrt von L&#252;beck nach Hamburg hatte ich gro&#223;e Probleme mein rechtes Bein so weit &#252;berhaupt anzuheben um den Fu&#223; vom Gas auf die Bremse umzusetzen! Das war sehr gef&#228;hrlich - total &#252;berm&#252;det und ersch&#246;pft mental und k&#246;rperlich so angeschlagen, dass ich ein Risiko f&#252;r den Stra&#223;enverkehr wurde!</p><p>Die R&#252;ckfahrt &#252;berlebte ich ohne Blech- oder Fleischschaden. Aber nach Abklingen der Muskelkater nach zwei Tagen, blieb die massive Muskelzerrung und Verkrampfung &#252;brig. jetzt habe ich eine Woche nach dem Kurs und nochimmer ist mein rechter Ischias-Nerv so eingeklemmt, dass ich mich kaum 10m bewegen kann. Fast egal wie und wo ich liege oder sitze, es schmerzt! Ich k&#228;me nichtmal zu einem Arzt gefahren um mich eine Kortisonspritze zu besorgen! </p><p>Aber es gibt ein zwei &#220;bungen, die ganz langsam anfangen zu helfen. Sehr sehr langsam aber!</p><p>Gebe ich den Trainern des Kurs die Schuld? Nein! Die Instructors wussten doch ziemlich genau, wo meine Grenzen tats&#228;chlich lagen. Sie nahmen mir dort Belastung ab, wo es medizinisch sinnvoll war. Als z.B. meine Garmin Instinct eine Puls-Warnung im Sitzen von sich gab, wurden die Trainer direkt unruhig und fragten mich besorgt, ob alles ok sei. Ich meldete meinen Puls und sagte, dass der gleich wieder niedriger sein wird. Gleichzeitig lie&#223;en sie mich genau so viel selbst leisten, wie n&#246;tig war um in den k&#246;rperlichen Stress zu kommen, wie er in der Lage zu erwarten w&#228;re. Genau das war schlie&#223;lich Sinn des Kurses. Aber Ziel war es die gelernte Theorie und die Trocken&#252;bungen in extremen Stresssituationen ebenso anzuwenden und dabei auch herauszufinden ob man das kann und wo die eigenen Grenzen wirklich sind und &#252;ber die gedachten Grenzen hinaus zu gehen - &#252;ber den eigenen gedachten Schatten springen. Und ja, ich bin noch etwas weiter dar&#252;ber hinaus gegangen, denn ich kam schon den Abend fr&#252;her an und habe in der N&#228;he im Dachzelt &#252;bernachtet und so in beiden N&#228;chten nur je 4 Stunden Schlaf bekommen. Mit meinem Gewicht, meiner mangelhaften bis nicht existenten Fitness und dazu noch mit akuten Muskelsch&#228;den und chronischen Sch&#228;den meines K&#246;rpers, habe ich den Kurs erfolgreich geraderen so geschafft und die Pr&#252;fungen erfolgreich &#252;berstanden. Jeder andere TECC-Provider wei&#223; wovon ich rede - wer kein guter Sportler ist und dazu auch kein Sanit&#228;ter als Grundausbildung, hat es nicht leicht. Die Messlatte ist sehr hoch.</p><p><strong>Der TECC-Provider-Kurs hat mir vor allem eines gezeigt: Nicht meine Grenzen waren kleiner als gedacht, sondern deutlich gr&#246;&#223;er! Bezahlt habe ich daf&#252;r mit Muskelzerrungen, Ischiasschmerzen und einer  Woche, in der selbst zehn Meter Gehen zur Herausforderung wurden. Bereue ich den Kurs? Keine Sekunde. Aber untersch&#228;tzt habe ich ihn doch ein St&#252;ck weit.</strong></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!qXw9!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F67d325ef-f718-4a3e-b667-ff5eeb365d51_1536x1024.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!qXw9!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F67d325ef-f718-4a3e-b667-ff5eeb365d51_1536x1024.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!qXw9!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F67d325ef-f718-4a3e-b667-ff5eeb365d51_1536x1024.png 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!qXw9!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F67d325ef-f718-4a3e-b667-ff5eeb365d51_1536x1024.png 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!qXw9!,w_1456,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F67d325ef-f718-4a3e-b667-ff5eeb365d51_1536x1024.png 1456w" sizes="auto, 100vw"><img src="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!qXw9!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F67d325ef-f718-4a3e-b667-ff5eeb365d51_1536x1024.png" width="1456" height="971" data-attrs="{&quot;src&quot;:&quot;https://substack-post-media.s3.amazonaws.com/public/images/67d325ef-f718-4a3e-b667-ff5eeb365d51_1536x1024.png&quot;,&quot;srcNoWatermark&quot;:null,&quot;fullscreen&quot;:null,&quot;imageSize&quot;:null,&quot;height&quot;:971,&quot;width&quot;:1456,&quot;resizeWidth&quot;:null,&quot;bytes&quot;:2673526,&quot;alt&quot;:null,&quot;title&quot;:null,&quot;type&quot;:&quot;image/png&quot;,&quot;href&quot;:null,&quot;belowTheFold&quot;:true,&quot;topImage&quot;:false,&quot;internalRedirect&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/i/206764882?img=https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F67d325ef-f718-4a3e-b667-ff5eeb365d51_1536x1024.png&quot;,&quot;isProcessing&quot;:false,&quot;align&quot;:null,&quot;offset&quot;:false}" class="sizing-normal" alt="" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!qXw9!,w_424,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F67d325ef-f718-4a3e-b667-ff5eeb365d51_1536x1024.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!qXw9!,w_848,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F67d325ef-f718-4a3e-b667-ff5eeb365d51_1536x1024.png 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!qXw9!,w_1272,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F67d325ef-f718-4a3e-b667-ff5eeb365d51_1536x1024.png 1272w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!qXw9!,w_1456,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F67d325ef-f718-4a3e-b667-ff5eeb365d51_1536x1024.png 1456w" sizes="auto, 100vw" loading="lazy"></picture><div class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p><strong><span>Ich w&#252;rde den TECC-Provider-Kurs sofort wieder machen. Aber diesmal vorbereiteter &#8212; k&#246;rperlich, muskular und mit mehr Respekt vor der Belastung!</span></strong></p><p><strong>Nun, viel Gelaber, viel Text - mich interessieren zwei Dinge:</strong></p><p>A: Gibt es in und nahe Hamburg einen Orthop&#228;den der seinen Job wirklich beherrscht und nicht solch einen Schwachsinn von sich gibt, es wird in zwei Wochen wieder ok sein, eine Kortisonspritze w&#252;rde schon helfen, einfach mal sich keine Belastungen antun?</p><p>B: Welche &#220;bungen gibt es f&#252;r &#252;ber 130kg schwere Menschen, die nicht mal eben so einfach sich flach auf den Boden legen k&#246;nnen, &#220;bungen die wirklich helfen trotz Bandscheibenschaden und Hernie?</p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/p/meine-gesundheit-nach-dem-tecc-provider/comments&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Einen Kommentar hinterlassen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/p/meine-gesundheit-nach-dem-tecc-provider/comments"><span>Einen Kommentar hinterlassen</span></a></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Warum tiefe Verbindung wichtiger ist als Gesellschaft]]></title><description><![CDATA[Oberfl&#228;chliche Kontakte kosten zu viel Masking]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/wenn-menschen-zwar-da-sind-aber-wahre</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/wenn-menschen-zwar-da-sind-aber-wahre</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Sat, 11 Jul 2026 14:22:10 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!TG2l!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F09877d76-10bd-4998-8149-df79861fd000_1536x1024.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><strong><span>Noch bevor ich wusste, dass ich neurodivers bin, lernte ich die Unterschiede zwischen Gesellschaft, lose Bekanntschaften und tiefe Verbindung.</span></strong></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!TG2l!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F09877d76-10bd-4998-8149-df79861fd000_1536x1024.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!TG2l!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F09877d76-10bd-4998-8149-df79861fd000_1536x1024.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!TG2l!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F09877d76-10bd-4998-8149-df79861fd000_1536x1024.png 848w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p><span>Gesellschaft l&#246;st Einsamkeit nicht automatisch. Manchmal vergr&#246;&#223;ert sie sie sogar.</span></p><p><span>Denn wer allein ist, muss sich wenigstens nicht fortw&#228;hrend erkl&#228;ren, anpassen oder gegen Bedeutungen verteidigen, die andere in das eigene Verhalten hineinlesen. Unter Menschen dagegen kann man sichtbar sein und trotzdem nicht vorkommen. Man kann angesprochen, eingeladen, gemocht oder sogar geliebt werden &#8212; und dennoch sp&#252;ren, dass die Verbindung nicht den eigenen Kern erreicht.</span></p><p><span>Genau dieses Muster zieht sich durch gro&#223;e Teile meines Lebens. Es begann lange bevor ich wusste, dass ich autistisch bin.</span></p><p><span>Meine fr&#252;heste Erinnerung daran f&#252;hrt mich in den Kindergarten&#8230;</span></p><p></p><p><strong><span>Meine fr&#252;heste Erinnerung daran spielt im Kindergarten</span></strong></p><p><span>Ich spielte mit den kleinen Autos, baute aus Sand Stra&#223;en, H&#228;user, Tunnel und ganze Landschaften nach, die wahrscheinlich aus vielen Einzelbildern zusammengesetzt waren, welche ich auf den Reisen mit meinen Eltern gesehen und in meinem Kopf gesammelt hatte. Es waren keine beliebig hingeworfenen Sandhaufen. Alles hatte eine Funktion, einen Zusammenhang, eine innere Ordnung. Die Autos brauchten Stra&#223;en, Stra&#223;en f&#252;hrten irgendwohin, Tunnel verliefen nicht ohne Grund durch Berge, und H&#228;user standen dort, wo Menschen in meiner Vorstellung H&#228;user brauchen konnten.</span></p><p><span>Wenn ein anderes Kind mitspielen wollte, musste es sich an die Regeln dieser Welt halten. Es durfte ein Teil davon werden, aber nicht einfach hineingreifen, etwas versetzen oder zerst&#246;ren, nur weil es aus seiner Perspektive eben Sand und Spielzeug waren.</span></p><p><span>Ich vermute, dass dies f&#252;r die anderen Kinder nicht besonders einladend wirkte.</span></p><p><span>Aus meiner Sicht wiederum war es vollkommen unverst&#228;ndlich, warum jemand mitspielen wollte, ohne zun&#228;chst zu begreifen, was dort bereits entstanden war. Wer meine Welt betrat, konnte sie erweitern. Aber er konnte nicht erwarten, dass ich sie aufgab, damit daraus irgendeine andere Form von gemeinsamem Spiel wurde, die mit dem, was ich zuvor aufgebaut hatte, nichts mehr zu tun hatte.</span></p><p><span>Viel sprach ich damals nicht. Jedenfalls war ich noch nicht dazu in der Lage, die Gedanken und Zusammenh&#228;nge meiner inneren Welt so nach au&#223;en zu &#252;bersetzen, dass andere Kinder sie h&#228;tten verstehen k&#246;nnen.</span></p><p><span>Wenn ich etwas sagte, verstanden Erwachsene mich h&#228;ufig besser als Gleichaltrige. Das fanden die Erwachsenen seltsam. Die anderen Kinder fanden vermutlich mich seltsam.</span></p><p><span>Hatte ich Freunde?</span></p><p><span>Eher nicht. Zumindest keine, an die ich mich aus dieser Zeit erinnern k&#246;nnte.</span></p><p><strong><span>Ich empfand nicht mich als seltsam</span></strong></p><p><span>In der Grundschule lernte ich einige Mitsch&#252;ler aus meiner unmittelbaren Nachbarschaft kennen. Mit wenigen von ihnen entstanden Freundschaften. Wie sich teilweise erst sehr viel sp&#228;ter herausstellte, lagen gerade diese Kinder im ADHS-Spektrum oder waren auf andere Weise neurodivergent.</span></p><p><span>Wir wussten davon nichts.</span></p><p><span>Sie waren f&#252;r mich keine Kinder mit einer Diagnose, sondern schlicht Menschen, mit denen etwas besser funktionierte. Sie waren sprunghafter, eigensinniger, manchmal anstrengend und vermutlich f&#252;r andere ebenso wenig angepasst wie ich. Aber sie waren mir &#228;hnlicher als die Kinder, die scheinbar m&#252;helos in Gruppen hineinfanden, &#252;ber Dinge redeten, deren Bedeutung sich mir nicht erschloss, und soziale Verbindungen kn&#252;pften, ohne vorher stundenlang dar&#252;ber nachzudenken, nach welchen Regeln das alles eigentlich funktionierte.</span></p><p><span>Ich sehnte mich danach, so akzeptiert und gemocht zu werden, wie ich war.</span></p><p><span>Dabei empfand ich mich selbst keineswegs als unnormal. Im Gegenteil. Aus meiner damaligen Sicht redeten viele andere Kinder unvollst&#228;ndig, kindlich und erstaunlich unpr&#228;zise. Sie sagten Dinge, ohne zu erkl&#228;ren, was sie meinten. Sie handelten nach Regeln, die offenbar jeder kannte, aber niemand aussprach. Sie stellten kaum Fragen zu Zusammenh&#228;ngen, die f&#252;r mich offensichtlich erkl&#228;rungsbed&#252;rftig waren.</span></p><p><span>Ich hingegen wollte verstehen.</span></p><p><span>Warum war etwas so, wie es war? Weshalb geschah etwas? Wie hing das eine mit dem anderen zusammen? Welche Ursache f&#252;hrte zu welcher Wirkung, und war das, was Erwachsene als einfache Erkl&#228;rung pr&#228;sentierten, tats&#228;chlich schon die Erkl&#228;rung oder nur eine sprachliche Abk&#252;rzung, damit das Kind endlich aufh&#246;rte zu fragen?</span></p><p><span>Meine Eltern beantworteten mir meine Fragen.</span></p><p><span>Mein Vater neigte dazu, Dinge viel komplizierter zu erkl&#228;ren, als ich sie zu Beginn verstehen konnte. Das war f&#252;r mich allerdings kein Grund, mich mit einer einfacheren Antwort zufriedenzugeben. Ich fragte nach, bis die Erkl&#228;rung ein Bild ergab, das in meinem Kopf zusammenpasste.</span></p><p><span>Vermutlich war dies einer der Gr&#252;nde, weshalb ich mich mit Erwachsenen h&#228;ufig leichter verst&#228;ndigen konnte als mit Kindern. Erwachsene verf&#252;gten &#252;ber mehr Wissen, vollst&#228;ndigere S&#228;tze und die M&#246;glichkeit, eine Antwort weiter auszuf&#252;hren, wenn ich sie nicht verstand. Kinder erkl&#228;rten wenig. Sie erwarteten, dass ich bereits wusste, was sie nicht sagten.</span></p><p><strong><span>Die halbe Schulklasse auf der Geburtstagsfeier</span></strong></p><p><span>Zu meinen Geburtstagen wurde zeitweise die halbe Schulklasse eingeladen.</span></p><p><span>Dahinter stand die Hoffnung, ich w&#252;rde auf diese Weise normales soziales Verhalten lernen, besser in die Gruppe hineinfinden und schlie&#223;lich auch von den anderen akzeptiert werden.</span></p><p><span>Es funktionierte nicht.</span></p><p><span>Eine gro&#223;e Zahl von Kindern in einem Raum erzeugte noch keine Verbindung. Sie erzeugte zun&#228;chst vor allem Lautst&#228;rke, Unordnung, unvorhersehbare Bewegungen und die Notwendigkeit, auf sehr viele Menschen gleichzeitig zu reagieren. Dass all diese Kinder an meinem Geburtstag anwesend waren, bedeutete nicht, dass sie meine Freunde waren.</span></p><p><span>Meine Eltern waren dar&#252;ber vermutlich &#228;hnlich ratlos und verzweifelt wie ich. F&#252;r sie war ich nicht falsch. Sie selbst bewegten sich, wie ich es heute einordnen w&#252;rde, ebenfalls im AuDHS-Spektrum. Zudem war meine Mutter in einer Familie aufgewachsen, in der es eher normal war, anders zu sein, als sich vollkommen reibungslos in gesellschaftliche Erwartungen einzuf&#252;gen.</span></p><p><span>Andere Eltern sahen das anders.</span></p><p><span>Sie sprachen mit meinen Eltern und stellten mich als seltsam, krank oder grunds&#228;tzlich falsch dar. Meine Eltern konnten diese Wahrnehmung nicht nachvollziehen und wollten sie auch nicht &#252;bernehmen. Das Kind, das diese Menschen beschrieben, war nicht das Kind, das sie zu Hause erlebten.</span></p><p><span>Zu Hause durfte ich fragen. Ich durfte Zusammenh&#228;nge zerlegen. Ich durfte still sein, kompliziert sein, in Gedanken versinken oder &#252;ber Dinge sprechen, die andere Kinder nicht interessierten.</span></p><p><span>Au&#223;erhalb dieses Schutzraums lernte ich dagegen immer deutlicher, dass Anderssein einen Preis hatte.</span></p><p><strong><span>Ich lernte zu schauspielern</span></strong></p><p><span>So wuchs ich mit sehr wenigen Freunden auf.</span></p><p><span>Diese wenigen Freunde liebte ich allerdings sehr.</span></p><p><span>Ihnen gegen&#252;ber war ich, wie ich nun einmal war. Gegen&#252;ber allen anderen begann ich fr&#252;h, mich anzupassen. Ich beobachtete, wie sie sich verhielten, wie sie miteinander sprachen, wann sie lachten, welche Dinge sie wichtig fanden und welche Reaktionen offenbar erwartet wurden.</span></p><p><span>Ich versuchte, normal zu wirken.</span></p><p><span>Ich versuchte zu schauspielern, wie sie zu sein, um angenommen zu werden, um Teil einer ihrer Gruppen zu werden und nicht mehr au&#223;en zu stehen.</span></p><p><span>Ich lernte schnell, dass dies nicht funktionierte.</span></p><p><span>Jedenfalls nicht auf die Weise, die ich mir erhofft hatte. Anpassung konnte mich vielleicht unauff&#228;lliger machen. Sie schuf aber keine echte Zugeh&#246;rigkeit. Sie brachte mich unter Menschen, ohne mich mit ihnen zu verbinden.</span></p><p><span>Stattdessen wurde ich massiv gemobbt.</span></p><p><span>Ich wurde in Gruppen durch das Dorf meiner Kindheit gejagt und verpr&#252;gelt. Ich lernte, Deckung zu finden wie ein Soldat. Ich kannte Umwege durch das Dickicht, durch die Feldmark, &#252;ber Wege und zwischen B&#228;umen hindurch, auf denen ich denjenigen entkommen konnte, die mich abfangen wollten.</span></p><p><span>Oft brauchte ich ziemlich lange, um von der Schule nach Hause zu kommen.</span></p><p><span>Manchmal trug ich Kampfspuren. Manchmal sah man mir nur an, dass ich durch Wald und Feld gerannt, gekrochen oder gerobbt war.</span></p><p><span>So f&#252;hlte ich mich extrem einsam.</span></p><p><span>Und umso kostbarer wurde die Zeit mit den wenigen Menschen, bei denen ich nicht st&#228;ndig auf der Hut sein musste.</span></p><p><strong><span>Tobias</span></strong></p><p><span>Meinen besten Freund Tobias liebte ich wie einen Bruder.</span></p><p><span>Wie sich sp&#228;ter herausstellte, war er im ADHS-Spektrum. Damals wussten weder er noch ich, dass unsere Art, die Welt zu erleben und uns darin zu bewegen, irgendwann mit diagnostischen Begriffen beschrieben werden k&#246;nnte.</span></p><p><span>Wir waren einfach Freunde.</span></p><p><span>Ein schwerer Unfall beim gemeinsamen Spielen brachte seine Eltern dazu, uns f&#252;r immer voneinander zu trennen. Sie zeigten mich sogar strafrechtlich an, mit allem, was dazugeh&#246;rte. Weil ich noch nicht strafm&#252;ndig war, richtete sich das Verfahren gegen meine Eltern.</span></p><p><span>Im Gerichtsprozess entschied der Richter schlie&#223;lich, dass es sich um einen tragischen Unfall gehandelt hatte, dass Tobias&#8217; sprunghaftes Verhalten zu diesem Unfall beigetragen hatte und weder mich noch meine Eltern eine Schuld traf.</span></p><p><span>Damit war die juristische Frage gekl&#228;rt.</span></p><p><span>Unsere Freundschaft brachte das Urteil nicht zur&#252;ck.</span></p><p><span>Tobias&#8217; Eltern verboten uns, einander wiederzusehen.</span></p><p><span>Viele Jahre sp&#228;ter begegneten wir uns noch einmal. Zu viel Zeit war vergangen. Wir sprachen kaum miteinander und unternahmen keinen ernsthaften Versuch, die Verbindung neu aufzubauen.</span></p><p><span>Trotzdem glaube ich, dass wir beide wussten, dass wir Freunde geblieben w&#228;ren, wenn seine Eltern es nicht verhindert h&#228;tten.</span></p><p><span>Nicht jede Freundschaft endet, weil die Menschen einander nichts mehr bedeuten. Manche werden von au&#223;en beendet, und wenn genug Jahre vergehen, bleibt von der urspr&#252;nglichen N&#228;he nur noch das Wissen &#252;brig, dass sie einmal m&#246;glich gewesen war.</span></p><p><strong><span>Heiko</span></strong></p><p><span>Nach Tobias wurde Heiko mein bester Freund.</span></p><p><span>Von der f&#252;nften Klasse an, &#252;ber das Ende dieser Schule hinaus und bis in die Zeit der Berufsausbildung hinein blieben wir eng verbunden. Andere echte Freunde hatte ich daneben kaum.</span></p><p><span>Meine Liebe zu ihm als Freund ging &#252;ber die ungeschriebenen sozialen Gesetze hinaus.</span></p><p><span>Ich wollte mit ihm kuscheln, ohne sexuelle Hintergedanken, ohne Absichten, ohne eine Form von Begehren, die daraus automatisch etwas anderes als Freundschaft gemacht h&#228;tte. F&#252;r mich war k&#246;rperliche N&#228;he eine m&#246;gliche Ausdrucksform tiefer Zuneigung. Ich verstand nicht, weshalb eine Freundschaft emotional sehr eng sein durfte, k&#246;rperliche N&#228;he aber pl&#246;tzlich eine Grenze &#252;berschreiten sollte.</span></p><p><span>Meine Eltern hatten mich nicht christlich-konservativ in solche Verbote hinein sozialisiert. Ihnen war nicht wichtig, entlang welcher gesellschaftlichen Kategorien ich jemanden liebte. Es z&#228;hlte, dass die Verbindung ehrlich war und niemand verletzt wurde.</span></p><p><span>Deshalb verstand ich Heikos Ablehnung nicht.</span></p><p><span>Ich hatte den Eindruck, dass er selbst gern gewollt h&#228;tte, seine Erziehung es ihm aber nicht erlaubte. Vielleicht t&#228;uschte ich mich. Vielleicht sah ich es richtig. Sicher sagen kann ich nur, dass zwischen meinem Bed&#252;rfnis nach N&#228;he und seiner Reaktion keine offene Feindschaft lag, sondern eine Grenze, deren Herkunft f&#252;r mich damals unsichtbar blieb.</span></p><p><span>Heute w&#252;rde ich es anders formulieren: M&#246;glicherweise stie&#223; ich nicht an die Grenze unserer Freundschaft, sondern an die Vorstellungen dar&#252;ber, was Jungen untereinander f&#252;hlen, zeigen und k&#246;rperlich zulassen durften.</span></p><p><span>Wie das Leben dann spielt, verloren auch wir irgendwann den Kontakt. Berufsausbildung, Berufsfachschule, neue Anforderungen und die Notwendigkeit, sich auf den jeweils eigenen Weg zu konzentrieren, lie&#223;en immer weniger Raum f&#252;r unsere Freundschaft.</span></p><p><span>Es gab keinen gro&#223;en Streit.</span></p><p><span>Manchmal verschwinden Menschen nicht durch ein Ereignis aus dem Leben, sondern durch eine lange Reihe kleiner Unterlassungen, bis man eines Tages feststellt, dass eine Verbindung, die einmal selbstverst&#228;ndlich war, nur noch in der Erinnerung existiert.</span></p><p><strong><span>Mohammed und die Sprache des Flirtens</span></strong></p><p><span>In den zwei Jahren der Berufsfachschule lernte ich Mohammed kennen.</span></p><p><span>Er war mit seinen Eltern aus dem damals sowjetisch besetzten Afghanistan geflohen. Er sprach sehr gut Deutsch und war f&#252;r mich ein vollkommen normaler Deutscher, dessen Familie zus&#228;tzlich von einer anderen Kultur gepr&#228;gt war.</span></p><p><span>An dem einen oder anderen Familienfest durfte ich teilnehmen. Ich wurde eingeladen, weil wir Freunde waren und seine Familie sehr gastfreundlich war.</span></p><p><span>Wir gingen gemeinsam in Hamburg in die Disco, ins Docks, und ich lernte von ihm ein St&#252;ck weit tanzen.</span></p><p><span>Dort merkte ich allerdings schnell, dass meine Versuche, auf diese Weise die Aufmerksamkeit von Frauen zu gewinnen, nicht besonders gut funktionierten.</span></p><p><span>Oder genauer gesagt: Ich bemerkte h&#228;ufig gar nicht, wenn sich jemand f&#252;r mich interessierte.</span></p><p><span>K&#246;rpersprache war f&#252;r mich damals eine Sprache so fremd wie Japanisch.</span></p><p><span>Andere Menschen schienen Blicke, Bewegungen, das kurze Wegsehen, das erneute Hinsehen, die r&#228;umliche Ann&#228;herung oder eine bestimmte Art zu l&#228;cheln m&#252;helos in eine Bedeutung &#252;bersetzen zu k&#246;nnen. F&#252;r mich war das zun&#228;chst nur eine Vielzahl k&#246;rperlicher Bewegungen, deren Aussagegehalt ich nicht zuverl&#228;ssig erkannte.</span></p><p><span>Damit begann ein weiteres Muster, das mich durch sp&#228;tere Freundschaften und Liebesbeziehungen begleiten sollte: Menschen konnten mich m&#246;gen, vielleicht sogar begehren oder sich in mich verlieben, ohne dass ich es rechtzeitig bemerkte. Und wenn eine Beziehung schlie&#223;lich entstand, konnte ich wiederum Dinge sagen, die ich vollkommen eindeutig meinte, die aber auf der anderen Seite mit einem Untertext versehen wurden, den ich weder gesendet noch &#252;berhaupt gedacht hatte.</span></p><p><strong><span>Zwischen den Zeilen stand bei mir nichts</span></strong></p><p><span>Was ich sagte, meinte ich in der Regel so, wie ich es sagte.</span></p><p><span>Was ich nicht sagte, hatte ich nicht gesagt.</span></p><p><span>Was ich nicht schrieb, hatte ich nicht geschrieben.</span></p><p><span>Dazwischen gab es f&#252;r mich keinen zweiten Text, keine versteckte emotionale Botschaft, keine raffinierte soziale Nebenhandlung, mit der ich etwas andeuten wollte, ohne es offen auszusprechen.</span></p><p><span>Andere Menschen lasen diesen zweiten Text trotzdem.</span></p><p><span>Sie interpretierten Tonlagen, Pausen, Wortwahl, Gesichtsausdr&#252;cke oder das Fehlen bestimmter Formulierungen. Auf diese Weise entstand in vielen Begegnungen eine Bedeutung, die nicht von mir stammte. Sie entstand aus der Erwartung, dass Menschen gew&#246;hnlich mehr mitteilen als den Inhalt ihrer Worte.</span></p><p><span>Ich war nicht doppeldeutig.</span></p><p><span>Aber ich wurde doppeldeutig gelesen.</span></p><p><span>Meine Direktheit konnte als H&#228;rte erscheinen. Sachlichkeit als K&#228;lte. Pr&#228;zision als Angriff. Die Tatsache, dass ich eine emotionale Ebene nicht ausdr&#252;cklich miterz&#228;hlte, wurde als Beweis daf&#252;r genommen, dass diese emotionale Ebene bei mir nicht vorhanden sei.</span></p><p><span>Dabei lag das Problem h&#228;ufig nicht darin, dass ich nichts empfand, sondern darin, dass ich nicht verstand, weshalb ein sachlicher Gedanke zwingend mit einem Paket sozialer Signale versehen werden musste, damit er nicht als feindselig, abwertend oder gef&#252;hllos wahrgenommen wurde.</span></p><p><span>F&#252;r mich war Klarheit eine Form des Respekts.</span></p><p><span>F&#252;r andere konnte dieselbe Klarheit bedeuten, dass ich ihre Gef&#252;hle nicht ber&#252;cksichtigte.</span></p><p><strong><span>Gemocht werden und trotzdem einsam bleiben</span></strong></p><p><span>Man kann von Menschen umgeben sein und trotzdem einsam bleiben.</span></p><p><span>Man kann Freunde haben, ohne sich vollst&#228;ndig verstanden zu f&#252;hlen.</span></p><p><span>Man kann begehrt werden, ohne zu erkennen, dass man begehrt wird.</span></p><p><span>Und man kann in einer Liebesbeziehung leben, in der N&#228;he vorhanden ist, w&#228;hrend die eigene Art zu denken und zu kommunizieren immer wieder in eine fremde Sprache &#252;bersetzt wird, deren Regeln man nur teilweise kennt.</span></p><p><span>Vor meiner heutigen Frau hatte ich Beziehungen mit neurotypischen Menschen. Manche dieser Menschen verliebten sich in mich, vermutlich auch in das, was zun&#228;chst ungew&#246;hnlich, intensiv oder interessant an mir wirkte.</span></p><p><span>Irgendwann wurde jedoch deutlich, dass ich nicht nur auf eine sympathische Weise ein wenig anders war.</span></p><p><span>Ich war in grundlegenden Dingen anders.</span></p><p><span>Ich kommunizierte anders. Ich nahm soziale Situationen anders wahr. Ich ordnete Worte, Gef&#252;hle und Erwartungen anders. Was zu Beginn faszinierend wirken konnte, wurde im gemeinsamen Alltag anstrengend, weil aus einzelnen Besonderheiten ein vollst&#228;ndiger Mensch wurde, der nicht dauerhaft in die Erwartungen einer neurotypischen Beziehung hineinpasste.</span></p><p><span>So entstanden Missverst&#228;ndnisse, Verletzungen und &#220;berforderungen.</span></p><p><span>Nicht, weil einer von uns notwendigerweise ein schlechter Mensch war, sondern weil wir teilweise nach unterschiedlichen Kommunikationsordnungen lebten und beide davon ausgingen, dass die jeweils eigene Ordnung die selbstverst&#228;ndliche sei.</span></p><p><span>Irgendwann beschloss ich, nicht mehr danach zu suchen.</span></p><p><span>Ich dachte, ich w&#252;rde ohne eine weitere Beziehung leben. Allein und vermutlich auch einsam, aber wenigstens ohne die immer gleiche Erfahrung, zun&#228;chst gemocht und sp&#228;ter an genau den Stellen abgelehnt zu werden, an denen mein Anderssein nicht mehr exotisch, sondern dauerhaft wurde.</span></p><p><strong><span>Was ich damals nicht wissen konnte</span></strong></p><p><span>Heute stehen f&#252;r viele meiner damaligen Erfahrungen Begriffe zur Verf&#252;gung, die es zu meiner Kindheit und Jugend entweder noch nicht gab oder die au&#223;erhalb enger Fachkreise kaum bekannt waren.</span></p><p><span>Das bedeutet nicht, dass eine Diagnose r&#252;ckwirkend jede einzelne Erinnerung erkl&#228;rt. Biografien sind keine medizinischen Checklisten, und nicht jede zerbrochene Freundschaft, jede Ablehnung oder jede Form von Einsamkeit ist automatisch eine direkte Folge von Autismus oder ADHS.</span></p><p><span>Dennoch zeigen sich Muster, die inzwischen auch in der Forschung ernst genommen werden.</span></p><p><strong><span>Autistische Menschen wollen nicht grunds&#228;tzlich weniger Verbindung</span></strong></p><p><span>Das &#228;ltere Bild vom autistischen Menschen, der sich f&#252;r andere Menschen kaum interessiere, h&#228;lt sich hartn&#228;ckig. Es erkl&#228;rt jedoch schlecht, weshalb viele autistische Menschen unter Einsamkeit leiden, Freundschaften suchen, romantische Beziehungen eingehen und fehlende Zugeh&#246;rigkeit sehr schmerzhaft erleben.</span></p><p><span>Eine systematische &#220;bersichtsarbeit zur Einsamkeit autistischer Erwachsener kam zu dem Ergebnis, dass Einsamkeit in dieser Gruppe h&#228;ufig vorkommt und nicht lediglich durch die Zahl sozialer Kontakte erkl&#228;rt werden kann. Entscheidend sind auch die Qualit&#228;t der Beziehungen, das Erleben von Zugeh&#246;rigkeit und die Frage, ob vorhandene Kontakte tats&#228;chlich als verbindend erlebt werden.</span></p><p><span>Das ist ein wichtiger Unterschied.</span></p><p><span>Soziale Isolation ist zun&#228;chst beschreibbar: Wie viele Menschen treffe ich? Wie h&#228;ufig spreche ich mit jemandem? Lebe ich allein?</span></p><p><span>Einsamkeit ist dagegen eine innere Differenz. Sie entsteht zwischen der Verbindung, die ein Mensch braucht, und der Verbindung, die er tats&#228;chlich erlebt.</span></p><p><span>Deshalb kann ein Mensch allein sein, ohne sich einsam zu f&#252;hlen. Und deshalb kann jemand mitten in einer Schulklasse, auf einer Geburtstagsfeier, in einer Freundesgruppe oder sogar in einer Partnerschaft sehr einsam sein.</span></p><p><strong><span>Das Problem liegt nicht nur beim autistischen Menschen</span></strong></p><p><span>Der britische Autismusforscher Damian Milton pr&#228;gte 2012 den Begriff des </span><strong><span>Double Empathy Problem</span></strong><span>, des doppelten Empathieproblems. Der Ansatz widerspricht der &#228;lteren Vorstellung, Kommunikationsschwierigkeiten zwischen autistischen und nicht-autistischen Menschen seien im Wesentlichen das Ergebnis eines einseitigen Defizits des autistischen Menschen.</span></p><p><span>Miltons These lautet vereinfacht: Wenn Menschen mit sehr unterschiedlichen Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Erfahrungssystemen aufeinandertreffen, missverstehen sie einander m&#246;glicherweise wechselseitig. Nicht nur autistische Menschen haben Schwierigkeiten, neurotypische Signale zu lesen. Auch nicht-autistische Menschen deuten autistische Kommunikation, Mimik, K&#246;rperhaltung und emotionale Reaktionen h&#228;ufig falsch.</span></p><p><span>Das macht nicht jede soziale Schwierigkeit symmetrisch. Autistische Menschen m&#252;ssen sich in einer &#252;berwiegend nicht-autistisch gepr&#228;gten Gesellschaft sehr viel h&#228;ufiger an die Kommunikationsweise der Mehrheit anpassen als umgekehrt.</span></p><p><span>Es ver&#228;ndert aber die Fragestellung.</span></p><p><span>Statt nur zu fragen:</span></p><p><span>Warum versteht der autistische Mensch die anderen nicht?</span></p><p><span>m&#252;sste ebenso gefragt werden:</span></p><p><span>Warum verstehen die anderen den autistischen Menschen nicht?</span></p><p><span>In meinem Leben bestand das Problem nicht nur darin, dass ich K&#246;rpersprache schlecht las. Andere Menschen lasen auch mich falsch. Sie schrieben meinen Worten Absichten zu, die ich nicht hatte. Sie nahmen fehlende soziale Verpackung als fehlendes Gef&#252;hl wahr. Sie interpretierten Direktheit als Aggression und R&#252;ckzug als Ablehnung.</span></p><p><span>Die Verst&#228;ndigung scheiterte damit nicht ausschlie&#223;lich an einem Mangel auf meiner Seite, sondern an einer L&#252;cke zwischen zwei Kommunikationsweisen.</span></p><p><strong><span>&#196;hnlicher Neurotyp kann Verbindung erleichtern</span></strong></p><p><span>Mehrere Studien der vergangenen Jahre deuten darauf hin, dass die soziale Qualit&#228;t einer Begegnung nicht allein davon abh&#228;ngt, ob eine Person autistisch ist, sondern auch davon, ob die beteiligten Menschen hinsichtlich ihres Neurotyps und ihres Kommunikationsstils zueinander passen.</span></p><p><span>In einer Untersuchung zu zwischenmenschlichem Rapport wurden Begegnungen zwischen Menschen mit &#252;bereinstimmendem Neurotyp &#8211; autistisch mit autistisch sowie nicht-autistisch mit nicht-autistisch &#8211; h&#228;ufig als stimmiger erlebt als gemischte Begegnungen. Entscheidend war nicht schlicht das Autistischsein, sondern die Passung der Kommunikationsweisen.</span></p><p><span>Eine 2024 ver&#246;ffentlichte systematische &#220;bersichtsarbeit und Metasynthese zu den Erfahrungen autistischer Erwachsener im Kontakt mit anderen autistischen Menschen beschreibt wiederkehrend ein Gef&#252;hl leichterer Verst&#228;ndigung, geringerer sozialer Anstrengung, st&#228;rkerer Authentizit&#228;t und besonderer Verbundenheit. Die Autorinnen und Autoren sprechen im Titel von einer &#8222;certain magic&#8220;, einer bestimmten Magie solcher Begegnungen.</span></p><p><span>Das bedeutet selbstverst&#228;ndlich nicht, dass jeder autistische Mensch automatisch mit jedem anderen autistischen Menschen harmoniert. Auch Neurodivergente k&#246;nnen einander unertr&#228;glich finden, unterschiedliche Bed&#252;rfnisse haben, sich verletzen oder vollkommen inkompatibel sein.</span></p><p><span>Es bedeutet aber, dass meine fr&#252;hen Freundschaften mit Kindern, die sich sp&#228;ter ebenfalls als neurodivergent erwiesen, m&#246;glicherweise nicht blo&#223; zuf&#228;llig waren.</span></p><p><span>Ich konnte durchaus Freundschaften aufbauen.</span></p><p><span>Ich baute sie nur eher dort auf, wo die andere Person eine Welt mitbrachte, deren Regeln meiner eigenen nicht vollkommen fremd waren.</span></p><p><strong><span>Masking bringt Menschen in Gruppen, aber nicht zwingend in Verbindung</span></strong></p><p><span>Das Erlernen und Nachahmen sozial erwarteter Verhaltensweisen wird heute h&#228;ufig als </span><strong><span>Masking</span></strong><span> oder </span><strong><span>Camouflaging</span></strong><span> bezeichnet. Gemeint ist das bewusste oder unbewusste Unterdr&#252;cken autistischer Verhaltensweisen und das Ein&#252;ben von Strategien, mit denen ein Mensch nach au&#223;en weniger auff&#228;llt oder st&#228;rker neurotypischen Erwartungen entspricht.</span></p><p><span>Eine systematische &#220;bersichtsarbeit zum autistischen Camouflaging beschreibt Masking als komplexes B&#252;ndel aus Unterdr&#252;ckung, Kompensation und Anpassung. Zwar kann es kurzfristig soziale Teilhabe erm&#246;glichen oder Schutz vor Ausgrenzung bieten, zugleich wird es jedoch mit Ersch&#246;pfung, Identit&#228;tsproblemen und schlechterer psychischer Gesundheit in Verbindung gebracht.</span></p><p><span>Auch hier liegt ein Unterschied zwischen Anwesenheit und Verbindung.</span></p><p><span>Wer eine Rolle erfolgreich spielt, kann in eine Gruppe aufgenommen werden.</span></p><p><span>Aber angenommen wird dann zun&#228;chst die Rolle.</span></p><p><span>Wenn die eigene Zugeh&#246;rigkeit davon abh&#228;ngt, dass bestimmte Bewegungen unterdr&#252;ckt, Interessen verschwiegen, Reaktionen kontrolliert, S&#228;tze umgebaut und &#220;berforderung versteckt werden, kann ein Mensch mitten unter anderen weiterhin das Gef&#252;hl haben, selbst gar nicht anwesend zu sein.</span></p><p><span>Anpassung brachte mich unter Menschen.</span></p><p><span>Sie brachte mich nicht automatisch zu ihnen.</span></p><p><strong><span>Mobbing ist kein Nebenger&#228;usch</span></strong></p><p><span>Autistische Kinder und Jugendliche sind deutlich h&#228;ufiger von Mobbing betroffen als nicht-autistische Gleichaltrige. Eine systematische &#220;bersicht und Metaanalyse fand eine hohe Verbreitung schulischen Mobbings bei jungen Menschen im Autismus-Spektrum.</span></p><p><span>Statistisch klingt das abstrakt.</span></p><p><span>In einer Biografie bedeutet es m&#246;glicherweise, den Schulweg nicht als Weg nach Hause zu kennen, sondern als Gel&#228;nde, in dem Fluchtlinien, Deckungsm&#246;glichkeiten und Umwege gespeichert werden m&#252;ssen.</span></p><p><span>Es bedeutet, dass ein Kind nicht nur lernen soll, Freundschaften aufzubauen, sondern gleichzeitig lernen muss, welche Gruppe es heute verfolgt, welcher Weg frei ist und ob das Geb&#252;sch dicht genug ist, um darin nicht gesehen zu werden.</span></p><p><span>Mobbing erzeugt dabei nicht nur akute Angst. Es ver&#228;ndert das Verh&#228;ltnis zu anderen Menschen.</span></p><p><span>Wer wiederholt erlebt, dass Gruppen gef&#228;hrlich werden k&#246;nnen, wird soziale N&#228;he nicht unbelastet als etwas grunds&#228;tzlich Gutes wahrnehmen. R&#252;ckzug kann dann Schutz sein. Vorsicht kann vern&#252;nftig sein. Die Konzentration auf wenige, sehr tiefe Freundschaften kann nicht nur eine pers&#246;nliche Vorliebe darstellen, sondern auch die Folge der Erfahrung, dass oberfl&#228;chliche Zugeh&#246;rigkeit keinen verl&#228;sslichen Schutz bietet.</span></p><p><strong><span>Nicht zu wenige Menschen, sondern zu wenig passende Verbindung</span></strong></p><p><span>Wenn ich heute auf diese Jahre zur&#252;ckblicke, erkenne ich kein Kind, das keine Menschen wollte.</span></p><p><span>Ich sehe ein Kind, das Verbindung wollte, aber nur wenige Menschen fand, mit denen sie wirklich m&#246;glich war.</span></p><p><span>Ich sehe Freundschaften, die tief waren und von au&#223;en getrennt wurden.</span></p><p><span>Ich sehe eine Freundesliebe, deren k&#246;rperliche Ausdrucksform an gesellschaftliche Regeln stie&#223;, die mir niemand erkl&#228;rt hatte.</span></p><p><span>Ich sehe den Versuch, soziale Signale zu lesen, deren Bedeutung f&#252;r andere selbstverst&#228;ndlich war und f&#252;r mich vollkommen unsichtbar blieb.</span></p><p><span>Und ich sehe, wie ich allm&#228;hlich lernte, mich anzupassen, ohne dadurch weniger einsam zu werden.</span></p><p><span>Autistische Einsamkeit ist deshalb nicht einfach ein Mangel an Gesellschaft.</span></p><p><span>Sie kann der Mangel an einer Verbindung sein, in der ein Mensch nicht fortw&#228;hrend &#252;bersetzt, korrigiert oder falsch gelesen wird.</span></p><p><span>Sie kann entstehen, wenn andere zwar anwesend sind, aber nur mit der angepassten Oberfl&#228;che in Beziehung treten.</span></p><p><span>Und sie kann gerade deshalb besonders schmerzhaft sein, weil das Bed&#252;rfnis nach tiefer Verbindung keineswegs fehlt.</span></p><p><span>Es findet nur selten einen Ort, an dem es bleiben kann.</span></p><p><span>Viele Jahre sp&#228;ter traf ich einen Menschen, der meine Sprache nicht blo&#223; ertrug, sondern verstand.</span></p><p><span>Doch bevor ich dar&#252;ber schreibe, wie aus dieser Begegnung eine Beziehung entstand, die inzwischen seit mehr als zwanzig Jahren h&#228;lt, musste ich zun&#228;chst erz&#228;hlen, wie viele Jahre Menschen da waren und wahre Verbindung trotzdem fehlte.</span></p><div><hr></div><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Q0TY!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F082c7c05-bff6-40c9-b44c-138e602576a6_1491x1055.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Q0TY!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F082c7c05-bff6-40c9-b44c-138e602576a6_1491x1055.png 424w, 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/p/wenn-menschen-zwar-da-sind-aber-wahre/comments&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Einen Kommentar hinterlassen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/p/wenn-menschen-zwar-da-sind-aber-wahre/comments"><span>Einen Kommentar hinterlassen</span></a></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/p/wenn-menschen-zwar-da-sind-aber-wahre?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Teilen&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/p/wenn-menschen-zwar-da-sind-aber-wahre?utm_source=substack&utm_medium=email&utm_content=share&action=share"><span>Teilen</span></a></p><p class="button-wrapper" data-attrs="{&quot;url&quot;:&quot;https://press.jcmi.eu/subscribe?&quot;,&quot;text&quot;:&quot;Jetzt abonnieren&quot;,&quot;action&quot;:null,&quot;class&quot;:null}" data-component-name="ButtonCreateButton"><a class="button primary" href="https://press.jcmi.eu/subscribe?"><span>Jetzt abonnieren</span></a></p><p></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Seit dem 5. Juli 26 bin ich zertifizierte TECC-Provider]]></title><description><![CDATA[Ich habe gr&#246;&#223;ten Respekt vor allen die auch das Patch tragen. Das Patch verpflichtet.]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/seit-dem-5-juli-26-bin-ich-zert-tecc</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/seit-dem-5-juli-26-bin-ich-zert-tecc</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Sun, 05 Jul 2026 16:39:30 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Twnt!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Faff180c7-900a-47a0-8f21-118b882893a3_1628x1845.jpeg" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p>Wenn es stressig wird und med. Hilfe schnell ben&#246;tigt wird, bin ich f&#228;hig zu helfen, wo andere &#252;berfordert und medizinische Fachkr&#228;fte noch auf dem Weg zum Einsatz sind oder noch in der <strong><span>Cold Zone</span></strong> auf das <strong>EVAC OK</strong> von wom&#246;glich mir warten.</p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Twnt!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Faff180c7-900a-47a0-8f21-118b882893a3_1628x1845.jpeg" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!Twnt!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Faff180c7-900a-47a0-8f21-118b882893a3_1628x1845.jpeg 424w, 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20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" fill="none" stroke="currentColor" stroke-width="2" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" class="lucide lucide-maximize2 lucide-maximize-2 icon-noB79L"><polyline points="15 3 21 3 21 9"></polyline><polyline points="9 21 3 21 3 15"></polyline><line x1="21" x2="14" y1="3" y2="10"></line><line x1="3" x2="10" y1="21" y2="14"></line></svg></button></div></div></div></a></figure></div><p>In gef&#228;hrlicher und chaotisch blutiger Lage behalte ich die Nerven und helfe nach besten Fertigkeiten und F&#228;higkeiten.</p><p>Diese Bef&#228;higung ist besonders selten unter JournalistInnen, etwas &#246;fters bei Notfallsanit&#228;ter und Notfall&#228;rzte zu finden.</p><p>Aber nur weil ich nun zertifiziert bin, suche ich nicht explizit diese F&#228;higkeiten einzusetzen. Aber mir ist jetzt wohler beispielsweise in L&#228;nder zu reisen oder journalistisch auf Demos zu arbeiten, die gef&#228;hrlicher sind.</p><p>Aber ich kenne meine Grenzen, meiner F&#228;higkeiten und meines K&#246;rpers. &#220;bermut und Planlosigkeit wird schnell sehr teuer!</p><p></p><p>Wer mehr dar&#252;ber erfahren m&#246;chte, nutzt den folgenden <a href="https://tecc-germany.de/tecc-kurse/tecc-provider">Link</a></p><p>https://tecc-germany.de/tecc-kurse/tecc-provider</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Ich sehe nicht nur den Preissprung. Ich sehe das Muster dahinter.]]></title><description><![CDATA[Vielleicht liegt es daran, dass ich neurospicy bin?]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/ich-sehe-nicht-nur-den-preissprung</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/ich-sehe-nicht-nur-den-preissprung</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Wed, 01 Jul 2026 10:17:30 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!FBeI!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ffced0edd-7d38-45b0-9cf8-aa9109cb3227_1536x1024.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!FBeI!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ffced0edd-7d38-45b0-9cf8-aa9109cb3227_1536x1024.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" srcset="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!FBeI!,w_424,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ffced0edd-7d38-45b0-9cf8-aa9109cb3227_1536x1024.png 424w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!FBeI!,w_848,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ffced0edd-7d38-45b0-9cf8-aa9109cb3227_1536x1024.png 848w, https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!FBeI!,w_1272,c_limit,f_webp,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2Ffced0edd-7d38-45b0-9cf8-aa9109cb3227_1536x1024.png 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" 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deutlicher, dass meine Mustererkennung nicht schw&#228;cher wird. Sie wird sch&#228;rfer. Nicht, weil ich schneller rechne. Nicht, weil ich in allem besser w&#228;re. Sondern weil mein Kopf schwer damit leben kann, wenn sichtbare Ereignisse und unsichtbare Mechanik nicht zusammenpassen.</span></strong></em></p><p><em><strong><span>Ich sehe dann nicht nur das, was vorne auf dem Preisschild steht.</span></strong></em></p><p><em><strong><span>Ich sehe die L&#252;cke dahinter!</span></strong></em></p><p><span>Und genau diese L&#252;cke wird im modernen Nachrichtenstrom immer gr&#246;&#223;er.</span></p><p><strong><span>Nachrichten zeigen oft den Ausschlag, aber nicht mehr das System</span></strong></p><p><span>Viele Medien berichten heute korrekt &#252;ber Ereignisse.</span></p><p><span>Ein Preis steigt.<br>Eine Regierung entscheidet.<br>Ein Minister erkl&#228;rt.<br>Ein Verband kritisiert.<br>Ein Experte ordnet kurz ein.<br>Ein paar Betroffene sagen, wie sehr es sie belastet.</span></p><p><span>Das ist nicht falsch.</span></p><p><span>Aber es ist oft nicht genug.</span></p><p><span>Denn zwischen Ereignis und Wirklichkeit liegt ein Mechanismus. Und genau dieser Mechanismus verschwindet immer h&#228;ufiger hinter Tempo, Plattformlogik, Klickdruck und kurzen Aufmerksamkeitsschleifen.</span></p><p><span>Google hat Nachrichten auffindbar gemacht, aber auch suchmaschinenf&#246;rmig.<br>Facebook und Meta haben Emp&#246;rung in Reichweite &#252;bersetzt.<br>YouTube hat Erkl&#228;ren demokratisiert, aber auch dramatisiert.<br>TikTok und Shorts haben die Gedankeneinheit verk&#252;rzt.<br>Und viele Redaktionen mussten lernen, in einem System zu &#252;berleben, das Geschwindigkeit und Sichtbarkeit oft st&#228;rker belohnt als Tiefe.</span></p><p><span>Das Ergebnis ist nicht unbedingt L&#252;ge.</span></p><p><span>Es ist etwas Gef&#228;hrlicheres:</span></p><p><span>Unvollst&#228;ndige Wahrheit.</span></p><p><span>Und unvollst&#228;ndige Wahrheit erzeugt falsche Wirklichkeit.</span></p><p><strong><span>Der Tankrabatt als Beispiel f&#252;r eine falsche Oberfl&#228;che</span></strong></p><p><span>Nehmen wir den sogenannten Tankrabatt.</span></p><p><span>Die sichtbare Geschichte ist einfach:</span></p><p><span>Der Rabatt endet.<br>Die Spritpreise steigen.<br>Autofahrende &#228;rgern sich.<br>&#214;lmultis kassieren.<br>Die Politik beobachtet.</span></p><p><span>Das kann man so berichten.</span></p><p><span>Aber dann hat man nur die Oberfl&#228;che beschrieben.</span></p><p><span>Denn der sogenannte Tankrabatt war nie einfach ein Rabatt. Er war eine befristete Senkung der staatlichen Steuerbeteiligung an kriegsbedingt verteuerter Mobilit&#228;t. Der Staat hat niemandem Geld geschenkt. Er hat nur f&#252;r kurze Zeit weniger genommen.</span></p><p><span>Wenn diese Senkung endet, dann endet nicht irgendeine gro&#223;z&#252;gige Gabe. Dann kehrt die volle staatliche Beteiligung an einer ohnehin verteuerten Grundbelastung zur&#252;ck.</span></p><p><span>Das ist ein anderer Satz.</span></p><p><span>Und genau deshalb ist Sprache hier nicht nebens&#228;chlich.</span></p><p><span>&#8222;Tankrabatt&#8220; klingt nach Hilfe.<br>&#8222;Steuerabsch&#246;pfungsreduktion&#8220; klingt nach Mechanik.<br>&#8222;Kriegsfolgebeteiligungssenkung&#8220; klingt sperrig, trifft aber den Kern.</span></p><p><span>Politik liebt W&#246;rter, die weich klingen.<br>Wirklichkeit liebt W&#246;rter, die pr&#228;zise sind.</span></p><p><strong><span>Was auf dem Preisschild sichtbar ist &#8212; und was nicht</span></strong></p><p><span>An der Zapfs&#228;ule sieht man nur den Endpreis.</span></p><p><span>Man sieht nicht, wie viele Ebenen darin stecken.</span></p><p><span>Man sieht nicht die Energiesteuer.<br>Man sieht nicht die Umsatzsteuer.<br>Man sieht nicht den Risikoaufschlag wegen Iran, Trump und der Stra&#223;e von Hormus.<br>Man sieht nicht die Raffineriemarge.<br>Man sieht nicht die Lagerlogik.<br>Man sieht nicht die 12-Uhr-Regel.<br>Man sieht nicht die Erwartung der Autofahrenden, die am Tag vor Rabattende noch schnell tanken wollen.<br>Man sieht nicht, wie diese Erwartung selbst zum Preistreiber werden kann.</span></p><p><span>Man sieht nur: 2,02 Euro.</span></p><p><span>Und dann sagt der Nachrichtenstrom: Die Spritpreise schie&#223;en hoch.</span></p><p><span>Das stimmt.</span></p><p><span>Aber es erkl&#228;rt fast nichts.</span></p><p><span>Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie hoch ist der Preis?</span></p><p><span>Die entscheidende Frage lautet: Welche Mechanik produziert diesen Preis?</span></p><p><strong><span>Der Rabatt fiel nicht zuerst aus dem Gesetz. Er fiel zuerst aus der Erwartung.</span></strong></p><p><span>Das Ende des Steuernachlasses war ein politischer Stichtag.</span></p><p><span>Solche Stichtage wirken nicht erst, wenn sie eintreten. Sie wirken vorher.</span></p><p><span>Wenn alle wissen, dass Benzin und Diesel ab einem bestimmten Datum teurer werden, entsteht Erwartung. Menschen reagieren. Viele tanken vorher. Nicht aus irrationaler Panik, sondern aus vern&#252;nftiger Vorsorge.</span></p><p><span>Wer auf das Auto angewiesen ist, kann nicht einfach sagen: Ich warte mal ab.</span></p><p><span>Pendlerinnen und Pendler m&#252;ssen fahren.<br>Pflegekr&#228;fte m&#252;ssen fahren.<br>Handwerker m&#252;ssen fahren.<br>Lieferdienste m&#252;ssen fahren.<br>Familien im l&#228;ndlichen Raum m&#252;ssen fahren.</span></p><p><span>Diese Menschen reagieren rational auf eine angek&#252;ndigte Belastung.</span></p><p><span>Und diese rationale Reaktion kann marktwirtschaftlich verwertet werden.</span></p><p><span>Die Politik setzt den Stichtag.<br>Die Medien melden den kommenden Preissprung.<br>Autofahrende erwarten h&#246;here Preise.<br>Die Nachfrage zieht vor.<br>Die Branche kann h&#246;here Preise fr&#252;her durchsetzen.</span></p><p><span>So f&#228;llt der Rabatt nicht zuerst aus dem Gesetz.</span></p><p><span>Er f&#228;llt zuerst aus der Erwartung.</span></p><p><span>Und an der Zapfs&#228;ule hei&#223;t Erwartung sehr schnell: Preis.</span></p><p><strong><span>Iran, Trump, Hormus: Der &#214;lpreis ist nicht die ganze Erkl&#228;rung</span></strong></p><p><span>Gleichzeitig ist der Roh&#246;lpreis nicht die ganze Wahrheit.</span></p><p><span>Ja, wenn sich die Lage rund um Iran, Trump und die Stra&#223;e von Hormus teilweise entspannt, kann der &#214;lpreis sinken. Aber M&#228;rkte preisen nicht nur den heutigen Fluss von &#214;l ein. Sie preisen Risiko ein.</span></p><p><span>Was passiert, wenn Hormus wieder blockiert wird?<br>Was passiert, wenn Trump erneut droht?<br>Was passiert, wenn Iran Gespr&#228;che ablehnt?<br>Was passiert mit Versicherungen, Tankerrouten, Sanktionen, Lieferketten und Raffinerien?</span></p><p><span>Diese Unsicherheit verschwindet nicht, nur weil der Brent-Preis f&#252;r ein paar Tage niedriger steht.</span></p><p><span>Und selbst wenn Roh&#246;l f&#228;llt, muss Sprit an der Zapfs&#228;ule nicht sofort fallen. Nach oben reagieren Kraftstoffpreise oft schneller als nach unten.</span></p><p><span>Die Rakete startet sofort.<br>Die Feder sinkt langsam.</span></p><p><span>Auch das geh&#246;rt zum Preisraum.</span></p><p><span>Aber genau dieser Preisraum wird im Tagesjournalismus oft nicht sichtbar gemacht.</span></p><p><strong><span>Vielleicht ist das mein autistischer Blick</span></strong></p><p><span>Vielleicht ist genau das mein autistischer Blick.</span></p><p><span>Ich kann schwer akzeptieren, wenn eine Erkl&#228;rung an der Oberfl&#228;che stehen bleibt. Mein Kopf sucht die Verbindungslinien. Er fragt nicht nur: Was ist passiert?</span></p><p><span>Er fragt:</span></p><p><span>Warum jetzt?<br>Warum so?<br>Wer profitiert?<br>Welche W&#246;rter verschieben die Wahrnehmung?<br>Welche Ursache wird sichtbar gemacht?<br>Welche Ursache bleibt unsichtbar?<br>Welche Teile des Systems werden aus der Erz&#228;hlung herausgeschnitten?</span></p><p><span>Das ist manchmal anstrengend.</span></p><p><span>F&#252;r mich. Und vermutlich auch f&#252;r Menschen, die mit mir diskutieren.</span></p><p><span>Aber es ist auch ein journalistischer Vorteil.</span></p><p><span>Denn Realit&#228;t ist selten ein einzelnes Ereignis. Realit&#228;t ist fast immer ein Geflecht.</span></p><p><span>Und w&#228;hrend der moderne Nachrichtenstrom dieses Geflecht oft in kurze, klickbare St&#252;cke zerlegt, sucht mein Kopf nach dem Muster, das die St&#252;cke verbindet.</span></p><p><strong><span>Das Problem ist nicht Dummheit. Das Problem ist Training.</span></strong></p><p><span>Ich glaube nicht, dass Menschen heute d&#252;mmer sind.</span></p><p><span>Aber ich glaube, dass viele Menschen medial anders trainiert wurden.</span></p><p><span>Kurze Videos. Schnelle Reize. Klare Schuldige. Starke Gef&#252;hle. Schnelle Pointe. Weiterwischen.</span></p><p><span>Das ver&#228;ndert nicht unbedingt die Intelligenz. Aber es ver&#228;ndert die Geduld f&#252;r komplexe Kausalketten.</span></p><p><span>Und genau davon lebt gute Aufkl&#228;rung.</span></p><p><span>Wer nur noch die sichtbare Spitze zeigen kann, verliert den Eisberg.</span></p><p><span>Beim Tankrabatt hei&#223;t die sichtbare Spitze: Spritpreise steigen.</span></p><p><span>Der Eisberg darunter hei&#223;t: Steuerpolitik, Marktmacht, geopolitisches Risiko, Erwartungspsychologie, Medienlogik, staatliches Framing und wirtschaftliche Abh&#228;ngigkeit.</span></p><p><span>Wer nur die Spitze zeigt, erzeugt ein falsches Bild.</span></p><p><span>Nicht, weil die Spitze nicht existiert.</span></p><p><span>Sondern weil sie ohne den Eisberg nicht verstanden werden kann.</span></p><p><strong><span>Die Presse zeigt die Zapfs&#228;ule. Aber sie erkl&#228;rt zu selten den Preisraum.</span></strong></p><p><span>Das ist mein eigentlicher Vorwurf.</span></p><p><span>Nicht, dass Medien &#252;ber steigende Spritpreise berichten. Das m&#252;ssen sie.</span></p><p><span>Der Fehler ist, wenn sie bei den steigenden Spritpreisen stehen bleiben.</span></p><p><span>Dann entsteht das bequeme Bild:</span></p><p><span>Die &#214;lmultis sind b&#246;se.<br>Die Autofahrenden sind Opfer.<br>Die Politik beobachtet.<br>Der Rabatt war eine Hilfe.<br>Jetzt ist sie weg.</span></p><p><span>Aber die Realit&#228;t ist komplexer:</span></p><p><span>Der Staat hat einen befristeten Steuerverzicht beendet.<br>Die Branche hat den erwartbaren Stichtag eingepreist.<br>Die Medien haben den Preissprung mit angek&#252;ndigt.<br>Autofahrende haben rational vorgezogen.<br>Geopolitische Risiken blieben im System.<br>Und der Begriff &#8222;Tankrabatt&#8220; hat von Anfang an verdeckt, was wirklich geschah.</span></p><p><span>Das ist kein sauber erkl&#228;rtes Ereignis.</span></p><p><span>Das ist ein falsch gerahmter Mechanismus.</span></p><p><strong><span>Warum ich dar&#252;ber schreibe</span></strong></p><p><span>Ich schreibe dar&#252;ber nicht, weil mich Benzinpreise allein interessieren.</span></p><p><span>Ich schreibe dar&#252;ber, weil dieser Fall zeigt, wie Gegenwart heute oft erz&#228;hlt wird.</span></p><p><span>Man zeigt, was sichtbar ist.<br>Man verk&#252;rzt, was kompliziert ist.<br>Man personalisiert, was systemisch ist.<br>Man emotionalisiert, was strukturell erkl&#228;rt werden m&#252;sste.<br>Man nennt es Einordnung, obwohl es oft nur Ereignisverwaltung ist.</span></p><p><span>Aber Demokratie braucht mehr als Ereignisverwaltung.</span></p><p><span>Sie braucht Mustererkennung.</span></p><p><span>Sie braucht Menschen, die fragen: Was wird hier nicht erkl&#228;rt?</span></p><p><span>Vielleicht ist das der Punkt, an dem mein Autismus nicht nur Belastung ist, sondern Werkzeug.</span></p><p><span>Nicht, weil ich immer recht habe.</span></p><p><span>Sondern weil mein Kopf sich weigert, eine sichtbare Oberfl&#228;che f&#252;r die ganze Wirklichkeit zu halten.</span></p><p><strong><span>Fazit: Der Preissprung ist sichtbar. Das Muster dahinter muss erkl&#228;rt werden.</span></strong></p><p><span>Der Tankrabatt war nie nur ein Tankrabatt.</span></p><p><span>Er war ein Beispiel daf&#252;r, wie politische Sprache Realit&#228;t weichzeichnet. Wie Medien sichtbare Ereignisse berichten, aber unsichtbare Mechanismen oft zu wenig erkl&#228;ren. Wie M&#228;rkte Erwartung verwerten. Wie geopolitische Risiken im Alltagspreis landen. Wie ein globaler Konflikt, eine deutsche Steuerentscheidung und ein Tankstellenpreisschild zusammenh&#228;ngen.</span></p><p><span>Die Zapfs&#228;ule zeigt den Preis.</span></p><p><span>Aber sie erkl&#228;rt ihn nicht.</span></p><p><span>Genau daf&#252;r br&#228;uchte es Journalismus.</span></p><p><span>Und vielleicht auch Menschen, deren Kopf nicht aufh&#246;rt, nach dem Muster hinter dem sichtbaren Ausschlag zu suchen.</span></p><div><hr></div><p></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!OJoT!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F35948d8f-ce19-4412-a5ce-32228fe9e5bd_1491x1055.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" 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class="image-link-expand"><div class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" 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Normalit&#228;t]]></description><link>https://press.jcmi.eu/p/muster-unter-spannung</link><guid isPermaLink="false">https://press.jcmi.eu/p/muster-unter-spannung</guid><dc:creator><![CDATA[Ike Aaren Hadler (they, them)]]></dc:creator><pubDate>Tue, 30 Jun 2026 00:44:57 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!xSWq!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F2210594a-88ff-4218-83cb-15fac72d45f4_1672x941.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!xSWq!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F2210594a-88ff-4218-83cb-15fac72d45f4_1672x941.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" 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class="pencraft pc-display-flex pc-gap-8 pc-reset"><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container restack-image buttonBase-GK1x3M"><svg aria-hidden="true" width="20" height="20" viewBox="0 0 20 20" fill="none" stroke-width="1.5" stroke="var(--color-fg-primary)" stroke-linecap="round" stroke-linejoin="round" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" class="icon-noB79L"><g><path d="M2.53001 7.81595C3.49179 4.73911 6.43281 2.5 9.91173 2.5C13.1684 2.5 15.9537 4.46214 17.0852 7.23684L17.6179 8.67647M17.6179 8.67647L18.5002 4.26471M17.6179 8.67647L13.6473 6.91176M17.4995 12.1841C16.5378 15.2609 13.5967 17.5 10.1178 17.5C6.86118 17.5 4.07589 15.5379 2.94432 12.7632L2.41165 11.3235M2.41165 11.3235L1.5293 15.7353M2.41165 11.3235L6.38224 13.0882"></path></g></svg></button><button tabindex="0" type="button" class="pencraft pc-reset pencraft icon-container view-image buttonBase-GK1x3M"><svg xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" width="20" height="20" viewBox="0 0 24 24" 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Das ist nicht meine These. Ich glaube nicht an den einen gro&#223;en Blackout als wahrscheinlichstes Szenario, nicht an den pl&#246;tzlichen Zusammenbruch einer ganzen modernen Gesellschaft, nicht an die Zombieapokalypse mit Taschenlampe, Dosenregal und Weltuntergangsromantik.</span></p><p><span>Was ich f&#252;r wahrscheinlicher halte, ist leiser, un&#252;bersichtlicher und gerade deshalb gef&#228;hrlicher: Deutschland bekommt L&#246;cher.</span></p><p><span>Nicht &#252;berall gleichzeitig. Nicht unbedingt spektakul&#228;r. Sondern regional, geclustert, stundenweise, vielleicht in ung&#252;nstigen F&#228;llen tageweise. Ein Stadtteil ohne Strom. Eine Gemeinde mit ausgefallenem Umspannwerk. Mehrere Netzstationen, die gleichzeitig Probleme machen. Mobilfunk, der unter Last wackelt. Bahnverkehr, der bei Hitze ausged&#252;nnt oder gest&#246;rt wird. Pflegeheime, K&#252;hlketten, Superm&#228;rkte, Arztpraxen, kleine Betriebe und Privathaushalte, die pl&#246;tzlich merken, wie viele Selbstverst&#228;ndlichkeiten an einer Steckdose h&#228;ngen.</span></p><p><span>Das ist nicht der totale Blackout. Es ist eine l&#246;chrige Normalit&#228;t.</span></p><p><span>Und genau diese l&#246;chrige Normalit&#228;t sah ich kommen.</span></p><p><span>Vielleicht nicht in jedem Detail, nicht mit Datum, Uhrzeit und Ort, aber als Muster. Hitzeperioden werden l&#228;nger, Sommer h&#228;rter, Geb&#228;ude hei&#223;er, N&#228;chte weniger entlastend, St&#228;dte schlechter k&#252;hlbar, elektrische Verbraucher zahlreicher. Gleichzeitig w&#228;chst die Elektrifizierung des Alltags: W&#228;rmepumpen, E-Autos, Klimager&#228;te, Server, Router, Ladeger&#228;te, K&#252;hltechnik, medizinische Hilfsmittel, digitale Arbeit, Kommunikation. Immer mehr Leben h&#228;ngt am Strom, w&#228;hrend die Infrastruktur, die diesen Strom verteilen soll, vielerorts aus einer anderen Normalit&#228;t stammt.</span></p><p><span>Ich schreibe dar&#252;ber nicht als Netzbetreiber. Ich schreibe nicht aus einem Leitstand. Ich schreibe auch nicht als jemand, der sich eine Krise herbeiw&#252;nscht, um danach sagen zu k&#246;nnen: Seht ihr, ich hatte recht.</span></p><p><span>Ich schreibe als jemand, der 1998 Energieanlagenelektroniker wurde und dieses technische Denken nie ganz verloren hat. Auch wenn mein Berufsleben sp&#228;ter andere Wege genommen hat, blieb etwas davon im Kopf: Strom ist nicht einfach &#8222;da&#8220;. Strom ist Leitung, Last, W&#228;rme, Schutz, Schaltzustand, Reserve, Fehlerkette. Ein Netz ist kein magisches Versprechen, sondern ein physisches System aus Betriebsmitteln, Materialalterung, Temperatur, Planung, Redundanz und Menschen, die es im St&#246;rfall wieder zusammenbringen m&#252;ssen.</span></p><p><span>Wenn man einmal gelernt hat, so zu denken, sieht man anders auf eine Hitzewelle.</span></p><p><span>Dann ist Hitze nicht nur Wetter. Hitze ist Last. Hitze ist Materialstress. Hitze ist weniger Reserve im Trafo, im Kabel, in der Muffe, im Schaltschrank, im Serverraum, im menschlichen K&#246;rper. Hitze sorgt daf&#252;r, dass K&#252;hlger&#228;te mehr arbeiten, Klimaanlagen anspringen, Ventilatoren laufen, Geb&#228;ude langsamer abk&#252;hlen, Menschen schlechter schlafen und am Abend trotzdem gekocht, gearbeitet, gestreamt, geladen und kommuniziert wird.</span></p><p><span>Der Hitzetag endet f&#252;r das Stromnetz nicht mit dem Sonnenuntergang. Dann beginnt oft erst die zweite Lastwelle: warme Geb&#228;ude, ersch&#246;pfte Menschen, laufende K&#252;hlung, Ventilatoren, Licht, Medien, Laden, Kochen, Gartenleben. An hei&#223;en Sommerabenden verschiebt sich Stromverbrauch nicht nur technisch, sondern sozial. Menschen bleiben l&#228;nger drau&#223;en, grillen, &#246;ffnen st&#228;ndig K&#252;hlschr&#228;nke, k&#252;hlen Getr&#228;nke, nutzen Garten- und Terrassenbeleuchtung, lassen Fernseher, Musik, Router, Ladeger&#228;te und Klimager&#228;te l&#228;nger laufen. Was einzeln banal wirkt, wird im Netz relevant, wenn es in vielen Haushalten gleichzeitig passiert &#8212; besonders dann, wenn die PV-Erzeugung bereits f&#228;llt, die Geb&#228;ude aber noch W&#228;rme abstrahlen und die Betriebsmittel im Netz vom Tag her vorbelastet sind.</span></p><p><span>In solchen Momenten werden Defekte nicht mehr nur Defekte. Sie werden Teil eines Stressfeldes.</span></p><p><span>In R&#252;sselsheim wurde diese Kette pl&#246;tzlich sichtbar: Hitze, hohe Last, laufende K&#252;hlung, Haushaltsger&#228;te, Abendverbrauch &#8212; und dann versagen nicht abstrakte &#8222;Systeme&#8220;, sondern sehr konkrete Bauteile. Unterirdische Verbindungselemente, Kabelmuffen, k&#246;nnen unter Alterung, Feuchtigkeit, Temperatur und Last zur Schwachstelle werden. Ein Erdschluss ist dann nicht nur ein einzelner Defekt, sondern ver&#228;ndert Lastfl&#252;sse, erzwingt Umschaltungen und belastet benachbarte Netzteile zus&#228;tzlich. Genau so wird aus Materialstress eine Kettenreaktion.</span></p><p><span>Das klassische beruhigende Bild lautet: Ein Fehler darf passieren. Dann wird umgeschaltet, die Last verteilt, das System h&#228;lt.</span></p><p><span>Aber Klimastress ver&#228;ndert die Randbedingungen. N+1 klingt gut, solange es bei einem Fehler unter beherrschbaren Bedingungen bleibt. Wenn aber mehrere Schwachstellen gleichzeitig in einem &#252;berhitzten, hochbelasteten Umfeld sichtbar werden, wenn Einsatzkr&#228;fte parallel gebunden sind, wenn umliegende Betreiber ebenfalls unter Last stehen und wenn Messwagen, Ersatzteile, Tiefbau und Personal nicht beliebig skalierbar sind, dann wird aus einem technischen Defekt schnell ein regionales Ereignis.</span></p><p><span>Nicht, weil Deutschland unf&#228;hig w&#228;re. Sondern weil Systeme selten an einem einzigen Punkt brechen. Sie verlieren zuerst Reserve.</span></p><p><span>Und Reserve ist das, was wir gerade &#252;berall verlieren.</span></p><p><span>In fr&#252;heren Texten habe ich &#252;ber Hitze als k&#246;rperliches Problem geschrieben, gerade mit Blick auf Autismus, Neurodivergenz und Reizverarbeitung. Hohe Temperaturen sind f&#252;r viele Menschen nicht einfach unangenehm, sondern funktional einschr&#228;nkend. Schlaf wird schlechter, Reize werden lauter, Konzentration bricht schneller weg, der K&#246;rper reguliert schlechter, das Nervensystem kommt nicht mehr richtig herunter. Hitze frisst Erholungsr&#228;ume.</span></p><p><span>Je l&#228;nger ich dar&#252;ber nachdenke, desto mehr sehe ich denselben Mechanismus auch au&#223;erhalb des K&#246;rpers. Auch St&#228;dte brauchen Erholungsr&#228;ume. Auch Netze brauchen Reserve. Auch Infrastruktur braucht Abk&#252;hlung. Auch Gesellschaften brauchen Puffer, bevor aus Belastung &#220;berforderung wird.</span></p><p><span>Vielleicht ist das mein neurospicy Betriebssystem: Ich sehe nicht nur den hei&#223;en Tag. Ich sehe die Kette dahinter.</span></p><p><span>Ich sehe nicht nur eine Klimaanlage im Fenster, sondern den Ortsnetztrafo am Ende der Stra&#223;e. Ich sehe nicht nur ein E-Auto an der Wallbox, sondern die Gleichzeitigkeit nach Feierabend. Ich sehe nicht nur Photovoltaik auf dem Dach, sondern R&#252;ckspeisung, Spannungshaltung, Speicher, Lastmanagement und die Frage, ob ein Haus ein reiner Verbraucher bleibt oder zu einem kleinen Energie-Knoten wird. Ich sehe nicht nur einen Stromausfall, sondern Router, Mobilfunk, K&#252;hlung, Licht, Aufz&#252;ge, Pflege, Arbeit, Wasser, Information, Koordination und Stress.</span></p><p><span>Autismus macht mich nicht automatisch kl&#252;ger. Das w&#228;re zu einfach und zu romantisch. Aber er ver&#228;ndert, worauf ich achte. Ich kann Muster schwer ignorieren, wenn ich sie einmal erkannt habe. Wiederholungen, Abweichungen, Spannungen in Systemen, kleine Risse in der Normalit&#228;t &#8212; all das bleibt bei mir h&#228;ngen. Manchmal ist das anstrengend. Manchmal wirkt es auf andere wie &#220;bertreibung. Manchmal ist es einfach nur die Unf&#228;higkeit, bequem wegzuschauen.</span></p><p><span>Vor einigen Jahren begann f&#252;r mich genau dieses Muster immer deutlicher zu werden: Die Klimakrise ist keine einzelne Katastrophe, die irgendwann kommt. Sie ist eine Ver&#228;nderung der Betriebsbedingungen. Sie macht Sommer hei&#223;er, N&#228;chte weniger erholsam, Extremwetter h&#228;ufiger, St&#228;dte anstrengender, Infrastruktur verletzlicher und Elektrizit&#228;t wichtiger.</span></p><p><span>Denn je hei&#223;er die Welt wird, desto wichtiger wird Strom.</span></p><p><span>Strom k&#252;hlt. Strom kommuniziert. Strom pumpt. Strom hebt, beleuchtet, verbindet, rechnet, l&#228;dt, &#252;berwacht, dokumentiert, koordiniert. Wer Hitzeperioden ernst nimmt, muss Stromversorgung ernst nehmen. Nicht abstrakt als Energiedebatte, sondern konkret als Alltagsbedingung. Ohne Strom wird Hitze schnell mehr als unangenehm. Sie wird gef&#228;hrlich.</span></p><p><span>Gleichzeitig wird das Stromnetz selbst Teil dieses Hitzestresses. Mehr K&#252;hlung bedeutet mehr Last. Mehr E-Mobilit&#228;t bedeutet neue Lastspitzen. Mehr W&#228;rmepumpen ver&#228;ndern Verbrauchsprofile. Mehr dezentrale Photovoltaik ver&#228;ndert die Richtung und Dynamik der Einspeisung. Das ist nicht falsch, im Gegenteil: Dezentrale Erzeugung und Speicher k&#246;nnen ein wichtiger Teil der L&#246;sung sein. Aber sie m&#252;ssen in Netze integriert werden, die historisch oft f&#252;r eine andere Welt gebaut wurden: zentralere Erzeugung, berechenbarere Lasten, weniger private Leistungselektronik, weniger Klimatisierung, weniger extreme Hitzeperioden.</span></p><p><span>Die Energiewende scheitert nicht an zu viel Sonne. Sie wird dort verletzlich, wo Ger&#228;te, D&#228;cher, Speicher und Verbraucher schneller in den H&#228;usern ankommen als Netzmodernisierung, Monitoring, Ortsnetzverst&#228;rkung, Transformatorentausch, Schutzkonzepte und kommunale Resilienzplanung in den Stra&#223;en.</span></p><p><span>Genau deshalb halte ich das Risiko regionaler, geclusterter Ausf&#228;lle f&#252;r so relevant. Nicht als Panikbild, sondern als naheliegende Folge einer Infrastruktur, die unter neuen Bedingungen betrieben wird.</span></p><p><span>Und deshalb habe ich gehandelt.</span></p><p><span>Nicht als Hardcore-Prepper. Nicht mit Regalmetern voller Vorr&#228;te f&#252;r Monate. Nicht mit der Erwartung, dass demn&#228;chst die Zivilisation endet. Ich habe keine Zombieapokalypse im Kopf. Was ich im Kopf habe, sind wahrscheinlichere Szenarien: einige Stunden ohne Strom. Vielleicht ein Tag. Vielleicht zwei oder drei Tage, wenn mehrere ung&#252;nstige Faktoren zusammenkommen. Eine lokale St&#246;rung, eine regionale &#220;berlastung, ein Hitzewochenende, ein technischer Defekt, &#252;berlastete Reparaturkapazit&#228;ten, gleichzeitig eingeschr&#228;nkte Kommunikation.</span></p><p><span>F&#252;r solche Szenarien wollte ich nicht nur hoffen.</span></p><p><span>Das Haus meiner Eltern wurde deshalb energetisch und technisch geh&#228;rtet. Photovoltaik auf dem Dach, Batteriespeicher, Ersatzstromf&#228;higkeit. Nicht als vollst&#228;ndige Abkopplung von der Gesellschaft, sondern als zweite Versorgungsebene. Wenn extern der Strom ausf&#228;llt, soll nicht sofort alles dunkel, still und abh&#228;ngig werden. Meine Mutter soll bei einem l&#228;ngeren lokalen Ausfall nicht pl&#246;tzlich ohne Licht, K&#252;hlung, Kommunikation und Grundfunktionen dastehen. Und wenn wir sp&#228;ter selbst dort wohnen oder in einer St&#246;rung zu dritt dort ausweichen m&#252;ssen, soll Strom nicht der erste Engpass sein.</span></p><p><span>Das Haus ist damit nicht nur Verbraucher. Es ist ein kleiner Resilienz-Knoten.</span></p><p><span>Die konkrete Technik ist dabei weniger wichtig als die Logik dahinter: Energie nicht nur aus einer Quelle, Kommunikation nicht nur &#252;ber einen Weg, Arbeit nicht nur an einem Ort, Orientierung nicht nur &#252;ber eine App. Ich wollte keine Festung bauen. Ich wollte Abh&#228;ngigkeiten entflechten.</span></p><p><span>An normalen Sommertagen produziert das Haus deutlich mehr Strom, als es selbst braucht. An hei&#223;en Sonnentagen kann es trotz zus&#228;tzlicher K&#252;hlung weitgehend netzunabh&#228;ngig laufen und sogar Strom einspeisen. Entscheidend ist dabei nicht die Prahlerei mit technischen Daten. Entscheidend ist das Prinzip: Ein Haushalt muss in der kommenden Klimawirklichkeit nicht zwingend nur zus&#228;tzlicher Lastpunkt sein. Mit PV, Speicher, Ersatzstromf&#228;higkeit und bewusstem Lastmanagement kann er Teil einer dezentralen Pufferstruktur werden.</span></p><p><span>Nat&#252;rlich ist das keine L&#246;sung f&#252;r alle. Nicht jede Familie besitzt ein Haus. Nicht jede Person kann PV, Speicher, Satelliteninternet, Camper oder Funktechnik anschaffen. Genau deshalb w&#228;re es politisch falsch, private Resilienz als Ersatz f&#252;r &#246;ffentliche Verantwortung zu verkaufen. Aber sie zeigt im Kleinen, was im Gro&#223;en gedacht werden muss: Redundanz, Speicher, lokale Erzeugung, Kommunikationswege, k&#252;hle R&#228;ume, Nachbarschaftsstrukturen, Notstromkonzepte, Pflegeheimschutz, Wasserstellen, Verschattung, kommunale Krisen&#252;bungen.</span></p><p><span>Resilienz beginnt dort, wo eine St&#246;rung nicht automatisch zur Kaskade wird.</span></p><p><span>Seit April 2025 kommt bei mir noch eine mobile Ebene hinzu: ein kleiner Camper mit eigener Stromversorgung, Solarmodulen und unabh&#228;ngiger Kommunikation. Das klingt nach Reise, Abenteuer und Freiheit, und das ist es auch. Aber es ist zus&#228;tzlich eine bewegliche Resilienzzelle. Ein Ausweichraum. Eine Arbeitsm&#246;glichkeit. Eine mobile Pufferstruktur, wenn lokale Infrastruktur vor&#252;bergehend wackelt.</span></p><p><span>Zur Kommunikation geh&#246;rt im Haus ebenfalls Redundanz: Festnetz, Mobilfunk, Satellit. Dazu kommen Funkger&#228;te f&#252;r den Nahbereich und bei Bedarf eine Fahrzeugfunke mit passender Antenne. Auch das ist kein militarisiertes Krisenfantasie-Setup. Es ist ein n&#252;chterner Gedanke: Wenn Strom, Internet und Mobilfunk gleichzeitig wackeln, wird Kommunikation selbst zur kritischen Infrastruktur. Wer dann wenigstens im Nahbereich noch koordinieren kann, hat eine Kaskade unterbrochen.</span></p><p><span>Vielleicht ist das der wichtigste Begriff f&#252;r meine Art von Vorsorge: Kaskadenbremsung.</span></p><p><span>Ich bereite mich nicht auf das Ende der Welt vor. Ich versuche, Ausfallketten k&#252;rzer zu machen. Strom weg soll nicht automatisch Kommunikation weg bedeuten. Internet weg soll nicht automatisch Arbeit weg bedeuten. Lokaler Ausfall soll nicht automatisch Kontrollverlust bedeuten. Hitze soll nicht automatisch Handlungsunf&#228;higkeit bedeuten.</span></p><p><span>Das ist auch eine autistische Perspektive auf Resilienz. Kontrollverlust ist nicht nur unangenehm, sondern kann k&#246;rperlich und psychisch massiv werden. Wer ohnehin st&#228;rker mit Reizverarbeitung, Planbarkeit, Ersch&#246;pfung und Systemstress ringt, erlebt Infrastruktur nicht neutral. Ein Stromausfall ist dann nicht nur &#8222;ein bisschen dunkel&#8220;. Er kann bedeuten: Routinen brechen, Kommunikation bricht, K&#252;hlung f&#228;llt aus, Schlaf wird schlechter, Reize steigen, Unsicherheit w&#228;chst, Entscheidungen werden schwerer.</span></p><p><span>Darum ist Autarkie f&#252;r mich kein romantisches Outdoor-Hobby, sondern ein Werkzeug gegen &#220;berforderung. Abenteuerreisen, Camping, begrenzter Strom, begrenztes Wasser, improvisierte Infrastruktur &#8212; all das waren nicht nur Erlebnisse, sondern &#220;bungen. &#220;bungen darin, mit weniger auszukommen, Priorit&#228;ten zu setzen, Systeme zu verstehen und nicht sofort in Panik zu geraten, wenn die gewohnte Normalit&#228;t nicht verf&#252;gbar ist.</span></p><p><span>Aber diese pers&#246;nliche Ebene darf nicht das Ende der Debatte sein.</span></p><p><span>Ich habe in einem anderen Zusammenhang schon &#252;ber die Idee geschrieben, zivile Dienstformen st&#228;rker auf Klimakrisen, Infrastruktur und gesellschaftliche Resilienz auszurichten. Je l&#228;nger ich auf diese Entwicklung schaue, desto richtiger erscheint mir dieser Gedanke. Wenn die Klimakrise eine der gro&#223;en Bedrohungen unserer Zeit ist, dann wird Wehrhaftigkeit nicht nur milit&#228;risch entschieden. Nicht jede Verteidigung tr&#228;gt Uniform. Manche Verteidigung baut Verschattung an Schulen, organisiert Trinkwasserpunkte, unterst&#252;tzt Pflegeheime bei Hitze, testet Notstromversorgung, kartiert vulnerable Menschen, verst&#228;rkt Nachbarschaftshilfe, &#252;bt Funk- und Kommunikationsketten, hilft Kommunen bei k&#252;hlen R&#228;umen, kontrolliert kritische Infrastrukturen und sorgt daf&#252;r, dass eine Hitzewelle nicht jedes Mal wie ein &#252;berraschender Ausnahmezustand behandelt wird.</span></p><p><span>Ein ziviles Resilienzkorps w&#228;re keine romantische Pflichtdienst-Idee, sondern eine praktische Antwort auf eine Welt, deren Risiken lokaler, hei&#223;er und gleichzeitiger werden.</span></p><p><span>Denn das eigentliche Problem ist nicht nur Hitze. Das eigentliche Problem ist Gleichzeitigkeit.</span></p><p><span>Gleichzeitig hei&#223;. Gleichzeitig hoher Strombedarf. Gleichzeitig alte Infrastruktur. Gleichzeitig mehr elektrische Verbraucher. Gleichzeitig weniger n&#228;chtliche Erholung. Gleichzeitig &#252;berlastete Einsatzkr&#228;fte. Gleichzeitig vulnerable Menschen. Gleichzeitig politische Tr&#228;gheit. Gleichzeitig eine Gesellschaft, die noch immer gern so tut, als seien Extremereignisse Ausnahmen, w&#228;hrend sie l&#228;ngst Teil der neuen Betriebsbedingungen werden.</span></p><p><span>Meine private Vorsorge l&#246;st dieses Problem nicht. Sie sch&#252;tzt nicht die Nachbarschaft, nicht die Stadt, nicht das Stromnetz, nicht die Pflegeheime, nicht die Menschen in schlecht ged&#228;mmten Wohnungen. Sie ist nur das, was ich in meinem Verantwortungsbereich tun konnte.</span></p><p><span>Aber genau darin liegt f&#252;r mich der &#220;bergang vom Privaten ins Politische.</span></p><p><span>Wenn ich als Einzelperson Muster sehen und begrenzt handeln kann, dann muss eine Gesellschaft mit Fachbeh&#246;rden, Netzbetreibern, Kommunen, Wissenschaft, Handwerk, Katastrophenschutz und politischer Macht erst recht handeln k&#246;nnen. Nicht erst nach der n&#228;chsten St&#246;rung. Nicht erst nach der n&#228;chsten Hitzewelle. Nicht erst, wenn wieder jemand sagt, damit habe man nicht rechnen k&#246;nnen.</span></p><p><span>Man konnte damit rechnen.</span></p><p><span>Vielleicht nicht mit jedem Ort, jedem Defekt, jedem Datum. Aber mit dem Muster.</span></p><p><span>Und dieses Muster lautet: Unsere Normalit&#228;t wurde f&#252;r eine k&#252;hlere, stabilere, weniger elektrische Welt gebaut. Die kommende Welt wird hei&#223;er, abh&#228;ngiger von Strom, st&#228;rker vernetzt, st&#228;rker digitalisiert und gleichzeitig st&#246;ranf&#228;lliger. Wir werden nicht automatisch untergehen. Aber wir werden mehr L&#246;cher erleben, wenn wir weiter so tun, als sei Resilienz nur etwas f&#252;r Sonderlinge, Techniknerds oder Prepper.</span></p><p><span>Resilienz ist keine Weltuntergangsfantasie. Resilienz ist erwachsene Gegenwartsanalyse.</span></p><p><span>Ich wollte nicht recht behalten. Ich wollte handlungsf&#228;hig bleiben.</span></p><p><span>Und je mehr die Hitzesommer zeigen, wie K&#246;rper, St&#228;dte, Netze und Gesellschaften unter Spannung geraten, desto mehr glaube ich: Genau darum wird es in den n&#228;chsten Jahren gehen. Nicht um Panik. Nicht um R&#252;ckzug. Nicht um den gro&#223;en Blackout als Erz&#228;hlung.</span></p><p><span>Sondern um die n&#252;chterne Frage, wie viel Ausfall wir &#252;berbr&#252;cken k&#246;nnen, bevor aus einer St&#246;rung eine Krise wird.</span></p><p><span>Und wer diese Frage fr&#252;h genug stellt, wirkt vielleicht eine Zeit lang &#252;bervorsichtig.</span></p><p><span>Bis die Normalit&#228;t beginnt, L&#246;cher zu bekommen.</span></p><div><hr></div><p></p><div class="captioned-image-container"><figure><a class="image-link image2 is-viewable-img" target="_blank" href="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!WOfx!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F3f0d1ebd-87e3-438a-a007-c53fb0c81513_1491x1055.png" data-component-name="Image2ToDOM"><div class="image2-inset"><picture><source type="image/webp" 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